Provokant – streitbar – tabubrechend: Lisa Eckhart im Interview
Die bekannte steirische Satirikerin und Kabarettistin Lisa Eckhart ist mit ihrem neuen Solo-Kabarett „Ich war mal wer“ auf Tour. Laut eigener Einschätzung hat sie ihr neues Stück an Nietzsche angelehnt – es ist für alle und keinen.
© Peter W. Czernich
Frau Eckhart, was erwartet uns mit Ihrem neuen Solo-Kabarett „Ich war mal wer“? Was wollen Sie damit vermitteln?
Lisa Eckhart: Ich will unterhalten und die Menschen zum Lachen bringen. Das ist das primäre Ziel. Und jeder Humorist, der was anderes behauptet, sollte das Geschäft wechseln.
Provokation ist Ihr Geschäft, hat Ihnen aber auch schon heftige Kritik eingebracht. Denken Sie über Kritik nach?
Nein. Wozu? Ich kenne nur zwei Kritiker von Relevanz: das ästhetische Gesetz in mir und das Publikum vor mir.
Und wo ist die beziehungsweise Ihre eigene Grenze dabei?
Das Publikum zu duzen. Das ist meine Grenze.
Bei Ihnen spüre man Arroganz, wird Ihnen nachgesagt. Sind Sie arrogant?
Ich habe so einige Laster, doch Arroganz würde ich nicht dazuzählen. Aber wenn es jemand spürt, will ich ihm das nicht ausreden. Jeder darf in mir sehen, was er will.
Ist es richtig, dass Sie ohne Gag-Autoren arbeiten?
Dafür bin ich viel zu eitel. Mit der Scham, fremde Texte zu verwenden, könnte ich nicht leben.
Muss man für die Bühne ein sehr spontaner Mensch sein und gute Menschenkenntnis haben?
Weder – noch. Ich bin überhaupt nicht spontan oder schlagfertig, im Gegenteil. Ich bin in allem sehr langsam. Und Menschenkenntnis braucht es auch nicht. Oft sind Unkenntnis und Unverständnis viel hilfreicher. Viel Menschliches ist mir fremd. Doch gerade das verleiht oft einen neuen Blick.
Viel Menschliches ist mir fremd. Doch gerade das verleiht oft einen neuen Blick.
Könnten Sie sich ein Programm mit einem Kollegen vorstellen?
Ich bin grundsätzlich kein Team-player. Beruflich und privat. Dafür bin ich zu schrullig und kontrollverliebt. Was mit den Jahren nicht besser wird.
Kabarettistin, Poetry-Slammerin, Romanautorin, Schauspielerin – was könnte als Nächstes kommen?
Wirklich reüssiert habe ich nur als Kabarettistin. Und nur als solche sehe ich mich. Ich halte nichts davon, Titel zu horten aus all den Bereichen, in denen man dilettiert. Eine Sache gut zu machen – mehr möchte ich eigentlich gar nicht.
Wann kommen Ihnen die besten Ideen?
Wenn ich mich krampfhaft dazu zwinge.
Sie halten Ihr Privatleben privat, wie schwierig ist das für Sie?
Gar nicht, weil ich es nicht privat halte. Alles Private wird gnadenlos auf der Bühne ausgeschlachtet. Es glaubt einem ja sowieso niemand. Zuschauer haben ein unfehlbares Talent, Wahrheiten für Lügen zu halten und umgekehrt.
In Zeiten der vielen Krisen, was ist für Sie das Wichtigste, was Sie Ihrem Kind mitgeben möchten?
Nicht immer auf die anderen hören und nicht immer auf sich selbst. Wo es geht, ein Schläfchen einlegen und keine Scheu haben, den Kellner zu fragen, ob man den halb aufgegessenen Teller vom Nebentisch haben darf.
Was halten Sie vom großen Schönheitsdruck bei Frauen, ausgehend auch von den sozialen Medien?
Was meinen Körper anbelangt, beunruhigt mich viel mehr mein Zerfall nach dem Tod als jener davor. Ich habe zum Glück ein Handwerk gefunden, dass mich davon befreit, jung und schön sein zu müssen. Mein Geld werde ich nicht dafür verschwenden, attraktiv zu bleiben. Da kaufe ich mir doch lieber die Männer direkt.
Wie entspannen Sie am besten und holen sich Energie?
Bei der Arbeit. Ich habe es oft mit Leben versucht, bin aber stets gescheitert. Ich habe eine Work-Work-Balance aus Schreiben und Auftreten. Das genügt mir vollkommen. Von Freizeit werde ich kränklich.
Worauf freuen Sie sich heuer noch besonders?
Ich kann nicht vorausschauen. Vorfreude und Nostalgie sind mir gleichermaßen fremd. Freuen tue ich mich über jeden Tag, an dem eine gute Pointe entsteht.

Lisa Eckhart – Ich war mal wer
Termine
14. Mai 2026 Gleisdorf, Forum Kloster
15. Mai 2026 Konzerthaus Klagenfurt
16. Mai 2026 Knittelfeld, Kulturhaus
4.Juli.2027 Messe Graz

Kurzbio Lisa Eckhart:
Lisa Eckhart studierte Germanistik und Slawistik an der Université Sorbonne Nouvelle in Paris, unterrichtete ein Jahr Französisch und Deutsch in London und zog 2014 nach Berlin. Sie begann mit Poetry-Slams und gewann 2015 als zweite Frau die österreichischen Poetry-Slam-Meisterschaften. Für ihr Soloprogramm „Als ob Sie Besseres zu tun hätten“ wurde sie mit dem Förderpreis des Österreichischen Kabarettpreises ausgezeichnet.
www.lisaeckhart.com
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