Portrait von Sebastian Humi

Sebastian Humi: Arabisch – Katholisch – Schwul

Comedian Sebastian Humi thematisiert humorvoll seine Identität, Integration und familiäre Prägung in Österreich. Am 11. Juni ist er im Grazer Theatercafé mit seinem Programm „Arabisch – Katholisch – Schwul: Das zerrissene Kind“ zu sehen.

5 Min.

2025 war für Sebastian Humi ein Erfolgsjahr. Er gewann u. a. den Publikumspreis des Grazer Kleinkunstvogel, den Burgen­­ländischen Kabarettpreis Jury und den Steirer­krone-Publikumsvogel 2025 mit „Habibi macht Spaß und hat Spaß“. © Julian Pöschl

Der mehrfach ausgezeichnete Künstler Sebastian Humi ist eine interessante Mischung: in Bagdad geboren, in Oberösterreich aufgewachsen, in Linz, Salzburg und Graz gelebt und jetzt wohnhaft in Wien. Dort hostet er die Show „Queer Comedy Boom“, mit der er queer-feministische Kunst fördert. Uns erzählte er bei einem persönlichen Treffen von seinen Erfahrungen als „arabischstämmiger, katholisch aufgewachsener und sehr homosexueller Mann“.

An seinen Geburtsort Bagdad kann sich Sebastian nicht erinnern. „Ich war ungefähr sechs Monate alt, als wir flüchteten. Ich bin zwar rein theoretisch ein Migrant der ersten Generation, bin aber in Österreich aufgewachsen und sozialisiert.“ Mit elf Jahren besuchte er mit seiner Familie die „alte“ Heimat, „aber ich dachte mir, was mache ich jetzt da?“.

Für ihn ist Österreich seine Heimat, auch wenn die österreichische Kultur nicht zu 100 Prozent seine ist, da er ein bisschen dazwischen aufgewachsen ist. „Ich war das erste Kind meiner Eltern, die Akademiker waren, aber nicht gut Deutsch konnten. Deshalb bin ich in so einer kleinen Bubble aus christlichen Arabern aufgewachsen.“ Sehr offen erzählt der 35-Jährige: „In Österreich verspürte ich immer einen Drang, mich zu verbessern, mehr zu leisten. Ich war ‚Dolmetscher‘, war ‚Kindergarten-Tante‘ für meine Eltern und erledigte die Behördenwege.“ Mit einem Lachen meint er: „Ich sage immer, meine Eltern sprechen Bagdad-Deutsch, aber sie sind sehr happy hier.“

Über Sebastian Humi

Der Comedian studierte erst Genetik in Salzburg, später Biotechnologie in Graz. „Arabische Kinder bleiben normalerweise bis zur Verheiratung zu Hause und deshalb war es sehr untypisch, dass ich mit 18 schon weggezogen bin. Aber die Familienbande wurden mir in Linz zu eng.“

Sebastian Humi war immer schon lustig, konnte Menschen unterhalten und war immer schon die „Unterhaltungsmaschine“ im Freundeskreis. Seine Comedy-­Karriere begann eher zufällig in einem Keller. „Mein Ehemann meinte, dass wir uns mal eine Comedy-­Show ansehen sollten, die in einem Keller nahe unserer Wohnung war. Dort traten viele Comedians auf und einer versuchte, mit dem Publikum und mit mir zu reden. Ich war aber nicht in der Laune, ihm etwas von mir zu erzählen, und tat die ganze Zeit so, als wäre ich Hans Peter Doskozil.“ Später kamen Besucher zu ihm und meinten, dass eigentlich er auf die Bühne sollte. Und zwei Wochen später stand er wirklich auf der Bühne „und es hat super funktioniert“.

Ob man witzig sein lernen kann?

„Das weiß ich gar nicht. Ich glaube, was schon geht, ist, dass man Charaktere lernt und diese spielt. Aber ich bin mir sicher, dass ein gewisser Schmäh notwendig ist und dass man Witze schreiben kann. Aber jeder Humor ist ja anders und nicht jeder Humor hat Schmäh. Ich glaube auch nicht, dass jeder bei mir lachen kann, bin ja kein klassischer Kabarettist, der Wortspiele macht, sondern mehr ein G’schichtl-Drucker. Ich erzähle halt gerne Geschichten, die ein bisschen mit mir zusammenhängen.“ Mit einem Schmunzeln meint er: „Einmal sagte ich zu meinem Ehemann: Wenn ich berühmt bin, schreibe ich ein Buch, das ‚Arabisch – Katholisch – Schwul‘ heißen wird. Mein Problem ist nur, dass ich nicht gut schreiben, aber gut reden kann – und so ist daraus ein Comedy-Programm geworden.“

Sein Ehemann ist übrigens aus Kapfenberg zu Sebastian nach Graz gezogen und irgendwann gingen sie dann gemeinsam nach Wien. „Aber Graz war die erste Stadt, wo ich mich daheim gefühlt habe.“ Sein Mann ist sein Ruhepol und unterstützt ihn sehr.

Kein erhobener Zeigefinger

Angesprochen darauf, ob er als Homosexueller beziehungsweise mit seinem Programm Anfeindungen spürte, erzählt der Comedian: „Ich würde sagen, in großen Städten ist es leichter. Am Land sind die Menschen anfangs skeptisch, das löst sich aber rasch auf, weil sie merken, dass ich kein belehrender Mensch bin, dass ich nicht mit erhobenem Zeigefinger erkläre, dass Schwule so schlecht behandelt werden. Dabei ist mein Programm wirklich rein autobiografisch. Mir geht es nur darum, zu zeigen, wie ich aufgewachsen bin, was bei mir passiert und wie es mir ergangen ist. Und das funktioniert überall. Ich würde behaupten, ich habe bis jetzt immer Glück gehabt, auch weil ich nicht stereotyp schwul bin.“ Sehr zugute kommt ihm, dass seine Eltern ihm Selbstbewusstsein eingeimpft und mitgegeben haben, dass man ruhig zu dem stehen soll, was man ist.

Sebastian ist auch politisch interessiert und war unter anderem Bezirksrat in Wien. „Aber ich habe gemerkt, dass diese klassische politische Arbeit nicht so meins ist. Ich rede lieber darüber.“ Gegen das Amt des Bundespräsidenten hätte er aber nichts einzuwenden, ergänzt er mit seinem ansteckenden Lachen.

Entspannen kann sich der Kabarettist und Comedian, der sich als nachtaktiven Menschen bezeichnet, beim Spazieren, Schauen von Serien oder Einfach-nur-mal-faul-auf-der-Couch-Liegen. Und er freut sich auf die österreichweiten Auftritte mit seinem Programm „Arabisch – Katholisch – Schwul: Das zerrissene Kind“, die ihn auch immer wieder nach Graz führen – seine „Herzensstadt“.

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