Bianca Schwarzjirg auf der "Café Puls"-Couch

Bianca Schwarzjirg: Zwischen Bühne, Business & Balance

Die Moderatorin, Unternehmerin, Rhetorik-Coach, Gastgeberin und Netzwerkerin im Talk.

8 Min.

© Lisa-Maria Trauer

Seit über zwei Jahrzehnten steht Bianca Schwarzjirg vor der Kamera – und ist längst mehr als nur TV-Moderatorin. Als Unternehmerin, Rhetorik-Coach, Gastgeberin und Netzwerkerin lebt sie viele Rollen zugleich. Im Gespräch erzählt sie, warum Authentizität ihr wichtigstes Prinzip ist, was am TV-Alltag oft unterschätzt wird – und wo sie zwischen Café Puls und Business ihre Kraft findet.

Bianca Schwarzjirg im Interview

Es ist 2:40 Uhr morgens. Während die meisten von uns noch schlafen, beginnt für Bianca Schwarzjirg der Tag. Von Niederösterreich geht es ins „Café Puls“-Studio nach Wien: Maske, Vorbereitung auf die Live-Sendung, Dreh, Themensitzung – und nach Puls 4 weiter ins eigene Büro, wo sich Bianca um ihre anderen Projekte kümmert. Denn wer glaubt, ihre Karriere beschränke sich auf das Studio, irrt. Bianca Schwarzjirg ist Unternehmerin, führt ein Gästehaus in Bad Gastein, coacht Menschen in Rhetorik und hat mit dem HERizon Summit ein Event-Format für weibliche Vernetzung und Business-Austausch geschaffen. Was sie antreibt, ist nicht Perfektion, sondern Klarheit: zu wissen, wer man ist, was man will und wofür man steht. 

Du bist seit 18 Jahren bei „Café Puls“ und seit 23 Jahren im TV – wusstest du immer schon, dass du in diese Branche willst? 

Ja, eigentlich wollte ich das immer schon. Ich habe sogar in die Stammbücher in der Schule geschrieben, dass ich Fernsehsprecherin werden will. (lacht) Ich wusste also sehr früh, dass ich in diese Richtung geehn möchte. Trotzdem habe ich zuerst Psychologie studiert und dann Publizistik, aber währenddessen schon begonnen, beim Fernsehen und Radio zu arbeiten. Ich wollte zwar auch Rennfahrerin und Schriftstellerin werden (lacht), aber in den Medien zu arbeiten, war bei mir wirklich immer präsent.

Wenn du auf deine Karriere zurückblickst: Gab es einen Moment, der alles verändert hat?

Wahrscheinlich war es der Moment, als ich zum ersten Mal zu Puls 4 gegangen bin. Ich wurde damals angeschrieben und gefragt, ob ich nicht Lust hätte, zu einem Casting zu kommen. Dort hat man mir gesagt, dass ich für Nachrichten zu quirlig sei, meine Energie und meine Präsenz aber perfekt fürs Frühstücksfernsehen passen könnten. Zwei Wochen später kam ein Anruf: „Bei uns ist jemand krank, hast du Lust einzuspringen? Und außerdem würden wir prinzipiell gerne ‚Café Puls‘-Kamera-Tests mit dir machen.“ Einen Monat später saß ich fix auf der „Café Puls“-Couch. Das war etwas, das für mich sehr viel verändert hat.

Wie nervös warst du an deinem ersten Tag auf der Couch?

Ich war kurz davor nervös, aber dann direkt während der Sendung eigentlich nicht mehr. Ich weiß noch, dass die Regie damals zu mir gesagt hat, dass ich so wahnsinnig freundlich und gut aufgelegt bin. Und ich kann mich noch erinnern, dass Norbert Oberhauser meinte: „Es wirkt so, als hättest du das schon immer gemacht!“ Und dann ist das frühe Aufstehen relativ schnell zur Normalität geworden! (lacht)

Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?

