Frauenservicestelle – “die Tür”, die immer offen bleibt
Geschäftsführerin der Frauenservicestelle „Die Tür“ – Elke Aufner-Hergovich – spricht mit uns über Herausforderungen, Feminismus und die Kraft des Zuhörens.
Offen & unterstützend. Elke Aufner-Hergovich ist Geschäftsführerin und Psychologin zugleich. © beigestellt
Seit mehr als 35 Jahren begleitet die Frauenservicestelle „Die Tür“ Frauen durch Krisen und Neuanfänge.
Es gibt Orte, die man meist erst dann aufsucht, wenn das Leben aus dem Takt geraten ist. Orte, an denen Sorgen ausgesprochen werden dürfen und niemand erklären muss, warum es gerade nicht mehr allein geht. Die Frauenservicestelle „Die Tür“ gehört zu diesen Orten. Eine, die ihre Entwicklung über Jahrzehnte begleitet hat, ist Geschäftsführerin Elke Aufner-Hergovich.
Als sie 1995 als frischgebackene Psychologin zur „Tür“ kam, war vieles anders. Über ein Akademikertraining des AMS führte sie ihr Weg nach Mattersburg. Themen wie Frauenrechte, Gleichstellung und die Lebensrealitäten von Frauen hatten sie schon während des Studiums geprägt. „Die ersten großen Feministinnen haben mich schon während des Studiums fasziniert“, erzählt sie. Seit 1996 ist sie fix angestellt beim Verein, vor rund acht Jahren übernahm sie die Geschäftsführung für Eisenstadt und Mattersburg.
Im Gespräch mit Elke merkt man schnell: Hier sitzt jemand, der seinen Beruf liebt. „Ich gehe wahnsinnig gerne arbeiten“, sagt sie. Die Arbeit als Psychologin ist bis heute ihr Herzstück, auch wenn die Aufgaben als Geschäftsführerin längst einen großen Teil ihres Alltags einnehmen. „Man verbringt so viel Zeit im Job, und wenn man das gerne macht, gibt es ja nichts Schöneres. Es erfüllt mich, und ich lerne auch so viel von den Frauen.“
Frauen mit vielen Geschichten
Frauen, die zur „Tür“ kommen, bringen selten nur ein einzelnes Problem mit. Oft tragen sie, wie Aufner-Hergovich sagt, „einen ganzen Rucksack von Problemen“ mit sich. Da geht es um Trennungen, psychische Belastungen, finanzielle Sorgen, Konflikte in der Familie oder Schwierigkeiten am Arbeitsplatz. Gemeinsam wird zunächst sortiert, was gerade am dringendsten ist.
Der Zugang ist bewusst niederschwellig. Die meisten Frauen vereinbaren telefonisch oder per E-Mail einen Termin, manche stehen spontan vor der Tür. Wer akut Hilfe braucht, wird nicht weggeschickt. „Sich ernst genommen fühlen und sich verstanden fühlen, ist ganz wichtig“, betont sie.
Dabei spielt das Einkommen keine Rolle. „Es wird nicht gefragt, was die Frauen verdienen, sondern es wird einfach geholfen. Wir lassen niemanden alleine.“ Deshalb finden sich unter den Klientinnen Frauen aus allen gesellschaftlichen Schichten.
Zur „Tür“ gehören heute neben psychologischer, rechtlicher und sozialer Beratung zahlreiche Projekte. „FEMININA“ widmet sich der Frauengesundheit, „MonA-Net“ bietet Beratung für Mädchen und junge Frauen an, „StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“ schützt Frauen vor häuslicher Gewalt, dazu kommen Workshops in Schulen und Kindergärten sowie Sprachcafés zur Förderung von Integration und Deutschkenntnissen. Insgesamt arbeiten an den beiden Standorten 13 Mitarbeiterinnen.

Hilfe zur Selbsthilfe
Trotz aller Professionalität bleibt die Arbeit emotional. Damit sie langfristig möglich ist, braucht es eine klare Grenze zwischen Beruf und Privatleben. „Das Wichtigste in unserem Job ist, dass man lernt, die Tür hinter sich zuzumachen, wenn man nach Hause geht“, sagt Aufner-Hergovich. Als junge Psychologin habe sie gelernt, die Probleme der Klientinnen nicht zu den eigenen zu machen. Ziel sei es, Frauen in ihrer eigenen Stärke zu fördern und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.
Auch privat kennt sie die Herausforderung, verschiedene Rollen unter einen Hut zu bringen. Drei Kinder hat sie großgezogen, lange Karenzzeiten gab es dabei nie. Heute erzählt sie schmunzelnd, ihre Kinder hätten früher geglaubt, die Mitarbeiterinnen der Servicestelle würden dort wohnen.
Wenn Aufner-Hergovich über die Zukunft spricht, wird sie politisch. Sie bezeichnet sich selbst als „alte Feministin“, nennt die frühere Frauenministerin Johanna Dohnal als Vorbild und beobachtet aktuelle Entwicklungen mit Sorge. „Ich habe das Gefühl, dass wir in den letzten Jahren Rückschritte hatten“, sagt sie. Ihr Wunsch: mehr Gleichberechtigung, mehr Solidarität unter Frauen und mehr Freiheit bei der Gestaltung des eigenen Lebenswegs. „Eine Frau soll frei von sozialen Zwängen wählen können, welchen Lebensweg sie nehmen will.“
Ein weiterer Wunsch betrifft die Beratungsstellen selbst. Obwohl ihre Arbeit unverzichtbar ist, bleibt die Finanzierung oft unsicher. „Wir müssen jedes Jahr zittern“, sagt sie offen. Förderungen kommen von verschiedenen Stellen, eine langfristig abgesicherte Basisfinanzierung gibt es jedoch nicht.
Dennoch überwiegt die Begeisterung. Vielleicht, weil sie Menschen mag, ihren Geschichten zuhört und immer wieder erlebt, wie viel Kraft in ihnen steckt. „Das Schöne an meinem Job ist, dass ich so ziemlich alles erlebe, was es in meinem Beruf zu erleben gibt“, sagt sie. Jede Frau bringt ihre eigene Geschichte mit, jede Begegnung ist anders. Genau das macht ihre Arbeit auch nach mehr als 30 Jahren noch besonders.
frauenservicestelle.org
mona-net.at
feminina-bgld.at
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