
Evelin Wilfing: Vereinsobfrau des Monats April
Rund 400 Mitglieder zählt die Gymnastik und Tanz-Union Mattersburg. Der Verein ist seit jeher fest in Frauenhand, kürzlich war Zepterübergabe.
Competition „Dance Star“: die Showtanzgruppe „La Shox“ © Sportunion GTU Mattersburg
Lina war noch ein Baby, als sie das erste Mal Hallenluft schnupperte. „Ich hab’ sie quasi vom ersten Tag an mitgenommen“, lacht Evelin Wilfing – und ihre Tochter, heute 27, nickt schmunzelnd. Abgeschreckt hat sie das unermüdliche Engagement ihrer Mama für die Sportunion nicht, im Gegenteil: Lina Geiger, im Brotberuf Volksschulpädagogin, ist heute neue Obfrau der Gymnastik und Tanz-Union (GTU) Mattersburg, ihre beiden Stellvertreterinnen sind Sabine Wondrusch und Cornelia Widder-Kremser.

Die GTU vereint mittlerweile vier Sektionen – das sind Rhythmische Gymnastik, Showdance, Gesundheitssport sowie Kinderturnen und Ninja-Parcours – und hat aktuell bereits an die 400 Mitglieder. Rund 80 Prozent sind Frauen. Etwa 45 Bewegungs- und Trainingseinheiten bietet die GTU pro Woche in den vier Sektionen; die Sportler*innen sind zwischen ein und 80 Jahre alt.
Um auf die Anfänge und auf bewegte Zeiten zurückzublicken, trafen wir die ehemaligen jahrzehntelangen treuen Obfrauen bzw. Funktionärinnen Evelin Wilfing und Katharina Hitzel gemeinsam mit der neuen Generation, mit Lina Geiger, die vergangenen Sommer das Zepter übernahm.
Lebenselixier
Acht Jahre jung war Evelin Wilfing, als sie die Rhythmische Gymnastik in Mattersburg für sich entdeckte; sie kam, um zu bleiben: „Die Gymnastik war von Beginn an mein Leben, mein Lebenselixier. Ich hab’ mein Studium an meine Trainingszeiten angepasst und selbst als ich Mutter wurde, waren meine Kinder immer dabei“, beschreibt sie.
Als sie nicht mehr im Wettbewerbsalter war, unterstützte sie die Trainerin; 1989 übernahm sie die Sektionsleitung innerhalb der Union Mattersburg. 2007 wurde die GTU zum eigenständigen Verein, Evelin blieb weiterhin Obfrau, und zwar für insgesamt 31 Jahre.

Jahrzehntelange Freundschaft verbindet sie mit Katharina Hitzel, die nach ihr Obfrau wurde; beide begannen ihre Gymnastik-Laufbahn bei der legendären Trainerin Tante Grete, mit bürgerlichem Namen Grete Kraly (Bild unten): „Sie war streng, aber sie belohnte Ehrgeiz. Wir haben viel bei ihr gelernt, ich mochte sie gerne“, sagt Katharina Hitzel.
Die Forchtensteinerin fing mit neun Jahren mit Rhythmischer Gymnastik an; auch sie machte später die Trainerinnenausbildung und noch weitere Ausbildungen zur Kampfrichterin. Sie absolvierte parallel ein Lehramtsstudium für Bewegung und Sport sowie Geschichte, heute unterrichtet sie am Gymnasium Oberpullendorf. „Ich weiß noch, wie ich immer nach der Uni vom Bahnhof mit der Reisetasche gleich zur Sporthalle gelaufen bin, damit ich für die Trainings pünktlich in der Halle stehe.“

Gemeinsam haben die beiden auch andere Vereine bei Aufbau und Training unterstützt, beispielsweise in Wiesen und in Eisenstadt. Mittlerweile haben sie in der GTU Ehrenämter inne, die Faszination ist ungebrochen. „Rhythmische Gymnastik ist für mich der schönste Mädchensport, er verbindet Ausdruck, Bewegung und Koordination mit den Handgeräten. Es gibt nichts Grazileres“, schwärmt Evelin Wilfing.
Stärkender Verein
Die eingangs aufgezählten weiteren Sportarten kamen im Laufe der Jahre hinzu. Neo-Obfrau Lina Geiger begann mit fünf mit Rhythmischer Gymnastik; heute ist sie selbst Trainerin – und aktives Mitglied in einer Showdance-Wettbewerbsgruppe. Auch dabei machten sich die Mattersburger*innen – hier sind fallweise auch Burschen dabei – in den vergangenen Jahren einen Namen.
So schön glänzende Pokale und so herzzerreißend manchmal Tränen der Enttäuschung sein können, „schöne und weniger schöne Gefühle gehören dazu, aber insgesamt wird das Selbstvertrauen der Kinder sehr gestärkt“, weiß Katharina Hitzel. Und das Wichtigste sei ohnehin die Gemeinschaft. „Uns verbindet in der Gruppe mehr als Freundschaft, es fühlt sich wie Familie an“, sagt Lina.

Das mag durchaus an der speziellen Energie liegen, dass zum Großteil Frauen am Werk sind. „Gerade wenn es um Wettbewerbe geht, gehen wir natürlich mit einer Ernsthaftigkeit an die Sache heran und es gibt mehrmals in der Woche Training. Aber wir kennen bei uns keinen Drill, das kommt vielen menschlich entgegen“, sagt Katharina Hitzel.

Evelin Wilfings Engagement für junge Menschen stach auch innerhalb der Sportunion Burgenland hervor. 2020 wurde sie mit dem Hans-Hadek-Gedenkpreis für besondere Verdienste um die Jugendarbeit geehrt. „Eine besondere Wertschätzung für all die Zeit, die ich investiert hab’, ich war sehr gerührt“, sagt sie.
Unvergesslich sind auch gemeinsame Reisen zu Wettbewerben, Schweden, Holland und Deutschland waren schon dabei, und die vielen Feste, die die GTU-Frauen – sehr oft neben Brotjob und Kinder – ehrenamtlich auf die Beine stellen. Fixpunkte sind das Nikolo-Schauturnen sowie das Sommertanzfest inklusive Ninja-Cup, das heuer am 14. Juni in der Sporthalle Mattersburg über die Bühne gehen wird.
Info: gtumattersburg.sportunion.at
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