Fix fabelhaft: Luisa Schweig und Churro64
Luisa Schweig aus Steinbrunn und Churro64 aus Oslip überholten internationale Stars in den FM4-Charts. Was davor und danach geschah.
© Vanessa Hartmann
„Bitte macht meine Musik nicht so bekannt, ich geh noch in die Schule, hab’ keine Zeit für Welttour“, postet sie frech auf ihrem Musikstreaming-Profil. Sorry, Luisa Schweig aus Steinbrunn, am besten beginnst du zu packen, den Gefallen können wir dir nicht tun. Und wenn wir schon beim Bekannt(er)machen sind, rücken wir sehr gerne auch deinen Musikerkollegen ins Rampenlicht: Daniel Sanchez-Pöll aka Churro64 aus Oslip.
Er, erst 19 und gelernter Bankkaufmann, sie, erst 16, Gymnasiastin, trafen im Vorjahr am Trausdorfer Kirtag zusammen – und besiegelten sogleich eine Kooperation, die ihr junges Leben verändern sollte: Sie schrieben und produzierten gemeinsam den Song „Wiener Tauben“ – und schafften damit einen Durchbruch, der ihnen viele Türen öffnete, wie sie selbst sagen. Durch einige wollen sie gemeinsam gehen, gleichzeitig halten beide selbstbewusst an ihren Solokarrieren und eigenen Projekten fest.
Luisa, du warst gestern Support der Band „Freude“ im Wiener Flucc – wie war’s?
Luisa: Cool auf jeden Fall, aber auch gruselig: das erste Mal mit Tontechniker, IEMs (In-Ear-Monitore, Anm.) und allem, was dazugehört. Es ist bei uns sonst voll raw (roh, ungefiltert, Anm.), du spürst, dass die ganze Show 16-, 17-Jährige machen, da ist auch Platz für Fehler, die gehören dazu.
Ich mag eure Songs und auch, was ihr auf Social Media macht. Ich weiß, wie viel Arbeit das ist, aber es wirkt bei euch super locker …
Daniel: Leichtigkeit und Authentizität sind für uns die wichtigsten Dinge, genauso wollen wir rüberkommen.

Ich kann „Wiener Tauben“ nicht mehr hören, außer wir singen’s live …”, Churro64
Dani, du hast als Churro64 gerade die EP „Tage nach 64“ herausgebracht, Luisa, du hast heute deinen dritten Song „Herzschmerz“ veröffentlicht – das klingt nach einer professionellen Richtung.
Luisa: Ich probiere, etwas aufzubauen, Leute ins Team zu bringen, damit ich Dinge abgeben kann, weil ich merke, wie die Zeit fürs Kreative weniger wird. Das Chaos ist zwar cool, dieses DIY-Ding (do it yourself, Anm.) muss ich beibehalten, aber nicht komplett. Auch wenn ich eher leicht lerne, ich gehe eben auch noch zur Schule (Kurzwiese Eisenstadt, Anm.).
Daniel: Musiker sein ist ein Fulltime-Job und das wirkliche Musikmachen ein Bruchteil der ganzen Arbeit. Es gibt Mails zu beantworten, Konzerte und Termine zu managen, wir müssen Video-Ideen entwickeln, auf sozialen Medien posten. Ich habe vor Kurzem bei der Bank aufgehört zu arbeiten (er finalisiert gerade Lehre mit Matura, Anm.) und nehme mir jetzt zwei Monate Zeit, um mich auf die Musik zu fokussieren, bevor ich mit meinem Zivildienst beginne – als Jugendbetreuer in Wien.
Wie habt ihr mit Musik gestartet?
Daniel: Meine beiden Nachbarn haben Beats produziert, hatten aber niemanden, der drüber singt oder rappt – da war ich 16 und hab’ gesagt, ich probiere das mal. Am Anfang war das nur aus Spaß, die Lieder waren furchtbar (lacht). Aber mit der Zeit haben wir die Sache ernster genommen, wir haben uns bei meiner Oma in Oslip ein Studio eingerichtet und haben die letzten Jahre ein Lied nach dem anderen herausgebracht. Churro64 bin ich – aber ohne meine Produzenten peejay und arrrmiiin würde es nicht gehen (bei Rap machen/mischen Produzent*innen den Beat/musikalischen Part, Anm.).
