Warum wir den Weltfrauentag immer noch brauchen.
Das Editorial von Chefredakteurin Nicole Schlaffer
© Vanessa Hartmann
Es ist 2025, und wir reden immer noch darüber. Über Gleichberechtigung. Über Körperbilder. Über Feminismus. Und ja, darüber, warum wir am 8. März den Frauentag feiern – oder besser gesagt: warum wir ihn immer noch brauchen.
„Aber Frauen haben doch längst alles erreicht!“ Wirklich? Dann erklären Sie mir bitte, warum Frauen in Führungspositionen noch immer seltener sind als ehrliche Wahlversprechen im Wahlkampf.
Warum Frauen weniger verdienen – selbst dann, wenn sie denselben Job machen wie ihre männlichen Kollegen. Warum es immer noch gesellschaftlich diskutiert wird, ob Frauen wirklich Karriere wollen sollen oder doch lieber in die „natürliche“ Rolle der Fürsorgenden schlüpfen sollten.
„Der Feminismus ist unbequem, komplex, manchmal nervig – und genau deshalb so wichtig.“
Chefredakteurin Nicole Schlaffer
Und während wir uns in endlosen Debatten über Quoten und gläserne Decken verstricken, sorgt der Schönheitswahn dafür, dass Frauen sich weiterhin optimieren – bis zur Unkenntlichkeit. Filter drüber, Realität drunter. Weibliche Körper sind nach wie vor Projektionsflächen gesellschaftlicher Erwartungen. Zu kurvig? Problematisch. Zu dünn? Auch nicht recht. Zu alt? Unsichtbar.
Der Feminismus ist längst nicht am Ziel. Er ist unbequem, komplex und manchmal nervig – und genau deshalb so wichtig. Weil er hinsieht, wo andere wegschauen. Weil er fragt: Wer profitiert eigentlich vom Status quo? Und weil er Frauen darin bestärkt, sich nicht kleinzumachen, sondern Platz einzunehmen.
Der 8. März ist also kein freundlicher Reminder, Blumen zu kaufen. Er ist ein Weckruf. Für uns alle. Und bis wir in einer Welt leben, in der Gleichberechtigung keine Schlagzeile mehr wert ist, bleibt der Frauentag mehr als nur nötig.
Schreiben Sie mir Ihre Meinung:
nicole.schlaffer@dieburgenlaenderin.at
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