Plötzlich Trainingslager im Wohnzimmer: Ein Test über das Merach S29R2 Exercise Bike

Ein Hometrainer und ich – das war bisher keine große Liebesgeschichte. Zu laut, zu mühsam, zu schnell langweilig. Doch dann kam das Merach S29R2 Exercise Bike. Und plötzlich trainiere ich im Wohnzimmer für ein Radrennen. Freiwillig!

6 Min.

© Merach

Ein Hometrainer und ich – das war bisher keine große Liebesgeschichte. Zu laut, zu mühsam, zu schnell langweilig. Doch dann kam das Merach S29R2 Exercise Bike. Und plötzlich trainiere ich im Wohnzimmer für ein Radrennen. Freiwillig!

Ich gebe es zu: Hometrainer hatten bei mir ungefähr denselben Beliebtheitsgrad wie Steuererklärungen. Ich weiß grundsätzlich, dass sie sinnvoll sein können, finde jedoch erstaunlich viele Gründe, warum gerade jetzt wirklich kein guter Zeitpunkt dafür ist. Bei den Geräten, die ich bisher kannte, kam erschwerend dazu, dass sie laut surrten, unrund liefen oder sich nach zehn Minuten so zäh anfühlten, als würde man mit angezogener Handbremse durch Gatsch fahren. Entsprechend konsequent standen sie irgendwann herum und entwickelten sich zu ziemlich teuren Kleiderständern.

Beim Merach S29R2 war schon nach den ersten Minuten klar: Das hier könnte anders laufen. Im wahrsten Sinne des Wortes. 

Leise treten, laut denken

Was mir als Erstes aufgefallen ist, war der einfache Aufbau. Vorsichtshalber habe ich mir Hilfe geholt (ja, männliche – ich gebs zu!), die dann aber eigentlich gar nicht notwendig war – auch die männliche Hilfe bestaunte die Qualität der Einzelteile und des Gesamtergebnisses. 

Als zweites fiel mir die Stille auf. Also die Stille während der Benutzung des Geräts. Man hört natürlich, dass man auf einem Trainingsgerät sitzt, das Betriebsgeräusch bleibt jedoch angenehm dezent. Kein Rattern, kein penetrantes Schleifen, kein Sound, der Mitbewohner, Familie oder Nachbarn darüber informiert, dass jetzt offiziell Sport betrieben wird. Merach gibt die Lautstärke des S29R2 mit unter 25 Dezibel an; im Alltag bedeutet das vor allem, dass nebenbei problemlos der Fernseher auf normaler Lautstärke laufen kann. Auch ein spätes Training fühlt sich dadurch sozial verträglich an.

Das magnetische Widerstandssystem arbeitet geschmeidig, und das zehn Kilogramm schwere Schwungrad sorgt für einen runden Tritt. Gerade hier merke ich den Unterschied zu billigeren Hometrainern schnell: Das Bike läuft stabil, die Bewegung fühlt sich flüssig an, und auch wenn man das Tempo erhöht oder im Stehen fährt, entsteht kein nervöses Wackeln. Ich hatte jederzeit das Gefühl, auf einem soliden Trainingsgerät zu sitzen.

Sattel und Lenker lassen sich jeweils in mehrere Richtungen verstellen, wodurch ich rasch eine angenehme Position gefunden habe. Laut Hersteller eignet sich das Bike für Körpergrößen von 1,42 bis 1,93 Meter und trägt bis zu 159 Kilogramm. Die Pedale sind mit Körbchen ausgestattet, die Füße bleiben damit auch bei schnelleren Einheiten sicher an ihrem Platz. Zwei Flaschenhalter, eine Ablage für Smartphone oder Tablet und sogar eine Halterung für kleine Hanteln zeigen, dass hier jemand überlegt hat, was man während eines Trainings tatsächlich brauchen könnte. 

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Kabelsalat? Gibt es keinen.

Mein persönliches Lieblingsdetail ist allerdings die Stromversorgung. Das S29R2 erzeugt beim Treten die Energie, die es für Display und Elektronik benötigt. Ein paar Pedalumdrehungen, und das LCD-Panel erwacht. Damit entfällt die Suche nach einer freien Steckdose und mitten im Raum liegt kein Kabel herum.

Das klingt zunächst nach einer technischen Spielerei, ist im täglichen Gebrauch jedoch ziemlich genial. Man kann das Bike dort platzieren, wo es gerade passt, und nach dem Training über die Transportrollen wieder verschieben. Eine optionale Stromversorgung über USB-C ist ebenfalls möglich. Das Display zeigt Zeit, Distanz, Geschwindigkeit, Kalorienverbrauch, Trittfrequenz und Widerstandsstufe klar und übersichtlich an. Es ist funktional, gut lesbar und verlangt vor dem Losfahren kein Studium der Bedienungsanleitung.

