Guten Abend, meine Damen und Herren!
Auf vielfachen Wunsch: die inspirierende Eröffnungsrede des Awards-Galaabends 2026 von CR Nicole Schlaffer.
© Vanessa Hartmann
Es gibt eine Frage, die ich Ihnen heute gleich zu Beginn der BURGENLÄNDERIN Awards stellen möchte. Eine kleine gedankliche Übung. Sie richtet sich an alle Frauen hier im Saal: Stellen Sie sich vor, was möglich wäre, wenn Sie zu Hause eine Frau hätten. Damit meine ich jetzt nicht unbedingt eine gleichgeschlechtliche Beziehung, sondern ich meine das als Metapher dafür, was Sie erreichen könnten, wenn Sie daheim eine Person hätten, die sich um die Kinder kümmert, den Großteil des Haushalts erledigt, die emotionale Verantwortung mit Ihnen teilt und Ihnen den ganzen Mental Load abnimmt. Sie wären freigespielt und könnten wahrscheinlich die Welt niederreißen – oder retten, was derzeit wohl g’scheiter wäre.
Wenn das so wäre, würde wahrscheinlich nicht jede zweite Frau im Burgenland Teilzeit arbeiten und es gäbe österreichweit nicht nur 14 % Frauen in Management-Positionen. Und was macht das schon, dass es nur 14 % Frauen in diesen Top-Positionen gibt? Tja, das macht einiges. Wer nicht am Tisch sitzt, wo die Entscheidungen getroffen werden, dessen Interessen werden nicht mitgedacht. Punkt.
Also müssen Frauen in Wirtschaft und Politik gleichberechtigt vertreten sein. Wir müssen endlich aufhören, es hinzunehmen, wenn Panels, Vorstände und Gremien mal wieder nur mit Männern besetzt sind. Und aufpassen: Die größte Stärke des Patriarchats ist es, Frauen gegeneinander auszuspielen, weil: Konkurrenz und Misstrauen halten bestehende Strukturen aufrecht. Deswegen, liebe Frauen, ihr müsst nicht immer alle einer Meinung sein, ABER seid solidarisch miteinander, unterstützt euch gegenseitig, freut euch über die Erfolge der anderen.
Und an alle Männer, euch möchte ich nun auch ganz persönlich ansprechen: Wir brauchen euch, wir wollen euch mit an Bord haben! Wie auch der Bundespräsident vor ein paar Tagen sagte: Männer, ihr müsst laut sein. Wenn ihr unfaire Praktiken Frauen gegenüber miterlebt oder wenn am Stammtisch ein sexistischer Witz erzählt wird, dann müsst ihr was sagen, dagegenhalten. Und darüber hinaus, wenn wir uns die Gehälter ansehen: Es ist doch auch in eurem Interesse, wenn eure Frau, Partnerin, Tochter, Schwester oder Mama gut verdient. Wenn eine Frau weniger verdient, fehlt das ja im Haushaltsbudget der gesamten Familie!
Und an alle hier im Saal, die Kinder oder Enkelkinder haben: Erzieht eure Burschen so, dass sie nicht in diesen eisernen, kleinen Käfig der vermeintlich starken Männlichkeit gesperrt sind. Und bringt euren Mädchen bei, dass sie nicht dem fragilen Ego eines Mannes zu Diensten sein müssen.
Und wer jetzt glaubt, dass sich die Zeiten ja eh schon längst geändert haben und heutzutage doch eh schon alle so offen und gleichberechtigt denken, der hat sich leider getäuscht. Ja, es ist anders als vor 50 Jahren, da mussten Frauen Männer noch um Erlaubnis bitten, wenn sie arbeiten gehen wollten. Da hat sich schon einiges getan. Aber es gab und gibt auch immer wieder Rückschläge in den letzten Jahren. Und wenn wir in diesem Tempo weitermachen, erleben nicht einmal meine Ur-Enkerl die Gleichberechtigung.
Und mir ist auch bewusst, dass jede Bewegung eine Gegenbewegung erzeugt. Einige Jahre wurde die überambitionierte und frustrierte Karrierefrau dargestellt und jetzt gibt es die Tradwives als Trend, das sind Frauen, die auf Social Media propagieren, wie toll es ist, mit Schürze zu Hause am Herd zu stehen, keine eigene Meinung zu haben und dem Mann alles recht zu machen. Wer glaubt, dass das jetzt ein Wertewandel ist, der hat Feminismus nicht verstanden. Abgesehen davon, dass die Tradwives eigentlich gar nicht in der klassischen Hausfrauenrolle aufgehen, sondern dass sie durch ihre Darstellung auf Social Media einfach nur Content oder Produkte verkaufen – das ist die eine Sache.
Und darum geht es auch bei den BURGENLÄNDERIN Awards. Jedes Jahr stellen wir Frauen ins Rampenlicht, die gestalten, führen, forschen, helfen, inspirieren und damit zeigen, wie vielfältig weibliche Lebenswege heute aussehen können.
Liebe Nominierte und auch liebe Sponsorinnen und Sponsoren, die den heutigen Abend möglich machen – ihr alle beweist mit eurem Hiersein Engagement und Haltung – und ihr alle prägt das Burgenland auf eure ganz eigene Weise und ihr macht sichtbar, was möglich wird, wenn Menschen ihre Überzeugungen leben.
Und das wollen wir heute gemeinsam feiern. Ich freue mich auf einen großartigen Abend!
Wünsche, Ideen, Anregungen?
nicole.schlaffer@dieburgenlaenderin.at
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