Frau in hellbrauner Lederjacke auf rosa Hintergrund

Pride & Papas

Das Editorial unserer Chefredakteurin Nicole Schlaffer

2 Min.

© Vanessa Hartmann

Sind Sie auch schon mal irgendwo gesessen – beim Heurigen, im Freibad, bei einer Familienfeier – und haben Menschen über Liebe reden hören, als wäre sie eine Mischung aus Bauordnung und Vereins­statuten? Als müsste erst jemand prüfen, abstempeln und genehmigen, wer mit wem glücklich sein darf. Und ich frage mich dann jedes Mal bzw. spreche es manchmal auch laut aus: Haben wir wirklich so viel Energie übrig, dass wir die Gefühle anderer beurteilen oder gar kontrollieren wollen?

Nicht in jedes Weltbild.

Vielleicht fällt mir das deswegen so stark auf, weil das Leben einem oft genug zeigt, wie selten echte Verbindung ist. Dieses ehrliche Gesehen-Werden, die Aufmerksamkeit, die Wertschätzung. Und wenn man das in einem Menschen gefunden hat – warum sollte dann das Geschlecht wichtiger sein als die Art, wie jemand zuhört, lacht, streitet, tröstet oder bleibt? Am Ende möchte doch jede und jeder lieben können, wen er oder sie will, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen, und die Freiheit haben, nicht in jedes Weltbild hineinpassen zu müssen.

Das Leben zeigt einem oft genug, wie selten echte Verbindung ist.“

Papas

Und auch Beziehungen zu Vätern sind selten so geschniegelt und unkompliziert wie die Werbungen für Grillzangen und Herrenparfums. Manche Väter sind laut, manche verschlossen, manche sagen nie: „Ich hab dich lieb“, bringen aber ungefragt das Auto zum Service oder stehen fünf Minuten nach dem Anruf mit Werkzeug vor der Tür. Andere Väter fehlen. Manche hinterlassen Geschichten, andere Baustellen. Doch Eltern sind auch nur Menschen mit Fehlern, Prägungen, Überforderung und Dingen, die sie vermutlich selbst nie gelernt haben. Das entschuldigt nicht alles, aber es verändert den Blick auf sie. Und darum geht es: Menschen nicht ständig daran zu messen, ob sie in unsere Vorstellungen passen. Sondern daran, ob sie lieben können, ob sie da sind, ob sie versuchen, gut durchs Leben zu kommen, ohne anderen ihre Freiheit zu nehmen.

Wünsche? Ideen? Anregungen?
nicole.schlaffer@dieburgenlaenderin.at

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