Mehrere Frauen stehen gemeinsam auf einer Bühne bei einer Veranstaltung zur Menopause

Wallungen & Wahrheiten – Menopause und sonstiger Wahnsinn

Beim Menopause-Event „Wallungen & Wahrheiten“ in Mönchhof wurde klar, wie sehr Frauen nach ehrlicher Aufklärung und echten Antworten dürsten.

5 Min.

© Viktor Fertsak

Es ist einer dieser Abende, an denen man spürt, dass etwas in Bewegung kommt. Ca. 90 Frauen sitzen im Foyer des Marienkron Retreat & Health Resort in Mönchhof, manche mit Notizblock, viele mit einer Mischung aus Erleichterung und Erwartung im Blick. Denn selten hat man das Gefühl, an einem Ort zu sein, an dem wirklich offen über Wechseljahre gesprochen wird – mit all ihren Widersprüchen, Beschwerden, Chancen und Tabus.

Sechs Frauen stehen nebeneinander vor einem Veranstaltungsbanner bei einer Menopause-Informationsveranstaltung
© Viktor Fertsak

Den perfekten humorvollen Einstieg in den Abend liefert Kabarettistin Petra Kreuzer mit einer 10-minütigen Showeinlage aus ihrem aktuellen Programm. Danach ist die Stimmung locker und spannungsvoll erwartend. Als Moderatorin und Chefredakteurin Nicole Schlaffer die Podiumsrunde eröffnet, ist klar: Es wird kein Abend der Floskeln. Und definitiv keiner, an dem Frauen vertröstet werden. Jede der Speakerinnen bringt ihre Perspektive ein – medizinisch, gesellschaftlich, persönlich. Und vor allem ungeschönt.

Die Medizin: Zwischen Wissenslücken und neuen Möglichkeiten

Ulrike Göschl, ärztliche Leiterin in Marienkron, holt gleich zu Beginn viele Frauen ab, die sich seit Monaten fragen, ob sie „spinnen“. Ihr nüchterner Befund: Viele Beschwerden werden schlicht übersehen oder nicht als Wechseljahre erkannt – besonders Herzstolpern, nächtliche Angstattacken, Panikgefühle, Blutdrucksprünge oder plötzliches Herzrasen. Dass diese Symptome nicht im medizinischen Standardwissen verankert sind, schmerzt sie sichtbar. Göschl spricht aber auch über die Chancen dieser Lebensphase: über den Prozess, der zwar wackelig beginnt, aber oft in ein neues Selbstverständnis mündet. Ein „guter Fond“, wie sie es nennt – reich, klar und kraftvoll.

Frau sitzt auf einem Sessel und spricht bei einer Podiumsdiskussion zur Menopause
© Viktor Fertsak

Die Hormone treiben uns manchmal vor sich her – aber am Ende entsteht daraus ein neues Selbstverständnis.

Dr. Ulrike Göschl, Fachärztin für physikalische Medizin und allgemeine Rehabilitation, Allgemeinmedizinerin, ärztliche Leiterin in Marienkron

Hormone, Mythen und Fakten

Wenn es um Hormonersatztherapie geht, hält sich kaum jemand so klar an Fakten wie die Gynäkologin Silvia Iby-Edelbauer. Seit über 20 Jahren begleitet sie Frauen durch diese bewegte Lebensphase – und sieht täglich, wie viel Leid aus mangelnder Information entsteht. Sie erklärt, warum Progesteron schon ab 40 sinkt und warum Stimmungsschwankungen, Wassereinlagerungen oder das berühmte „Schwimmreifen-Phänomen“ eben keine Einbildung sind.

Frau spricht auf einem Podium über Erfahrungen und Wissen zur Menopause
© Viktor Fertsak

Ich behandle keine Laborwerte – ich behandle Frauen. Und keine von ihnen soll leiden müssen.