Ich stehe um 2:40 Uhr auf – wenn ich meine Haare am Vortag noch nicht gewaschen habe, schon um 2:30, dann mache ich noch eine schnelle Haarwäsche. (lacht) Danach fahre ich in den Sender, bereite mich vor, sitze in der Maske, spreche alles mit Flo Danner ab, moderiere die Sendung und anschließend haben wir noch eine Sitzung, in der es um die nächsten Themen geht. Die „Café Puls“-Zeit ist dann vorbe, und im Anschluss fahre ich in mein Büro, wo ich jetzt auch gerade sitze. Dort treffe ich meistens meine Mitarbeiterin Theresa oder/und das HERizon-Team und arbeite an meinen anderen Projekten abseits des Studios. Ich versuche meistens um spätestens 15 Uhr von hier wegzufahren, um meine Tochter abzuholen und den Nachmittag gemeinsam mit ihr zu verbringen. 

Das frühe Aufstehen ist relativ schnell zur Normalität geworden.

Bianca Schwarzjirg

Was unterschätzen Menschen an deinem Job im Fernsehen?

Die gesamte Arbeit dahinter. Ich sage immer: Man sieht eigentlich nur die Spitze des Eisbergs. Viele sehen nur das fertige Bild im Fernsehen und denken vielleicht: „Ah, die hat die Haare gemacht, ist schön geschminkt, trägt tolle Sachen, sitzt im Fernsehen und plaudert ein bisschen.“ –  aber wie viel Recherche, Vorbereitung und Organisation dahintersteckt, wird völlig unterschätzt. Und auch, was es bedeutet, bekannt zu sein und seine Privatsphäre ein Stück weit aufzugeben.

Du moderierst auch Events, im Juni unter anderem unseren NIEDERÖSTERREICHERIN Award – wie unterscheiden sich das  von deiner Arbeit vor der Kamera?

Das sind zwei komplett unterschiedliche Welten – das ist, als würde ich die Post austragen und im Supermarkt arbeiten! (lacht) Im Studio arbeitet man quasi unter abgeriegelten Bedingungen, mit Kameras, der Regie im Ohr und so weiter, und dann kommt es über den Fernseher zu Hause an. Bei Veranstaltungen hingegen geht es viel um das Publikum und das Drumherum: Wer ist dort? Wo findet es statt? Welche Art von Event ist es? Ich muss auf die Stimmung und die Menschen eingehen. Bei einer Off-Air-Moderation gibt es immer den Moment, bevor ich auf die Bühne gehe, in dem ich mich frage: Treffe ich jetzt den richtigen Ton? Da ist immer ein bisschen Aufregung dabei. 

Du bist auch Unternehmerin, machst Rhetorik-Coachings, bist Gastgeberin der „Villa Rosa“, hast vergangenes Jahr den HERizon Summit ins Leben gerufen – Wie bekommst du all das unter einen Hut?

Also, unter den Hut bekomme ich es vor allem auch wegen meiner Mitarbeiterin Theresa! (lacht) Ehrlich gesagt: Es ist manchmal auch sehr stressig und es funktioniert nicht immer alles reibungslos. Heute in der Früh habe ich zum Beispiel vergessen, dass meine Tochter – sie ist jetzt sieben Jahre alt – einen Ausflug zum Bauernhof macht. Erst als ich sie zur Schule gebracht habe, ist es mir wieder eingefallen. Sie hatte statt Gummistiefeln neue, hellrosa Sportschuhe an. Statt einer Allwetterjacke einen weißen Mantel und statt eines Rucksacks die schwere Schultasche. Aber zum Nachhausefahren blieb keine Zeit mehr! Aber so ist das einfach: Wenn man viele Dinge im Kopf hat, passiert es eben auch mal, dass ich etwas vergesse. Deshalb bin ich immer wieder froh, dass Theresa zumindest in meinen beruflichen Belangen alles unter Kontrolle hat und mich an To-dos erinnert! (lacht) Alleine wäre das alles nicht möglich.

