Nahaufnahme von Kinderhand, die 10 Euro aus der Jeans-Hosentasche zieht.

Taschengeld für Kinder: Ab wann, wie viel – und wofür?

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Das erste eigene Geld ist für Kinder oft etwas ganz Besonderes. Endlich selbst entscheiden, sparen oder sich einen kleinen Wunsch erfüllen. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt für Taschengeld? Wie hoch sollte der Betrag ausfallen? Und gehört Mithilfe im Haushalt bezahlt? Finanzexpertin Olivia Prader und Kinder- und Jugendcoach Petra Trautwein geben Orientierung.

Zwei Kugeln Eis, ein Stickerheft oder das lang ersehnte Spielzeug, das Mama und Papa eigentlich völlig unnötig finden: Wer zum ersten Mal über eigenes Geld verfügen darf, erlebt ein Stück Selbstständigkeit und fühlt sich unabhängig wie nie. Genau deshalb ist Taschengeld weit mehr als eine nette Geste der Eltern. Es hilft Kindern dabei, den Wert von Geld kennenzulernen, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Doch damit dieser Lerneffekt gelingt, braucht es mehr als nur ein paar Münzen in der Hosentasche. Der richtige Zeitpunkt, klare Regeln und ein gewisses Maß an Konsequenz spielen eine entscheidende Rolle.

Ab wann sollten Kinder eigenes Geld bekommen? Und wie viel Taschengeld ist angemessen?

Wann Kinder ihr erstes eigenes Geld bekommen sollten, lässt sich nicht am Geburtstag festmachen. Viel wichtiger ist, ob sie bereits verstehen, dass Geld endlich ist und nicht jeder Wunsch sofort erfüllt werden kann. Finanzexpertin Olivia Prader (www.geldsprechstunde.at.) sieht den Schuleintritt häufig als guten Zeitpunkt, betont aber: „Entscheidend ist immer das einzelne Kind.“ Erste Verantwortung im Alltag, Interesse an Preisen oder die Fähigkeit, auf etwas zu warten, seien gute Anzeichen.

Auch Kinder- und Familiencoach Petra Trautwein (petratrautwein.com) hält weniger das Alter als vielmehr die Vorbereitung für entscheidend. Bevor Eltern ihrem Kind regelmäßig Geld überlassen, sollte gemeinsam besprochen werden, wofür es gedacht ist und welche Freiheiten damit verbunden sind.

Auch auf die Frage, wie hoch der Betrag ausfallen sollte, gibt es keine konkrete Empfehlung. Die Summe hängt vielmehr von Alter, Familiensituation und Zielsetzung ab. Anfangs könne das durchaus nur ein Euro pro Woche sein. Viel wichtiger ist, dass die Auszahlung regelmäßig erfolgt. Olivia Prader empfiehlt einen fixen Wochentag. So lernen Kinder früh, ihr Budget einzuteilen und Ausgaben zu planen.

Vater verteilt in der Küche Taschengeld an seine Familie.
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Sollten Kinder Geld für Hausarbeit bekommen?

Ob Geschirrspüler ausräumen, den Tisch decken oder das eigene Zimmer aufräumen: Viele Eltern fragen sich, ob solche Aufgaben bezahlt werden sollten. Beide Expertinnen sprechen sich klar dagegen aus. „Haushalt gehört zum Familienleben“, sagt Olivia Prader. Kinder sollten ihren Beitrag leisten, unabhängig davon, ob sie Geld erhalten oder nicht.

Auch Petra Trautwein hält wenig davon, einzelne Tätigkeiten zu entlohnen. Wer nur hilft, weil dafür bezahlt wird, entwickle schnell die Erwartung, dass jede Leistung vergütet werden müsse. Anders sei es bei freiwilligen Zusatzaufgaben, etwa wenn Jugendliche im Sommer den Rasen der Großeltern mähen oder kleine Arbeiten in der Nachbarschaft übernehmen. Hier könne ein Zuverdienst durchaus sinnvoll sein.

Wofür dürfen Kinder ihr Taschengeld ausgeben?

Mit dem ersten eigenen Geld kommt auch die erste große Freiheit: Kinder dürfen selbst entscheiden, wofür sie es ausgeben. Doch wie viel Mitsprache der Eltern ist dabei sinnvoll? Beide Expertinnen sind sich einig: Wer eigenes Geld bekommt, sollte auch eigene Entscheidungen treffen dürfen. „Eltern sollten nicht vorgeben, was damit gekauft werden darf“, betont Olivia Prader. Nur so lernen Kinder, Prioritäten zu setzen und Verantwortung für ihre Entscheidungen zu übernehmen – auch wenn sich nicht jeder Kauf als sinnvoll herausstellt.

Mit zunehmendem Alter kann der Verantwortungsbereich Schritt für Schritt wachsen. Während Volksschulkinder ihr Taschengeld vor allem für eigene Wünsche verwenden, können später Ausgaben für die Jause, den Kinobesuch oder den Handyvertrag hinzukommen. Grundlegende Kosten wie Essen, Schule, Sport oder notwendige Kleidung sehen beide Expertinnen jedoch weiterhin bei den Eltern.

Ein Gewinn fürs Leben

Der größte Lerneffekt, so die Expertinnen, liegt auf alle Fälle darin, Entscheidungen treffen zu müssen. Kinder lernen, Prioritäten zu setzen, zu sparen und mit Enttäuschungen umzugehen. Sie erleben, dass nicht jeder Wunsch sofort erfüllt werden kann und dass Fehlkäufe zum Lernprozess gehören.

Trautwein hat schon oft beobachtet, dass viele Kinder den Wert von Dingen erst dann wirklich verstehen, wenn sie selbst darauf sparen mussten. Das gelte besonders bei größeren Wünschen wie einem neuen Smartphone oder Markenschuhen. Wer selbst etwas dafür leisten musste, gehe meist bewusster damit um.

Zwei 2-Euro-Münzen und Papiergeld bei einer Spardose mit einem Bären.
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Was tun, wenn das Geld schon nach wenigen Tagen weg ist?

Die Versuchung ist groß, noch einmal ein paar Euro zuzustecken. Genau davon raten beide Expertinnen jedoch ab. Wer regelmäßig zusätzlich Geld gibt, nimmt Kindern die Möglichkeit, den Umgang mit einem begrenzten Budget zu lernen.

Stattdessen empfehlen sie, gemeinsam zu reflektieren: Wofür wurde das Geld ausgegeben? Was würde das Kind beim nächsten Mal anders machen? Genau diese Erfahrungen helfen dabei, finanzielle Kompetenz aufzubauen.

Richtwerte der OeNB

Die Österreichische Nationalbank empfiehlt folgende Beträge als grobe Richtlinie:

  • 6 Jahre: 2–5 Euro
  • 8 Jahre: 5–10 Euro
  • 10 Jahre: 11–20 Euro
  • 12 Jahre: 17–30 Euro
  • 14 Jahre: 28–45 Euro
  • 16 Jahre: 40–60 Euro
  • 18 Jahre: 60–90 Euro

Die Empfehlungen dienen als Orientierung. Wie viel Geld tatsächlich sinnvoll ist, hängt immer von der jeweiligen Familiensituation ab.

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