Die neuen IT-Vorbilder
Mit dem Verein #thenewITgirls setzt sich Anna-Fritsch-Weninger heute dafür ein, dass Wissen, Selbstvertrauen und Vorbilder für Frauen in der Tech-Welt selbstverständlich werden.
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Lange zu wenige Vorbilder – und der Wunsch, gemeinsam Antworten zu finden. Anna Fritsch-Weninger kennt die Hürden für Frauen in der IT aus eigener Erfahrung.
Anna Fritsch-Weninger studierte Informatik, Anglistik und Lehramt, ist gebürtige Waldviertlerin und wohnt seit einigen Jahren in Purbach. Ihre Leidenschaft gilt seit über 20 Jahren der IT. Doch anfangs war es hart. In Meetings die einzige Frau zu sein, fachlich ernst genommen zu werden, doppelt so gut vorbereitet zu sein wie andere: All das kennt sie aus eigener Erfahrung.

Man muss sich selbst zutrauen, dass man dazugehört.
„Ich habe mir nie die Frage gestellt, ob ich hier richtig bin. Am Anfang dachte ich eher, ich sei zu spät dran – ohne HTL und ohne frühe Programmiererfahrung. Aber vom ersten IT‑Job an hatte das Sinn und hat mir Spaß gemacht; irgendwann ist beim Programmieren der Knopf aufgegangen.“ Erst später wurde ihr klar, dass die fehlenden Strukturen rundherum das Problem waren.
Mehr als ein Netzwerk. Genau aus diesem Gefühl heraus entstand der Wunsch, etwas zu verändern. Einen Ort zu schaffen, an dem Fragen erlaubt sind und Unsicherheiten Platz haben. Aus dieser Motivation heraus trat Anna dem 2019 gegründeten Verein #thenewITgirls bei. Die Idee war von Anfang an klar: Frauen sollen ihren Platz in der IT sehen – mit Wissen, Selbstvertrauen und Rückhalt. #thenewITgirls versteht sich als offene Community, in der sowohl Frauen willkommen sind, die bereits in der IT arbeiten, als auch jene, die erst überlegen, ob dieser Weg für sie passen könnte. Wichtig ist dabei das Miteinander: „Veränderung gelingt am besten, wenn Frauen und Männer gemeinsam an Chancengleichheit arbeiten.“
Wettbewerbsvorteil
Für Anna ist der Kern der Arbeit: „Heute vereine ich das hochgradig Technische aus Uni und Job mit meinen linguistisch‑pädagogischen und sozialen Skills – genau diese Kombination ist in der Technik und in Zeiten von KI ein echter Wettbewerbsvorteil.“ Deshalb spielt Sichtbarkeit eine große Rolle: Frauen, die erzählen, wie sie ihren Weg gegangen sind – mit Umwegen, Zweifeln und Erfolgen.
„Wir zwingen niemanden, IT zu lernen. Wir zeigen, was es gibt, machen Frauen und Berufsbilder sichtbar, motivieren zum Ausprobieren – und unterstützen, wenn Interesse da ist. Ein wichtiger Vorteil von IT‑Jobs ist der gute Verdienst, denn finanzielle Unabhängigkeit stärkt Frauen und eröffnet ihnen echte Wahlmöglichkeiten.“
Ein gutes Drittel der Mädchen unter 18 Jahren wisse gar nicht, ob sie sich für IT interessieren, weil sie sich noch nie damit beschäftigt haben. Viele Mädchen haben diesen Zugang nicht, weil ihnen die Frage „Gefällt dir Technik?“ im Gegensatz zu Buben oft gar nie gestellt wird – weder zu Hause noch in der Schule. Spielsachen, Rollenbilder und klassische Strukturen prägen früh, wofür Kinder überhaupt Interesse entwickeln dürfen.
Genau hier entsteht ein nachgelieferter Bildungsauftrag: Mädchen und Frauen zum ersten Mal bewusst mit Technik in Kontakt zu bringen und ihnen die Chance zu geben, selbst herauszufinden, ob das etwas für sie ist. Bei den erwachsenen Frauen sind es vor allem Fortbildungen und Quereinsteigerinnen, die im Verein die perfekte Anlaufstelle finden. Oder auch beim regelmäßigen Stammtisch, wo sich Frauen, die in der IT-Branche arbeiten, treffen und austauschen.

Lernen, wachsen, sich zeigen
Ein Herzstück des Vereins ist das jährlich stattfindende Boostcamp. Über mehrere Monate hinweg tauchen die Teilnehmerinnen in IT-Themen wie künstliche Intelligenz, digitale Tools oder Zukunftskompetenzen ein. Gleichzeitig geht es um Persönlichkeitsentwicklung, Karriereplanung und den Mut, die eigene Stimme zu erheben. Anna weiß, wie sehr diese Mischung fehlt. „In 20 Jahren IT habe ich viel erlebt – oft war ich die einzige Frau im Team. Gerade deshalb will ich Räume mitgestalten, in denen Fragen erlaubt sind und man Selbstvertrauen aufbauen kann.“
Neben dem Boostcamp organisieren #thenewITgirls regelmäßige Meet-ups und Workshops. Der Fokus liegt dabei immer auf Austausch statt Frontalbeschallung. Fragen stellen, voneinander lernen, Kontakte knüpfen. „Für viele Frauen ist das der erste Ort, an dem sie merken: Ich bin nicht allein. Und ich bin richtig hier.“
Luft nach oben
Die Mitglieder des Vereins engagieren sich nebenberuflich für die gute Sache. Sie alle sind Mütter, arbeiten in der IT und möchten daneben anderen Frauen das Feuer weitergeben. Anna beispielsweise ist bei Burgenland Energie für Cloud-Programmierung und KI zuständig. Bei #thenewITgirls ist sie an unterschiedlichen Projekten beteiligt – Meet-ups und Workshops. Daher weiß sie genau, welche Fragen unter den Nägeln brennen.
„Für die meisten ist die Frage Nummer eins: ‚Ist KI sicher und kann ich sie für Unternehmensdaten verwenden?‘ und ‚Wie kann ich sie einsetzen?‘ Die Antworten daraus sind vielfältig und individuell zu beantworten. Auf all das gehen wir in den Workshops gezielt ein. Das Problem bei vielen Betrieben im ländlichen Bereich ist, dass sie Know-how und Ressourcen dafür brauchen, sich die KI zunutze zu machen.“ Gerade im Burgenland sei jetzt der richtige Zeitpunkt, weil technologisch noch so viel Luft nach oben sei. „Wir müssen investieren, um den Wettbewerb nicht zu verpassen. Deshalb bieten wir im Februar einen Kurs für Unternehmen an.“ (Siehe unten.)
Ein Ziel mit Langzeitwirkung
Langfristig geht es #thenewITgirls um mehr als einzelne Karrieren. Es geht um eine Branche, die vielfältiger denkt, menschlicher arbeitet und bessere Lösungen entwickelt – und in der Frauen und Männer gemeinsam an Gleichberechtigung arbeiten. Anna ist überzeugt: „Wenn Mädchen und Frauen früh sehen, was in der IT möglich ist, stellen sie gar nicht die Zugehörigkeitsfrage – sie probieren aus, bleiben, wenn es sie interessiert, und bringen ihre Perspektiven ein.“
Für sie persönlich ist der Verein auch eine Art Antwort an ihr früheres Ich. An die junge Frau, die sich fragte, ob sie in der IT wirklich Platz hat. Heute weiß sie: Ja. Und sie möchte dafür sorgen, dass andere diese Frage gar nicht mehr stellen müssen.
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Infos findest Du hier:
www.thenewitgirls.com
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