Dr. Silvia Iby-Edelbauer, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Allgemeinmedizinerin, Psychotherapeutin mit abgeschlossener TCM-Ausbildung

Und sie klärt auf: Die berüchtigte Angst vor Brustkrebs durch Hormonersatztherapie stammt aus missinterpretierten Studien der 2000er-Jahre. Die moderne Therapie mit humanidenten Hormonen ist nicht vergleichbar – und oft enorm wirksam. Was ihr wichtig ist: Entscheidungen müssen individuell sein. Beschwerden zählen mehr als Laborwerte. Und wer leidet, soll nicht leiden müssen.

Arbeitswelt & Wechseljahre – das unsichtbare Problem

Moderatorin und Podcasterin Birgit Fenderl bringt einen Aspekt ein, der vielen im Saal sichtbar aus der Seele spricht: die berufliche Realität. Sie zitiert Studien, die zeigen, wie wenig Unterstützung Frauen im Job bekommen – und wie groß die Folgen sind: Schlafmangel, Konzentrationsprobleme, Hitzewallungen, Rückzug, Frühpensionierungen.

Frau sitzt auf einem Sessel und spricht bei einer Podiumsdiskussion zur Menopause
© Viktor Fertsak

Wir Frauen sind keine Minderheit – wir sind die größte Bevölkerungsgruppe. Die Arbeitswelt muss das endlich begreifen.

Mag. Birgit Fenderl, Moderatorin und Podcasterin – mit ihrem Podcast „Von Wegen Pause!“ bringt sie das Thema Wechseljahre in die Öffentlichkeit.

Link zum Podcast findet sich auf www.birgitfenderl.at

Und sie formuliert den Elefanten im Raum: Österreich ist in puncto Menopause und Arbeitswelt noch lange nicht dort, wo es sein sollte. Doch sie zeigt auch Wege, wie Unternehmen – und Frauen selbst – Strukturen bewegen können: Verbündete suchen, offen sprechen, Bedürfnisse formulieren. Und sich nicht aus der Arbeitswelt drängen lassen.

Sichtbarkeit, Selbstbild & das Alter, das uns gehört

Wenn Corinna Juranek, Model und Influencerin @mrsimperfection, das Wort ergreift, wird es persönlich – und befreiend. Sie spricht über graue Haare, die sie plötzlich sichtbar machten. Über eine Libido, die ihr zeitweise den Alltag durchei­nanderwirbelte. Und über den steinigen Weg, überhaupt Hilfe zu finden.

Frau mit grauen Haaren sitzt auf einem Podium bei einer Diskussion zum Thema Menopause
© Viktor Fertsak

Alt werden ist kein Makel – es ist ein Privileg. Und wir haben das Recht, uns dabei selbst zu definieren.

Corinna Juranek, Pro-Age-Model und Influencerin unter dem Namen @mrsimperfection auf Instagram, spricht über ihre persönlichen Erfahrungen

Ihre wichtigste Botschaft: Frauen brauchen neue Bilder fürs Älterwerden. Bilder, die nicht von außen diktiert werden, sondern von innen wachsen. Die zeigen, dass 50plus kein Abstellgleis ist, sondern ein Neubeginn.

Ein Abend, der Türen öffnet

Der Abend zeigt vor allem eines: wie sehr Frauen nach ehrlichen Informationen und nach Räumen verlangen, in denen Fragen nicht abgewunken werden. Einige im Publikum teilen ihre eigenen Erfahrungen – vom Leidensweg bis zu beruflichen Veränderungen, die erst durch die Wechseljahre angestoßen wurden. Dass die vorhandenen Plätze binnen kurzer Zeit ausgebucht waren, überrascht niemanden mehr. Und dass fast jede Frau sich am Ende bedankt, schon gar nicht.

Es ist der Ton, der diesen Abend prägt: unverstellt, mutig, solidarisch. Ein Gefühl, das man in vielen Gesichtern sieht, als die Podiumsdiskussion endet und im Saal noch weiterdebattiert, gelacht, nachgefragt wird.

Und klar ist jetzt schon: „Wallungen & Wahrheiten“ wird eine Fortsetzung bekommen.
Weil es höchste Zeit ist, dass Frauen nicht länger alleine durch diese Lebensphase gehen.

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