© Vanessa Hartmann
Der März bringt Aufbruch – und der 8. März die Einladung, genauer hinzusehen. Feminismus hat viele Facetten, viele Stimmen, viele Temperamente. Im Gespräch mit der Soziologin Edit Schlaffer blieb vor allem ein Gedanke bei mir hängen: Entscheidend ist, wie wir handeln, nicht, wie wir uns nennen.
Feminismus ist für mich die Überzeugung, dass Frauen und Männer denselben Wert, dieselben Rechte und dieselben Möglichkeiten haben – und (ganz wichtig!) darüber auch bewusst sprechen. Gleichberechtigung zeigt sich im Alltag: in Meetings, am Küchentisch, in Führungsetagen. Es geht um Macht, um Sprache, um Sichtbarkeit und darum, wessen Perspektive Gewicht bekommt.
Entscheidend ist, wie wir handeln, nicht, wie wir uns nennen.
Doch wer über Feminismus spricht, muss auch über Männlichkeit sprechen. Der Männerforscher Christoph May verweist auf die Notwendigkeit früher Aufklärung: Patriarchatskritik gehört ins Klassenzimmer. Buben wachsen in ein System hinein, das ihnen Leistung als Identität anbietet und Gefühle als Nebensache behandelt. Diese emotionale Sprachlosigkeit ist kein individuelles Defizit, sondern ein strukturelles Muster.
Viele Männer definieren sich über Arbeit und Funktion. Psychische Weiterentwicklung, Therapie, Selbstreflexion oder gar Vorsorgeuntersuchungen stehen selten oben auf der Prioritätenliste. Gleichzeitig erleben Frauen in Beziehungen oft eine zusätzliche Verantwortung, die sich anfühlt wie ein weiteres Kind im gemeinsamen Haushalt.
Eine moderne Gleichberechtigung braucht daher beides: starke Frauen und Männer, die bereit sind, ihr Rollenbild zu hinterfragen. Der 8. März erinnert uns daran. Doch entscheidend sind die anderen 364 Tage.
Wünsche, Ideen, Anregungen?
nicole.schlaffer@dieburgenlaenderin.at
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