© Vanessa Hartmann
Vermutlich ernte ich jetzt wieder Augenverdrehen, Seufzen und Geräusche, die Peinlichkeit zum Ausdruck bringen, wenn meine Kinder das hier lesen – aber mit zwei Pubertierenden im Haus bin ich solche Reaktionen gewohnt. Zwischen „Hunger!“- und „Geh bitte, Mama“-Einwürfen gehört das zum Grundrauschen unseres Alltags. Und dann wär da noch diese ganz eigene Mischung aus Genialität und kompletter Realitätsverweigerung, die offenbar automatisch mit 11 und 15 Jahren ausgeliefert wird.
Totschlagargumente
Ist ja nicht so, als wär ich nicht drauf vorbereitet gewesen. Bücher, Gespräche, wohlmeinende Ratschläge aus allen Richtungen. Und trotzdem stehe ich jetzt da und denke mir: Aha. So fühlt sich das also an. Wenn Diskussionen plötzlich in einen rhetorischen Nahkampf mit unüberlegten Totschlagargumenten ausarten. Und die kommen so messerscharf, dass ich kurz überlege, ob ich selbst damals genau so war. Spoiler: War ich.
Und dann sind da diese Momente, die viel aufwiegen. Wenn der 15-Jährige dir mit stoischer Ruhe eine App-Funktion erklärt, bei der du nicht einmal wusstest, dass du sie brauchst. Oder wenn die 11-Jährige eine Situation so souverän löst, dass man kurz innehält und merkt, wie viel bei ihr schon angekommen ist.
„Ich bin sehr froh, dass so manches Kapitel hinter mir liegt.“
Logisch: Anstrengend bleibt es trotzdem, diese Balance zwischen Loslassen und Dabeibleiben. Aber mit jedem kleinen Schritt wächst auch dieser stille Stolz, der sich nicht in großen Gesten zeigt, sondern in Blicken, in Zwischentönen, in diesen seltener gewordenen, überraschenden Umarmungen.
Perspektiven-Verschiebung
Wenn ich mit Freundinnen spreche, die gerade zwischen Streitereien im Kindergarten und schlaflosen Nächten pendeln oder erst in die Babywelt eintauchen, wird mir bewusst, wie sehr sich alles verschiebt. Ich höre zu, erinnere mich – und bin gleichzeitig sehr froh, dass diese Kapitel hinter mir liegen.
Und das ist das Gefühl, dass ich besonders rund um den Muttertag heuer spüre: Es geht längst nicht mehr um gebastelte Karten oder Frühstück im Bett, sondern um etwas, das viel tiefer sitzt: Um dieses Gefühl, dass aus all diesen oft mühsamen Momenten Menschen heranwachsen, die ihren eigenen Weg gehen. Und dass ich ein Teil davon bin. Und es ist bei Weitem nicht perfekt und auch nicht immer ganz chillig, aber ich bin mit ganzem Herzen dabei. Euch allen wünsche ich einen Muttertag, wie er euch gefällt!
Wünsche? Ideen? Anregungen?
nicole.schlaffer@dieburgenlaenderin.at
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