Eine Frau geht auf einem Zebrastreifen über eine Straße

Mikrofeminismus: 7 Tipps, um deinen Alltag feministischer zu gestalten

Kleine Gesten, große Wirkung

4 Min.

© Pexels/ Lerone Pieters

Feminismus wirkt oft wie eine riesige Aufgabe: patriarchale Strukturen hinterfragen, gesellschaftliche Ungleichheiten bekämpfen, politische Veränderung einfordern. Das kann überwältigend sein. Dabei kann schnell das Gefühl entstehen, dass der eigene Beitrag zu wenig bewirkt oder dass man nicht recht weiß, wo man überhaupt anfangen soll.

Genau hier setzt der Mikrofeminismus an. Statt auf große Veränderungen zu warten, richtet er den Blick auf die kleinen alltäglichen Handlungen. Es geht darum, im eigenen Umfeld bewusst feministische Verhaltensweisen an den Tag zu legen, um damit nicht nur gegenüber anderen ein Zeichen zu setzen, sondern auch, um sich selbst zu zeigen, dass Feminismus nicht immer groß und laut sein muss. Er erinnert uns daran, dass kleine Handlungen im Alltag große Bedeutung haben. Doch wie sieht das konkret aus? Hier sind sieben Tipps, wie du deinen Alltag feministischer gestalten kannst.

1. Männersport

Freust du dich schon auf die Fußball-WM nächstes Jahr? Mit großer Wahrscheinlichkeit bist du gerade verwirrt, denn vor wenigen Wochen hielten die Spanier den WM-Pokal jubelnd in der Hand, was bedeutet, die nächste Fußball-WM ist erst in vier Jahren. Hier ist aber nicht von der Männer-WM die Rede. Im Sommer 2027 spielen die Frauen um den Weltmeisterinnen-Titel. Die perfekte Gelegenheit, um sich anzugewöhnen, den Spieß einmal umzudrehen und „Männersport“ explizit als „Männersport“ und „Frauensport“ als „Sport“ zu bezeichnen. Beim Begriff „Fußballmatch“ grundsätzlich davon auszugehen, gleich Frauen auf dem Spielfeld zu sehen macht nämlich nicht nur einen Unterschied in der Sprache, sondern auch in der Einstellung zu stereotypen Geschlechterzuordnungen im Sport. Die irritierten Gesichter der anderen bei der Betonung von „Männersport“ ist hier ein amüsanter Pluspunkt.

2. Yes Queen

In den meisten Kartenspielen wird der König höher gewertet als die Königin. Anstatt diese Regeln kommentarlos hinzunehmen, kann man sie schlicht und einfach ändern. Denn auch die Wertung von Spielkarten sagt einiges über das gesellschaftliche Bild von Geschlechtern aus. Es mag vielleicht unspektakulär wirken, dennoch ist es ein feministisches Statement, dessen Umsetzung kinderleicht ist – und die Umstellung geht schneller als man denkt.

3. Bewusste Sprache

Mikrofeminismus zeigt sich auch in der alltäglichen Sprache: bewusst gendern, inklusive Begriffe verwenden oder das generische Maskulinum mit dem generischen Femininum austauschen. So kann man zum Beispiel „Ärztin“ statt „Arzt“ sagen, wenn allgemein von einem Ordinationsbesuch gesprochen wird. Gerade bei Führungspositionen oder männlich konnotierten Berufen entfaltet das generische Femininum eine interessante Wirkung. Wenn grundsätzlich von einer „Geschäftsführerin“ ausgegangen wird, wird das Verständnis unterstützt, dass diese Rollen genauso selbstverständlich von Frauen besetzt werden können. Solche kleinen sprachlichen Veränderungen können dazu beitragen, gewohnte Sprach- und Denkmuster zu hinterfragen.

4. Speak Up

Auch in Gesprächen oder Meetings kann Mikrofeminismus eine wichtige Rolle spielen. Dazu gehört, Mansplaining – also Situationen, in denen Männer Frauen ungefragt Dinge erklären und damit ihre Kompetenzen unterschätzen – zu erkennen und darauf aufmerksam zu machen. Genauso wichtig ist es, Unterbrechungen bewusst wahrzunehmen und anzusprechen. Wer anderen Raum gibt, ausreden lässt und ihre Kompetenzen ernst nimmt, schafft ein gleichberechtigteres Gesprächsklima.

5. Versteh ich nicht

Falls wieder einmal ein sexistischer Witz fällt und die Menschen am Tisch entweder mitlachen oder schweigen – wie wäre es, sich den Witz erklären zu lassen? Schlichtweg zu sagen: „Das verstehe ich jetzt nicht. Kannst du mir das erklären?“. Oft merken die Witzbolde dann selbst, dass ihre witzige Pointe lediglich auf sexistischen Klischees beruht und das eigentlich gar nicht so lustig ist.

6. Sorry, nein

„Sorry, darf ich kurz etwas sagen?“ oder „Entschuldigung, das geht sich bei mir nicht aus.“ Achte einmal darauf, wie oft du automatisch „Sorry“ vor oder nach einen Satz setzt und ob dies wirklich nötig ist. Eine Bitte, eine Meinung oder ein Nein braucht nicht immer eine Entschuldigung. Viele Aussagen dürfen Raum einnehmen und müssen nicht mit einem „Sorry“ klein gemacht werden.

7. Gentlewoman

Doch Mikrofeminismus kann auch aus netten Gesten bestehen. Indem traditionelle Geschlechterrollen im Alltag einfach umgedreht werden, setzt man gleichzeitig ein feministisches Statement und macht vielleicht dem ein oder anderen Mann eine Freude. Dazu gehört zum Beispiel, Männern Blumen zu schenken, ihnen die Tür aufzuhalten oder Komplimente zu machen – Gesten, die oft als selbstverständlich gegenüber Frauen gelten.

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Mehr Informationen

Der Mikrofeminismus ersetzt den gesellschaftlichen Wandel nicht – aber er macht ihn greifbar. Er schafft es zu einem gewissen Grad, von der gefühlten Ohnmacht und Überwältigung zu befreien und durch den Fokus auf kleine Handlungen, Erfolgserlebnisse zu verspüren. Mikrofeminismus soll durch alltägliche Verhaltensweisen irritieren, Ungleichheiten aufzeigen und zum Denken anregen. Er zeigt, dass im Kleinen oft große Bedeutungen stecken. Und er darf auch manchmal Spaß machen.

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