Verliebtes Paar mit Ultraschall-Bildern in einem Feld

Influencerin Lisa-Marie Schiffner im Interview

Bereit für das, was kommt

6 Min.

© Lisa-Marie Schiffner

Lisa-Marie Schiffner ist Influencerin, Unternehmerin – und bald Mama. Im Gespräch mit der STEIRERIN erzählt sie, wie die Schwanger­schaft ihren Blick auf sich selbst verändert und weshalb sie mittlerweile klare Grenzen zieht.

Von außen ließe sich diese Geschichte als eine der schönsten erzählen, die das Leben zu bieten hat: Ein positiver Schwangerschaftstest, der wachsende Bauch, die ersten Bewegungen, Pläne und Träume für die Zukunft. Ein Kind, das Ende des Jahres zur Welt kommt. Doch das Leben folgt selten einer sauberen Dramaturgie. Denn ein Jahr zuvor war die steirische Influencerin Lisa-Marie Schiffner bereits schwanger. In der 14. Schwangerschaftswoche erfuhren sie und ihr Partner Nico Rauchenwald bei einem routinemäßigen Arzttermin, dass ihr Baby keinen Herzschlag mehr hatte.

Mit der neuen Schwangerschaft kehrt die Freude zurück, aber auch die Trauer bleibt. Wie nah Vorfreude und Vorsicht beieinanderliegen, zeigt sich an einer scheinbar banalen Entscheidung. Bis zur Halbzeit hat Lisa-Marie nichts gekauft. Keinen Strampler, kein Bettchen, kein einziges Teil für ein Kinderzimmer. „Einfach als Selbstschutz“, sagt sie.

Zwischen Vorsicht und Vorfreude

Besonders vor den Untersuchungen ist die Anspannung groß. Mit jedem unauffälligen Termin wächst jedoch die Zuversicht. Und irgendwann beschließt Lisa-­Marie, der Angst keinen Raum mehr zu geben. „Ich wusste, ich möchte diese Zeit voll und ganz genießen, denn wenn alles gut wird, ist genau das meine Erinnerung daran.“

Näher bei sich selbst

Mit dem wachsenden Vertrauen in die Schwangerschaft kehrt auch das Vertrauen in den eigenen Körper und sich selbst zurück. „Ich wünschte, ich hätte immer so auf mich geschaut wie jetzt in der Schwangerschaft“, sagt die 25-Jährige. Zugleich verliert die Frage, was andere von ihr erwarten, zunehmend an Bedeutung. Das verändert sie als Frau, als Partnerin und als Unternehmerin. „Es ist ein guter Reminder, das, was man für andere aus Liebe tut, auch für sich zu tun“, sagt sie. Die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen, empfindet sie dabei nicht als egoistisch, sondern als notwendig. Sie spricht jetzt klarer denn je aus, was für sie passt und was nicht. „Vielleicht hat es gewisse Grenzen einfach gebraucht.“

Grenzen sind ein zentrales Thema, wenn man sein Leben so öffentlich führt wie Lisa-Marie. Mit zwölf beginnt sie, Videos auf YouTube zu posten. Damals geht es um ihren Alltag, die Schule, Beauty und all jene Themen, die sie als Jugendliche beschäftigen. Was als Hobby beginnt, wird nach und nach zum Business … Heute erreicht sie über ihre verschiedenen Plattformen rund vier Millionen Menschen, ist eine der erfolgreichsten Creatorinnen des Landes, entwickelt eigene Projekte und arbeitet erfolgreich als Unternehmerin.

Längst beinhaltet ihre Arbeit nicht mehr allein das Posten von Bildern und Videos. Hinter Posts, Videos und Kooperationen stehen Konzepte, Verhandlungen und strategische Entscheidungen. Dabei arbeitet Lisa-Marie eng mit ihrem Vater Christian zusammen, der sie als Manager begleitet, Kooperationen verhandelt und sie bei der Entwicklung neuer Projekte berät.

