Sängerin PÄM

PÄM im Interview: “Ich bin (k)eine Kunstfigur”

Sie steht für Authentizität, Selbstliebe und klare Worte:

9 Min.

© Pascal Riesinger

Sie steht für Authentizität, Selbstliebe und klare Worte: PÄM ist aus den aktuellen Charts nicht mehr wegzudenken. Wir haben die 32-jährige Amstettnerin zum Interview getroffen.

PÄM über Authentizität, Selbstliebe und ihr neues Album “Kunstfigur”

Dass sie Musikkarriere einschlagen will, war für die Lehrerin aus Niederösterreich nicht immer klar. Zwar kam PÄM, alias Pamela Pum, schon früh mit Musik in Berührung – ihre Eltern führten ein Restaurant im Theater in Amstetten, wo sie als Fünfjährige die ersten Gehversuche auf der Bühne machte –, doch es dauerte eine Weile, bis sie wirklich wusste, dass sie als Künstlerin Musik machen will. Nach einer längeren Pause trat sie mit 17 schließlich wieder bei einer Aufführung in ihrer Schule auf, begann danach auf Hochzeiten und Stadtfesten zu singen und ihre eigenen Songs zu schreiben. Zunächst auf Englisch, bis sie dann die Mundart für sich entdeckte und 2019 schließlich ihr Debütalbum „PÄM“ veröffentlichte. Am 13. März erscheint nun ihr zweites Album: „Kunstfigur“ ist eine kraftvolle Hymne an Frauenpower und radikale Selbstliebe für all jene, die sich nicht in Normen pressen lassen wollen. 

Wofür steht PÄM?

Authentizität. Das ist wirklich mein absolutes Schlagwort, an dem ich sehr festhalte und das ich mir auch selbst immer wieder vor Augen halten muss. Wenn etwas nicht funktioniert, kommuniziere ich das genauso offen wie meine Erfolge. Das Schlimmste wäre für mich, wenn meine Social-Media-Accounts reine Show-Off-Kanäle wären. Ich zeige, dass Dinge scheitern dürfen und dass ich es trotzdem nochmal probiere. Authentizität ist mein absolutes „Go-To-Word“! 

Der Titel deines neuen Albums „Kunstfigur“ ist eigentlich ein totales Kontrastprogramm zu dem, was du über dich selbst sagst. Warum dieser Titel?

Bei „Kunstfigur“ denken viele an etwas Gestelltes, an eine Rolle, die eingenommen wird oder an irgendetwas Künstliches. Aber wenn man dieses Wort kurz auseinanderbricht, bedeutet Kunst für mich eigentlich etwas anderes. Kunst ist das, was ich mache. Und ich bin einfach eine Figur in dieser Kunst. Ich will diesen Begriff damit ein bisschen revolutionieren. Und ja, ich finde schon, dass ich eine Kunstfigur bin, aber ich bin trotzdem auch ich selbst. Manche Künstlerinnen und Künstler nehmen eine Rolle ein – gerne, do it –, aber ich halt nicht. Ich nehme keine Rolle ein. Meine Kunstfigur bin ich. Ich habe keine Kunstfigur, ich bin keine Kunstfigur, aber ich bin eine Kunstfigur! Manche wollen damit vielleicht einen Schein wahren, aber mir ist das ziemlich egal und das thematisiere ich auch ganz gerne. Ich habe ein normales Leben – und ja, ich habe ein Hobby, bei dem ich auf der Bühne stehe und das ich im besten Fall auch irgendwann zu meinem Beruf machen kann. Aber ich bin eine komplett normale Person. Ich stehe manchmal auf und gefalle mir nicht, ich weine manchmal grundlos und ich streite immer noch mit meiner Mama (lacht). Ich finde, der Begriff „Kunstfigur“ gehört überarbeitet, weil er einen negativeren Beigeschmack hat, als er bräuchte. 

Dein Album ist für all jene, die sich nicht in Normen pressen lassen wollen – was sollen deine Fans von „Kunstfigur“ mitnehmen? 