16 Widerstandsstufen stehen zur Verfügung, außerdem sieben automatische Programme: klassisches Radfahren, Cross-Country, Fettverbrennung, Intervall, Ausdauer, Kraft und Bergfahrt. Dazu kommt ein manueller Modus. Die Intensität lässt sich über das Bedienfeld verändern, bei den Programmen übernimmt das Bike die Anpassung selbst. Das bringt Abwechslung hinein und verhindert, dass man 40 Minuten lang mit exakt demselben Widerstand vor sich hintritt.

Und dann gibt es noch die App-Anbindung. Das S29R2 verbindet sich mit der kostenlosen Merach-App und ist außerdem mit Zwift sowie Kinomap kompatibel. Trainingsdaten können mit Apple Health und Google Fit synchronisiert werden. Bei virtuellen Strecken verändert sich der Widerstand passend zum Gelände – kommt ein Anstieg, werden die Beine ziemlich rasch darüber informiert. Für die Grundfunktionen der Merach-App braucht es kein verpflichtendes Abo, erweiterte Inhalte sind optional. 

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Vom kurzen Test zum echten Training

Geplant war eigentlich, das Merach einige Male auszuprobieren, die Funktionen zu testen und mir ein solides Bild zu machen. Daraus wurde erstaunlich schnell eine Routine. Erst waren es lockere Einheiten, dann längere Fahrten, schließlich Intervalle, bei denen aus meinem Wohnzimmer kurzfristig eine Bergetappe wurde.

Weil ein Radrennen anstand, bekam das Ganze plötzlich sogar ein konkretes Ziel. Genau dabei spielte das S29R2 seine Stärken aus: Ich konnte trainieren, wann es in meinen Tag passte, war unabhängig von Wetter, Hitze und einbrechender Dunkelheit und musste mich zu keiner großen Vorbereitung überreden. Sportsachen anziehen, aufs Bike setzen, lostreten und nebenbei die Lieblingsserie schauen. Diese niedrige Einstiegshürde klingt banal, entscheidet bei mir allerdings ziemlich zuverlässig darüber, ob ein Training stattfindet oder in die Kategorie „morgen ganz bestimmt“ rutscht.

Auch die verschiedenen Programme haben geholfen. An müden Tagen reichte eine lockere Ausdauereinheit, an motivierten Tagen durfte das Intervallprogramm übernehmen. Und ja, bei den höheren Widerstandsstufen wird es ordentlich fordernd. Das Merach ist damit sowohl für Einsteiger*innen geeignet als auch für Menschen, die bereits trainiert sind und zu Hause ernsthaft an Kondition und Beinkraft arbeiten möchten.

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Zwei kleine Haken

Ganz ohne Eigenheiten kommt auch dieses Bike nicht aus. Der Sattel ist für längere Einheiten sportlich straff. Nach ein paar Fahrten hatte ich mich daran gewöhnt, empfindlichere Hinterteile könnten über eine gepolsterte Radhose oder einen zusätzlichen Bezug dankbar sein. 

Außerdem bringt die stabile Konstruktion naturgemäß Gewicht mit. Dank der vorderen Rollen lässt sich das S29R2 auf einer Ebene gut verschieben, über Stufen möchte man es allerdings nicht regelmäßig tragen. Am besten bekommt es einen fixen oder zumindest halbwegs dauerhaften Platz.

Das LCD-Display wirkt im Vergleich zu riesigen, hochauflösenden Touchscreens eher sachlich. Mich hat das kaum gestört, weil Smartphone oder Tablet ohnehin in der Halterung Platz finden und ich dadurch freie Wahl bei Apps, Musik und Streaming habe. Gleichzeitig bleibt das Bike kabellos, unkompliziert und preislich in einer vernünftigen Liga.

Fazit: Das bleibt stehen. Das Merach S29R2 hat etwas geschafft, das ich ehrlich gesagt nicht erwartet hatte: Ich fahre gern darauf. Aus dem pflichtbewussten Produkttest wurde echtes Training, aus „Ich sollte heute noch Sport machen“ erstaunlich oft ein „Ich fahre noch eine Runde“. Es läuft leise und angenehm rund, steht stabil und bietet ausreichend Abwechslung. Besonders überzeugend finde ich das selbstversorgende System, weil es das Bike flexibel macht. Also ein Hometrainer für Menschen, die eigentlich keine Hometrainer mögen. Der reguläre Preis liegt bei 659,99 Euro; aktuell wird das S29R2 im europäischen Merach-Shop um 539,99 Euro angeboten, wobei sich Aktionspreise ändern können. 

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