Wo findest du Ausgleich?

Ganz klar in Bad Gastein! Das ist mein absoluter Sehnsuchtsort, mein Wohlfühlplatz! Vor allem im Sommer verbringe ich dort immer eine längere Zeit, das tut mir sehr gut. Ich habe auch so einen Sehnsuchtsort in Kroatien am Meer. Beide Orte sind seit vielen Jahren Fixpunkte in meinem Leben, die mir wahnsinnig viel Kraft geben. 

Bianca Schwarzjirg in Bad Gastein
© Christoph Oberschneider

Was hast du aus der Medienbranche gelernt, das dir in anderen Bereichen hilft?

Vor allem eines: Wie du in den Wald rufst, so kommt es auch zurück! Ich bin davon überzeugt, dass man mit Freundlichkeit immer am weitesten kommt und dass es für niemanden einen Grund gibt, arrogant oder abgehoben zu sein. Das ist mein Grundcredo! Ich glaube, es ist die Authentizität, die mich durch meine gesamte Medienkarriere begleitet. Ich habe schon vor vielen Jahren gesagt, dass ich niemand sein möchte, der ich nicht bin, nur weil ich vor der Kamera stehe. Manchmal sind die Menschen dann überrascht und sagen: „Du bist ja genauso wie im Fernsehen!“ – aber ich wollte nie anders sein oder mich verstellen. Das ist etwas, das für mich nicht nur in der Medienwelt, sondern auch im Privaten und in allen anderen Bereichen meines Lebens zählt. 

Ich möchte niemand sein, der ich nicht bin!

Bianca Schwarzjirg

Gab es Entscheidungen, bei denen du besonders mutig sein musstest?

Ich glaube, viele Entscheidungen brauchen Mut – gerade in den Medien. Als ich gesagt habe, dass ich Moderatorin werden will, war das für viele nicht greifbar: Wen kennst du? Wie willst du das machen? Es gab viele Zweifel von außen. Ein Bekannter meiner Eltern meinte einige Jahre, nachdem ich bereits bei „Café Puls“ war: „Jetzt machst du ja das beim Fernsehen, aber was willst du dann wirklich machen?“ (lacht) Viele haben einfach nicht gesehen, welche Möglichkeiten es in dieser Branche gibt. Aber wenn man an sich glaubt und an dem festhält, was man machen möchte, dann funktioniert es auch! 

Wie kam es zum HERizon Summit?

Ich habe früher in Gastein Winter- und Sommerfrischen organisiert und wollte wieder etwas in diese Richtung machen. Allerdings nicht mehr als Partyformat, sondern ich hatte das Bedürfnis, etwas für Frauen zu machen, die ähnlich denken, in ähnlichen Positionen stehen, sich austauschen wollen, aber auch in die Tiefe gehen wollen, wenn es um die Themen unserer Zeit geht. Und auch um die Themen, die die nächste Generation betreffen werden. Themen wie Female Leadership, Medizin, KI und allen voran Female Finance und die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen. 

Was würdest du deinem Jüngeren Ich raten?

Ich würde mir sagen: Mach weiter, trau dich und stell dich mehr auf die Hinterbeine! Bei vielen Dingen hat mir einfach das Role Model gefehlt, oder ich habe mich erst später getraut zu sagen, was ich eigentlich möchte. Und: Man muss nicht jedem gefallen!

Was möchtest du, dass Menschen nach einem Gespräch über dich sagen?

Dass es ein inspirierendes Gespräch war und ich etwas hinterlassen habe. Ich finde es schön, wenn man Menschen zum Nachdenken bringt – so wie bei einem guten Buch, das einem lange im Kopf bleibt. Wenn ich ein bisschen Inspiration geben kann, dann habe ich etwas richtig gemacht!

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