Es ist ein Sammelsurium an Emotionen, durch die jeder Mensch einmal geht: Verliebtsein, Herzschmerz, sich gut fühlen im eigenen Körper, Unsicherheit. Egal, wie du gerade drauf bist, du findest sicher einen Song auf dem Album, der dich auffangen kann und bei dem du dir dann denkst: „Ok, ihr geht es auch so“. Und dann fühlt man sich vielleicht nicht mehr so allein. All diese Emotionen waren beim Schreibprozess da. Es wäre noch viel schöner, wenn sie dann auch beim Hörprozess da sind und aufgefangen werden.    

Du sagst, du stehst für radikale Selbstliebe. War das für dich selbst immer leicht oder war es doch auch ein Prozess?

Das ist immer noch ein Prozess! Ich habe genauso Zweifel und Tage, an denen nichts so funktioniert, wie ich es will. Der Begriff „Body Positivity“ stresst mich ehrlich gesagt. Ich will nicht jeden Tag positiv gegenüber meinem Körper sein müssen. Das funktioniert nicht. Eigentlich würde ich den Begriff „radikal“ sogar streichen. Radikal bedeutet für mich eher: Der Fokus muss weg vom Körper. Ich möchte, dass mein Hosenumfang genauso irrelevant ist wie meine Schuhgröße. Niemand weiß, welche Schuhgröße ich habe – und es interessiert auch keinen. Genauso sollte es mit dem Körper sein. Selbstliebe darf nicht von außen kommen. Wenn ich sie jemand anderem überlasse, kann sie mir auch genommen werden. Für mich ist das wie bei einem Lieblingslied: Wenn du mir sagst, du findest es furchtbar, gefällt es mir trotzdem noch. So sollte es auch mit dem eigenen Körper sein.

Gibt es Seiten an dir, die deine Fans noch nicht kennen, die mit deinem neuen Album jetzt sichtbar werden? 

Ich glaube, womit generell einmal aufgeräumt werden muss, ist, dass viele denken, ich sei so super selbstsicher. Dabei bin auch ich ein sehr unsicherer Mensch. Ich überdenke gerne. Viele glauben, ich hätte immer alles im Griff. Das habe ich nicht – und das will ich auch nicht. Dann wäre es ja fad! (lacht

PÄM
© Elisabeth Lechner

Was unterscheidet dein neues Album von deinem Debütalbum? 

Alles! (lacht) Es ist, als wäre das eine andere Person. Nicht unbedingt musikalisch, aber persönlichkeitstechnisch hat sich in den vergangenen sechs Jahren einfach viel verändert. Es hat schon seine Daseinsberechtigung, und für die Zeit damals war es das Beste was ich jemals gemacht habe, aber heute würde ich vielleicht nur noch zwei, drei Songs von dem Album nehmen, die mir gefallen. Nicht, weil sie schlecht sind, sondern weil ich mir denke: „Das bin ich einfach gar nicht mehr!“ Das Album musste damals so sein, damit das neue entstehen konnte. Ich weiß heute: Hinter beiden Alben stehen zwei komplett verschiedene Menschen.

Gibt es einen Song auf „Kunstfigur“, der dich selbst ein bisschen überrascht hat? 

„Vielleicht“! Den hätte ich eigentlich nie als Single gesehen. Der Song ist – wie das ganze Album – in einem Songwriting-Camp in Kärnten entstanden. Ursprünglich hat ihn Tom Schneider von Tagträumer eingesungen. Da habe ich mir gedacht: „Ich schmelze dahin!“ Als ich ihn dann eingesungen habe, hat er sich für mich eher wie ein Schlager angehört. Ich habe ihn dann eine Zeit lang liegen lassen und später mit meinem Produzenten nochmal komplett umgebaut. Das Problem war, dass er einfach nicht meine Geschichte erzählt hat. Ich bin eine sehr egoistische Songwriterin. Ich schreibe schon gerne für Leute, aber ich schreibe halt immer auch über mich und ich muss fühlen, was ich schreibe. Erst, als wir den Song auf meine damalige Situation umgeschrieben haben, hat er zu mir gepasst. Das war im Juli 2024. Vergangenen September ging es schließelich darum, was die nächste Single sein soll. Ich hatte eigentlich ein ganz anderes Lied vorgeschlagen – eines, das gar nicht mal auf diesem Album ist, aber beim Label meinten dann alle, dass sie so große Fans von „Vielleicht“ sind. 

