Cora Zölss – unsere Obfrau des Monats März
Meht als 50 außerberufliche Theatergruppen zählt das Burgenland. Cora Zölss initiierte einen Dachverband und verfolgt große Visionen.
© Cora Zölss
Ein Leben ohne Theater kennt Cora Zölss kaum. Schon als sie ein Kind war, öffneten ihre Eltern ihr Wohnzimmer für Konzert- und Theaterauftritte. Als die große Schauspielerin Elfriede Irrall und der Regisseur Olaf Scheuring im Burgenland ihre Wahlheimat finden und die Theatergruppe Lutzmannsburg ins Leben rufen, ist ihre Familie gleich involviert:
Ihre Mutter gehört zu den Gründungsmitgliedern, ihr Vater folgt ihr als Musiker und Cora Zölss selbst steht im zweiten Jahr auf der Bühne. „Das ist 20 Jahre her“, erzählt sie. Im Brotberuf ist sie Volksschullehrerin und Direktorin in Großwarasdorf, in ihrer Freizeit pocht ihr Herz für das Theater. Und zwar so wild, dass die vierfache Mutter und fünffache Großmutter spontan beschloss: eine Aufgabe geht noch.

Es ist gut vier Jahre her, dass der Bundesverband für außerberufliches Theater zum Festival in die KUGA Großwarasdorf lud. Die Theatergruppe Lutzmannsburg zelebrierte dort einen Auftritt – längst sind auch ihr Mann und abwechselnd die Kinder dabei – und man kam ins Plaudern. „Wir haben darüber geredet, dass es in jedem Bundesland einen Landesverband gibt, in manchen seit Jahrzehnten, nur bei uns nicht. Da hat die Cora gleich ,hier‘ geschrien“, lacht sie.
Ihr Mann Heinz Hauer war ebenso gleich mit im Boot. Sie durchforsteten zunächst monatelang Gemeinde-Webseiten, führten unzählige Telefonate, „rund 50 Theatergruppen konnten wir ausfindig machen“. Von der Idee, in einem gemeinsamen Landesverband organisiert zu sein, seien die meisten auf Anhieb begeistert gewesen. „Das motivierte mich sehr“, sagt Cora Zölss, die nunmehr Obfrau des knapp 30 Mitglieder zählenden burgenländischen Dachverbandes ist.

Workshops mit Profis. Was in der kurzen Zeit passierte, kann sich sehen lassen: Cora Zölss handelte eine Rahmenvereinbarung mit der AKM (Verwertungsgesellschaft für Musik) aus, sodass die Vereine nicht mehr jedes Musikstück extra melden müssen, und ebenso eine Versicherung für das Publikum. Ihr Mann setzte eine dreisprachige Website auf, die auch einen Kalender beinhaltet: mit den Produktionen der Theatergruppen.
Interessierte können nach Ortschaft und Datum filtern, „so können auch Tourist*innen spontan ins Theater“. Eines der Herzstücke sind die Workshops: Im Herbst gastierte Norman Taylor, ehemaliges Mitglied der renommierten französischen Schauspielschule Lecoq, mit einem Seminar in Frankenau. Bei den Schmink-Workshops können die Mitglieder das Schminken für die Bühne erlernen, „damit man die Charakterzüge so betont, dass man sie noch in der letzten Reihe sieht“, weiß Cora Zölss.

Zudem tauschen sich die Mitglieder über ihre Sorgen aus – dazu zähle auch das Wirtshaussterben, bei dem auch leider Theatersäle verloren gehen –, arbeiten gemeinsam an Lösungen und die Obfrau öffnete ebenso ihren üppig bestückten Kostüm- und Requisitenfundus für die Kolleg*innen.
Ein Ziel für die möglichst nahe Zukunft: „Wir engagieren uns in unserer Freizeit für die Volks- und die klassische Theaterkultur, möchten ein Theaterfestival auf die Beine stellen – und hoffen auf die Unterstützung des Landes.“
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