Fabrice Pellegrin und Marie Salamagne über den Duft der Zukunft, Max Mara und die Kraft des richtigen Parfüms
Die Parfümeur:innen geben Einblicke in die Entstehung von Max Maras Duftneuheit Le Parfum.
© Max Mara
Das italienische Modehaus Max Mara ist bekannt für den ikonischen Kamel-Mantel, der seit Jahrzehnten ein fixer Bestandteil eines klassischen Kleiderschranks ist. Im Herbst 2026 wurde nun das neue Parfüm des Hauses lanciert – mit Hollywoodstar Florence Pugh als neues Gesicht. In Rom trafen wir vorab nicht nur die Schauspielerin zum Interview, sondern auch die Parfümeur:innen Fabrice Pellegrin und Marie Salamagne, die hinter der Duftkreation stecken.
“Wenn man ein Parfüm kreiert, möchte man ein bestimmtes Gefühl, eine bestimmte Emotion vermitteln. Unsere Aufgabe besteht also nicht nur darin, einen Duft zu komponieren, sondern ein Gefühl zu vermitteln”, erklärt Pellegrin. Welches Gefühl sie mit “Le Parfum” vermitteln? Stellt euch vor, ihr kuschelt euch an einem kühlen Tag vorm Kamin in einen Kaschmirmantel (vielleicht sogar von Max Mara?) – genau so riecht das Parfüm. Sanft, gemütlich, holzig und doch präsent. Die Idee dahinter, wie der Duft der Zukunft aussehen könnte und wie eine gute Zusammenarbeit gelingen kann, haben uns die beiden im Gespräch verraten.
Fabrice Pellegrin und Marie Salamagne im Interview

Was war für Sie der komplexeste Teil Ihres gemeinsamen kreativen Prozesses für Max Maras “Le Parfum”?
Fabrice Pellegrin: Wir haben schon einmal zusammengearbeitet. Bei der Auswahl der Rohstoffe und deren Kombination war für mich dieses Mal alles ganz klar. Das Schwierige war, die richtige Balance zwischen den Holznoten und den blumigen Noten zu finden. Darauf hat sich Marie besonders konzentriert.
Marie Salamagne: Üblicherweise ist die Idee das Schwierigste bei der Kreation eines Duftes. In diesem Fall hatte Fabrice jedoch bereits eine klare Vorstellung. Wir haben uns gut ergänzt und es war eine große Freude, wieder zusammenzuarbeiten.
Der Parfümmarkt wird derzeit von sehr intensiven Amberdüften dominiert. Sie haben mit “Le Parfum” ein eher leichtes, sanftes Parfüm kreiert – sehen Sie ein aufkommendes Verlangen nach weniger aufdringlichen Düften?
Marie Salamagne: Ich stelle eher fest, dass mehrere Strömungen nebeneinander existieren. In den 80er- oder 90er-Jahren war die Parfümerie und ihre Trends präziser. Heute hingegen gibt es mehrere Trends gleichzeitig und man kann sogar im Laufe eines Tages verschiedene Düfte tragen. Im Fall von Max Mara wollten wir etwas schaffen, das so umhüllend ist wie der Mantel. Es ist etwas Starkes, das gleichzeitig süß und kuschelig ist und zudem eine kräftige Duftwolke hinterlässt.
Was ist Ihrer Meinung nach die besondere Kraft dieses Duftes?
Marie Salamagne: Er verleiht ein Gefühl von Selbstvertrauen. Er ist wie die Max-Mara-Frau: Elegant und facettenreich.
Gibt es Rohstoffe, die Sie vor Herausforderungen stellen?
Fabrice Pellegrin: Als Parfümeur gibt es meiner Meinung nach keine Noten, die schwer zu verwenden sind. Selbst wenn es Gerüche oder Inhaltsstoffe sind, die etwas eigenartig riechen, gibt es für uns keinen unangenehmen Geruch. Er ist einfach Teil unserer Palette, mit der wir arbeiten, und jedes Produkt hat seine ganz bestimmte Daseinsberechtigung.
Gibt es eine unterschätzte Duftnote , die nicht oft verwendet wird?
Marie Salamagne: Ich liebe Immortelle, auch bekannt als Currykraut. Das ist eine Note, mit der es nicht einfach ist zu arbeiten, aber ich finde sie wunderschön. Sie ist harzig und salzig – es gibt nur wenige Inhaltsstoffe, die dieses Gefühl vermitteln. Sie ist kraftvoll, feminin und maskulin zugleich. Manchmal neigen wir dazu, bestimmte Rohstoffe nicht zu verwenden, weil sie in unserer Arbeit schwieriger sind als andere, aber es ist immer auch die Frage, was gerade angesagt ist.
Fabrice Pellegrin: Alles kommt und geht, da stimme ich zu. Es gab eine sehr marine Phase, sodass wir Ambernoten und pudrige Noten eher vernachlässigt haben. Danach gingen wir von der marinen Phase zu den holzigen Noten über und es wandelte sich. Das macht unseren Beruf so besonders: Wir folgen dem Trend und bleiben im Trend, aber manchmal greifen wir auch auf Inhaltsstoffe zurück, die gerade nicht so beliebt sind.
Gibt es Ereignisse in der Welt, die Trends in der Parfümindustrie inspirieren?
Marie Salamagne: Ich denke, es gibt zwangsläufig Dinge, die mit dem Geschehen in der Welt im Einklang stehen und sie beeinflussen. Das sehen wir sowohl in der Mode als auch in der Welt der Parfüms. Manchmal realisieren wir das erst später. Beispielsweise nach Covid: Wir haben so lange Masken getragen, dass wir Gerüche nicht mehr wirklich wahrgenommen haben. In dieser Zeit haben wir angefangen, mehr Produkte zu verwenden, zum Beispiel Körperlotionen und Parfüm-Layering. Wir waren außerdem viel Draußen, auch das hatte Einfluss. Die Welt ist heutzutage so komplex, dass wir nicht einmal wissen, was wir heute Abend oder morgen tun werden. Und ja, das ist eine Inspirationsquelle für uns.
Wie wird der Duft der Zukunft riechen?
Marie Salamagne: Wie bereits erwähnt, befinden wir uns in einer unbekannten Welt. Der Duft der Zukunft wird vielfältig sein, denn die Zwänge der Vergangenheit gibt es nicht mehr. Er ist moschusartig, rein, frisch, grün und maritim.
Fabrice Pellegrin: Ich glaube, dass Geschlechtergrenzen verschwinden werden. Es könnte keine Damenparfüms und Herrenparfüms mehr geben. Ich habe das Gefühl, dass das auf das aktuelle Weltgeschehen zurückzuführen ist und die Parfüms von morgen uns beruhigen und uns gut tun werden.

Le Parfum EdP von Max Mara ist seit 24. August ab € 87,- (30ml) bei Douglas erhältlich.
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