Und jetzt geht er durch die Decke … 

Ja, aber ich verstehe es nicht. Ich dachte, ich weiß, wie das Game funktioniert! (lacht) Vielleicht ist es manchmal gscheit, wenn man andere mitreden lässt. Ich selbst hätte den Song wirklich nicht als Single released. 

Du hast kürzlich Schlagzeilen gemacht, weil du offen darüber sprichst, dass du aus medizinischen Gründen – du leidest unter Diabetes, Lipödem und Rheuma – Ozempic nimmst. Auf Social Media werfen dir einige User nun vor, du seist nicht authentisch. Warum hast du dich dazu entschieden, so offen darüber zu sprechen?

Das war richtig spannend! Habe ich das kommen sehen? Nein! Ich habe mir wirklich nicht gedacht, dass ich so medienrelevant bin. (lacht) Eigentlich dachte ich mir: „Wen juckt das schon?“ – ich war schon überrascht, dass es nicht so war. Die Reaktionen sind mir ehrlich gesagt ziemlich wurscht. Manchmal überrascht mich das selbst! (lacht) Ich fand es eher lustig, dass es plötzlich hieß: „Jetzt steht ihre Glaubwürdigkeit auf dem Spiel!“ Dabei ist es das Gegenteil: Meine Glaubwürdigkeit würde dann am Spiel stehen, wenn ich es nicht offen kommuniziert hätte. Die Reaktionen sind mir egal, weil ich weiß, dass ich die Wahrheit sage: Ich nehme es aus gesundheitlichen Gründen. Mir ging es körperlich immer schlechter: Schmerzen, Rheuma-Schübe, Energieverlust. Das Medikament hilft mir einfach und ich nehme es nicht, weil ich schlank sein will, sondern weil ich auf der Bühne stehen, tanzen und performen möchte.  


Für mich ist es wichtig, in den richtigen Momenten laut zu sein!

PÄM
Ein anderes Thema, für das du dich stark machst, ist Gleichberechtigung. Wie laut muss man als Frau in der Musikbranche sein, um ernst genommen zu werden?

Schon sehr laut! Wenn du aber zu laut bist, fühlen sich gewisse Menschengruppen auch schnell wieder eingeschüchtert. Das ist eine Gratwanderung. Deshalb ist es für mich wichtig, eine Strategie zu haben und in den richtigen Momenten laut zu sein. Ich vergleiche das gerne so: Männer und Frauen gehen denselben Weg von A nach B. Aber die Männer gehen auf Asphalt und wir Frauen auf Sand – das heißt, mit jedem Schritt gehen wir wieder einen halben zurück. Ja, wir gehen zwar dieselbe Strecke, aber unter völlig anderen Bedingungen. In meinem Job als Lehrerin ist das anders, dort bin ich gleichgestellt. In der Musikbranche bin ich es nicht, den Unterschied sehe ich sehr deutlich. Und jeder, der etwas anderes behauptet, ist meistens ein Mann. 

Was war bisher dein größtes Karriere-Highlight?

Ganz klar die Tour mit Seiler und Speer! Ich war zwei Wochen als Support-Act mit ihnen unterwegs – bis nach Berlin rauf. Die beiden waren mir gegenüber immer absolut wertschätzend und haben mir geholfen, wo es gegangen ist. Dass sie mir das ermöglicht haben und es nach zweieinhalb Jahren wieder tun und ich nochmal mit ihnen auf Tour gehe, ist wirklich ein Wahnsinn! Ich muss ehrlich sagen, das ist schon ganz großes Kino! 

Was bedeutet Niederösterreich für dich? 

Heimat natürlich! Da bin ich her, da bin ich groß geworden, da bin ich von oben bis unten schon überall gewesen und habe ganz viel Erinnerungen gesammelt. Ich bin seit 32 Jahren immer in dem Grätzl rund um Amstetten gewesen und lebe nach wie vor dort. Ich habe dort meine Mama, meine Familie, meine Freunde – alles, was mir Sicherheit gibt, befindet sich in diesem Bundesland. 

PÄMs neues Album „Kunstfigur“ erscheint am 13. März © Pascal Riesinger

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