Was privat bleiben darf …

Mit ihrer Karriere verändert sich auch ihr Verhältnis zur Öffentlichkeit. Je größer ihre Reichweite wird, desto bewusster entscheidet sie, welche Teile ihres Lebens sie zeigt. Nähe zu ihrer Community bedeutet für Lisa-Marie nicht, alles von sich preiszugeben. Was sie teilt, entscheidet sie mithilfe einer einfachen Frage: Kann das jemand anderem helfen? „Wenn kein Mehrwert dabei ist, sehe ich wenig Sinn darin, etwas zu teilen.“ Vieles behält sie bewusst für sich. Über ihre Fehlgeburt spricht sie, weil Schwangerschaftsverluste noch immer stark tabuisiert sind. „Ich bin sozusagen eine Brücke dazu, dass Themen, die mir wichtig sind, mehr Raum bekommen. Wenn ich mich traue, trauen sich auch andere, und man löst etwas aus.“

Dabei erlebt sie auch, wie schwer es vielen Menschen fällt, die richtigen Worte zu finden. Sätze wie „Ihr könnt es nächsten Monat wieder probieren“, „Du bist noch so jung“ oder „Wenigstens warst du noch am Anfang“ sind gut gemeint, relativieren den Verlust aber, statt ihn anzuerkennen.

Was sie in dieser Zeit braucht, sind keine Erklärungen und keine schnellen Lösungen. „Man möchte einfach nur, dass jemand da ist. Auch ohne große Worte.“ Oft helfen kleine Gesten mehr als jeder Ratschlag: eine Nachricht, ein Anruf, etwas zu essen vorbeizubringen oder einen Blumenstrauß mit ein paar persönlichen Zeilen. Besonders viel bedeuten Lisa-­Marie jene Menschen, die nicht nur in den ersten Tagen nachfragen, sondern auch später noch an den Verlust denken, etwa am errechneten Geburtstermin. „Man trägt diese Kinder immer im Herzen und man vergisst nicht.“

Lisa-Marie Schiffner schwanger in weißem Kleid mit Mann an der Seite in einem Feld
© Lisa-Marie Schiffner

Auch ihre jetzige Schwangerschaft teilt Lisa-Marie zunächst nur mit den Menschen, die ihr besonders nahestehen. Nach dem Verlust im Vorjahr wartet sie bewusst länger, bevor sie ihre Community mitnimmt. Die ersten Wochen braucht sie für sich und ihren Partner, um selbst mit der neuen Situation vertraut zu werden.

Familie als Fundament

Mit jeder Bewegung ihres Babys wird konkreter, was Ende des Jahres beginnt: ein neuer Lebensabschnitt. Lisa-Marie denkt viel darüber nach, welche Mutter sie sein möchte und was ein Kind braucht, um sich sicher und geborgen zu fühlen. Über Familie, Kindheit und die Unterschiede zwischen den Generationen spricht sie regelmäßig mit ihrer Mutter Andrea. Gemeinsam machen sie den Podcast „Verquatscht & Verbunden“. Der Titel beschreibt nicht nur ihre Gespräche, sondern auch ihre Beziehung: zwei Frauen, die sich nahestehen, viel miteinander lachen und ebenso selbstverständlich über die tieferen Themen des Lebens sprechen.

Vor Kurzem sprachen die beiden im Podcast darüber, was Eltern ihren Kindern mitgeben können. Lisa-Marie nennt drei Dinge: Liebe, Geborgenheit und Sicherheit. Sie selbst blickt auf eine behütete Kindheit zurück und möchte ihrem Kind das Vertrauen vermitteln, mit allem zu ihr und ihrem Partner kommen zu können.

Dabei geht es ihr nicht um eine Ideal­vorstellung von Familie, in der immer alles gelingt. Wichtiger ist die Verlässlichkeit dahinter: ein Zuhause, das Sicherheit gibt, in dem Fragen und Unsicherheiten ihren Platz haben und ein Kind weiß, dass es nicht allein ist. Wie genau sie und ihr Partner diesen Rahmen gestalten werden, muss heute noch nicht bis ins Detail feststehen. Elternschaft, so viel ist Lisa-Marie bewusst, lässt sich ebenso wenig vollständig vorausplanen wie das Leben selbst.

Auf die Zukunft blickt sie deshalb ohne große Wunschliste. Keine großen Pläne, sondern das Wesentliche: „Eigentlich wünsche ich mir nur, dass unser Baby, mein Partner und ich gesund und wohlauf sind – und dass wir unser Kind Ende des Jahres in den Armen halten.“

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