Was ist eine gute Mutter?
Rund um den Muttertag entsteht oft ein sehr bestimmtes Bild von Müttern: liebevoll, geduldig, aufopfernd, immer da. Dabei vergessen wir oft die Realität.
© Unsplash/Kyle Nieber
Irgendwo zwischen Blumen, Bastelgeschenken und schönen Worten taucht bei vielen Frauen eine stille Frage auf: Bin ich eigentlich eine gute Mutter?
Meist gerade dann, wenn man zuletzt laut geworden ist oder wenn sich Müdigkeit, Überforderung und Frust einstellen. Wenn man gerade nicht dankbar, sondern einfach nur erschöpft ist. Dann ist da das schlechte Gewissen, wenn man sich, statt sich auf den Muttertag zu freuen, einfach nach einer Pause sehnt. Oder wenn wir uns insgeheim denken: „Wie wäre mein Leben, wenn ich keine Kinder hätte?“ Daraus entsteht dann meist eine negative gedankliche Spirale, weil wir so doch nicht denken „dürfen“.
Was wirklich zählt
Gerade im Familienalltag verwechseln wir „gut“ oft mit „reibungslos“. Ein lebendiges Familienleben ist nicht immer harmonisch, sondern es kann auch manchmal laut und anstrengend sein. Es fordert uns heraus, zeigt uns unsere wunden Punkte und bringt uns immer wieder an unsere Grenzen.
Und oft spielt dabei auch die Partnerschaft eine größere Rolle, als wir im Alltag wahrhaben wollen. Denn wie wir als Mutter auf uns selbst schauen, hat viel damit zu tun, ob wir uns in unserer Beziehung gesehen und ernst genommen fühlen.
Wenn alles selbstverständlich wird, wenn Mental Load unsichtbar bleibt oder wir nur noch funktionieren, dann beginnen viele Frauen an ihrer Stärke und an ihrem Wert zu zweifeln. Oder es taucht die Frage auf: „Warum schaffen andere das und ich nicht?“ Deshalb ist es so wichtig, dass Partnerschaft durch ehrliche Gespräche, durch Mitverantwortung und durch das Gefühl, nicht alles alleine tragen zu müssen, gelebt wird.

Menschlich
Eine gute Mutter muss nicht alles schaffen. Sie muss nicht rund um die Uhr verfügbar sein, um wertvoll zu sein. Sie darf müde und überfordert sein und sie darf sich Unterstützung wünschen. Sie darf sogar an sich zweifeln. Aber wir sollten uns fragen, woher unsere Erwartungen und Ansprüche kommen – wirklich von uns selbst oder von der Gesellschaft?
Vielleicht würde sich vieles leichter anfühlen, wenn Mütter einander weniger hinterfragen und mehr unterstützen würden. Ich erlebe es in meiner Praxis sehr oft, dass Mütter über andere Mütter urteilen, dass sie sich gegenseitig kleinmachen, anstatt zu unterstützen und ehrlich über Mutterschaft zu sprechen. Das würde Raum ermöglichen, in dem wir unsere Überforderung zeigen dürfen und trotzdem wissen: Wir sind gute Mütter.
Vielleicht ist Muttertag nicht nur ein Tag der Dankbarkeit, sondern auch eine Einladung an jede von uns, Mutterschaft menschlicher zu sehen, jenseits von Idealen, die Druck machen.
Was also ist eine gute Mutter? Vielleicht einfach eine Frau, die liebt, bleibt, zweifelt und trotzdem jeden Tag versucht, ihrem Kind und sich selbst mit Mitgefühl zu begegnen.
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Artikel von Claudia Toth, MSC

Ganzheitliche Familienbegleiterin, psychosoziale Beraterin. Sie begleitet Paare und Eltern dabei, ein stabiles Fundament für sich selbst, ihre Partnerschaft und die Begleitung ihrer Kinder zu schaffen. Ihre Mission: gestärkte Familien der Zukunft. www.dielebensgestalterei.com
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