Luisa: Ich habe sechs Jahre lang Klavier gelernt und mir später Gitarre selber beigebracht. Damit konnte ich mit meinen eigenen Sachen anfangen. Ich würde nie behaupten, dass man Theorie braucht, um Musik zu machen, aber mir hat die Musikschule viel geholfen, ich denke gerne mathematisch. Ich hab’ erst vor einem Jahr mit meiner Musik begonnen, immer mehr auf TikTok gepostet – und Dani (Churro64, Anm.) dann letztes Jahr einfach beim Kirtag in Trausdorf angesprochen. Ich hab’ gewusst, er macht Musik – und er hat gesagt: „Komm vorbei.“ Dann sind wir in sein Studio, haben „Wiener Tauben“ gemacht und jetzt sind wir hier (beide lachen).
Klingt easy …
Daniel: Das hat schon gedauert, vier Monate haben wir an dem Lied gearbeitet. Luisa war mit nichts zufrieden (lacht). Irgendwann hab’ ich gesagt: Das machen wir jetzt so, sonst wäre der Song noch immer nicht draußen. Er ist perfekt, wie er ist, und hat uns viel ermöglicht. Danke, „Wiener Tauben“, auch wenn ich’s nicht mehr hören kann.
Luisa: Die eigenen Songs kann man nur unreleased hören, sobald sie draußen sind, hat man keinen Bock mehr.
Ihr singt das Lied nach Möglichkeit immer jeweils beim Konzert des oder der anderen gemeinsam. Auf der Bühne ist es was anderes, stimmt’s?
Luisa: Fix! Da gehen immer alle voll ab.
Daniel: Den Song kennen viele aus dem Radio, von Instagram, das ist sehr leiwand, wenn alle mitschreien.
Wie entstehen eure Songs?
Daniel: Es kostet jedenfalls viel Zeit. In den Texten geht’s bei mir um Dinge, die in meinem Leben passieren, Erinnerungen von früher, die Lieder entstehen dann mit den Beats, mit meinen Produzenten. Dann wird 100.000 Mal aufgenommen und geschaut, was am besten passt.
Luisa (streckt die Arme in die Höhe): Ich hab’ so einen Kopf! Ich meine damit nicht, dass ich so schlau bin, sondern dass ich sehr, sehr viel und schnell denke, das ist manchmal überfordernd. Ich mache am Tag sicher 20 Handy-Notizen und irgendwann kanalisiert sich das. Als mir der Chorus für „Wiener Tauben“ eingefallen ist, war ich das einzige Mal ohne Handy joggen, ich hab’s dann 40 Minuten lang gesungen, damit ich’s mir merke.
Worum geht’s in „Wiener Tauben“?
Luisa: Im Chorus steckt Hass gegen Männer …
Daniel: Gegen stereotypische Männer.

… fix! Da gehen alle immer voll ab!”, Luisa Schweig
Hass befeuert durch?
Luisa: Weil viele ein riesiges Ego haben, gerade in der Musikbranche. Sie nützen ihre Macht aus und werden geschützt, schon im unbekannteren Bereich, das ist einfach krank.
Ich hatte die Hoffnung, dass es eure Generation besser macht …
Daniel: Teilweise wird es sogar schlimmer. Oft wird es einfach damit „entschuldigt“, dass jemand auf Drogen oder betrunken ist.
Luisa: Mir ist zum Glück bisher nichts passiert, aber ich kenne wenige Mädchen, die noch nie etwas Übergriffiges erlebt haben. Nicht nur in der Musikbranche.
Wie geht es dir als Mann, wenn du das hörst?
Daniel: Ich bin bei Luisa: Ich find’ die tiefere Message von „Wiener Tauben“ voll gut. Wir müssen grad als Männer drauf schauen, dass sich etwas verändert.
Kannst du in deinem Umfeld bei Männern solche Themen ansprechen?
Daniel: Auf jeden Fall. Aber ich kenne andere Kreise, wo Männer das nicht hören wollen oder nicht ernst nehmen.
Dani, du singst auch auf Spanisch, wie kommt das?
Daniel: Ich bin zweisprachig aufgewachsen; mein Papa ist aus Mexiko, meine Schwester ist dort geboren (Samara Sánchez Pöll ist Klubobfrau der Grünen Eisenstadt, Anm.). Ich hab’ jetzt auch ein Lied herausgebracht, das fast nur spanisch ist, das kommt gut an.

Nummer 1 in den FM4-Charts – wie war das?
Daniel: Schon arg, für Luisa war es sogar ihr erster Track. Bei mir war es der zehnte – und ich dachte mir: Wow, drei Jahre Liedermachen haben sich jetzt endlich ein bisschen ausgezahlt. Dass ein Song so vielen Leuten gefällt, ist ein urschönes Gefühl. Auf Spotify hatte ich davor monatlich 30 Hörer*innen durchschnittlich, danach waren es 90.000.
Luisa: Es hat mir auch ein bisschen Angst gemacht, weil ich plötzlich viele Nachrichten gekriegt und ständig telefoniert hab’. Ich wollte in die Musikbranche erst mal ein bisschen reinschnuppern …
Daniel: Du hast es nicht ganz geplant, aber du passt jetzt perfekt hinein.
Luisa: Ich freue mich, es ist insane, dass ich diese Chance bekomme, aber auch gruselig, weil ich die Chance jetzt auch nicht verpassen darf. Ich bin froh, dass meine Mama hinter mir steht. – Ich hatte ur Schiss vor dem zweiten Song. Bei „Wiener Tauben“ hatten wir zwei Stimmen, Rap und Gesang, ich wusste, der zweite Song muss dazupassen, abwechslungsreich sein, wird aber nur von meiner Stimme getragen. Ich habe am Release-Tag gespieben. (Das Lied „rotkreiden mund“ war dann mehrere Wochen Nr. 1 in den FM4-Charts, Anm.)
Du arbeitest mittlerweile auch mit Profis wie Enzo Gaier zusammen, wie komponierst du deine Songs?
Luisa: Daheim, mit einem Podcast-Mikrofon und am Laptop. Da ist nichts schallgedämpft und das ist auch wurscht, es braucht das Perfekte nicht. Ich komme auch selbst immer mehr ins Produzieren hinein.
Musiker*innen leiden darunter, dass sie durch die Streamingportale kaum verdienen, gleichzeitig bietet es eine Möglichkeit, quasi von zu Hause aus in die Öffentlichkeit zu kommen. Himmel und Hölle zugleich?
Luisa: Es sind auf jeden Fall weniger Hindernisse da, du brauchst eigentlich nur ein Handy, das haben die meisten.
Daniel: Deswegen machen aber auch mehr Leute Musik. Luisa hat erst vor Kurzem gesagt: Der Markt ist extrem überflutet. Das macht es noch schwerer, als Musiker durchzukommen.
Noch könnt ihr nicht davon leben, wie ist der Plan?
Daniel: Musik ist mein Plan A und ich gebe alles dafür, damit es funktioniert. Ich habe vor Kurzem auch das erste „Lowkey Loud“-Festival mit Csello in Oslip veranstaltet, das war ein „Zehn-von-zehn“-Abend. Es passiert hier nichts für junge Artists, wir müssen die Gegend aufwecken und werden das mit einer Eventserie angehen.
Luisa: Wenn man will, kann man von dem, was ich tue, leben. Ich will mit meiner Musik eine Luisa-Schweig-Welt schaffen – als eine Art Kontrast zur Realität.
Daniel: Man muss als Artist seine Realität bauen, damit die Fans mit einem connecten können.
Wird’s auch wieder etwas Gemeinsames geben?
Luisa: Fix.
Daniel: Wir kommen nicht drum herum (lacht). Die „Wiener Tauben“-Zeit war auch eine sehr lustige Zeit, das muss wiederholt werden.

Luisa Schweig & Churro64
Von Konzerten und Co erfährt man via Social Media:
TikTok: @luisa_schweig | @churrosechsvier
Instagram: @churrosechsvier | @luisa_schweigofficial
Weitere Artikel zu diesem Thema
Abo