© Homajon Sefat
Wenn ein Mörder Mörder jagt: Im neu erschienenen Krimi „Mörder Party“ lässt Leo Lukas zum dritten Mal
einen Auftragskiller, einen Komiker und eine Chefinspektorin ermitteln – Worum genau es im neuen Buch geht und wo er selbst am liebsten liest, hat Leo Lukas der STEIRERIN im Interview erzählt.
Leo Lukas ist seit vielen Jahren aus der österreichischen Künstlerszene nicht mehr wegzudenken. Der gebürtige Köflacher, der „schon ewig“ in Wien lebt, unterhält seit seiner Kindheit gerne Menschen. Mit „Mörder Quoten“ ging Lukas 2020 unter die Krimiautoren – mit lockerem Schreibstil, viel Witz und schwarzem Humor. 2022 erschien die Fortsetzung „Mörder Pointen“, vor Kurzem Teil drei der Reihe: „Mörder Party“. Wenn er über seine Romanfiguren spricht, bekommt man das Gefühl, dass sie real sind.

Sie sind Kabarettist, Regisseur und Schriftsteller: Wo sind Sie mit dem meisten Herzblut mit dabei?
Leo Lukas: Das kann man so nicht sagen, aber ich bin froh, dass ich die drei Standbeine kombinieren kann. Ich bin fix im Autorenteam für die „Perry Rhodan“-Science-Fiction-Serie, die erscheint wöchentlich, ich schreibe also viel. Und das Schreiben ist eine einsame Angelegenheit. So ein Krimi wie jetzt „Mörder-Party“ dauert schon einige Monate, bis er fertig ist. Da bin ich nachher froh, wenn ich wieder unter Leute komme und spielen kann. Dasselbe gilt für Regiearbeit. Und wenn ich langfristig viel unter Leuten bin, ist es auch wieder schön, sich etwas zurückzuziehen. Es ergänzt sich also sehr gut.
In Ihren Krimis ermitteln ein Killer, ein Komiker und eine Chefinspektorin gemeinsam. Wie kommt man auf diese Kombination?
Ich wollte nicht den hundertsten gemütlichen Dorfpolizisten erfinden, der bei seiner Mutter wohnt und kleine Delikte aufklärt. Eines Nachts bin ich plötzlich aufgewacht und hab mir gedacht: Was ist, wenn mein Ermittler selbst Auftragsmörder ist? Die richtig guten Ideen kommen mir immer zwischen 4 und 5 Uhr früh, die muss ich dann gleich aufschreiben, sonst sind sie weg. Und weil Bravo, der Killer, eher ein spezieller Typ ist, scheu und unauffällig, brauchte er einen Sidekick, den Komiker Szily. Und natürlich eine Ermittlerin.
Erzählen Sie uns die Vorgeschichte zu Band drei?
Bravo und Szily lernen sich durch Zufall kennen. In „Mörder-Quoten“ kommt dem Auftragskiller Bravo jemand zuvor, es wird also jemand ermordet und Bravo beschließt, herauszufinden, wer ihm die Arbeit weggenommen hat. Bravo und Szily haben ein merkwürdiges Verhältnis, weil Szily eigentlich zu viel über Bravo weiß und daher in Gefahr ist. In „Mörder–Pointen“ gibt es eine Mordserie an Kabarettist:innen, da sind beide unter Verdacht. Im neuen Band „Mörder-Party“ treffen die beiden mit der Ermittlerin Karin Fux, die bisher eine kleinere Rolle gespielt hat, auf einer Berghütte zusammen. Es ist eine riesige Party im Zielraum der Ski-Abfahrt geplant, wegen eines Schneesturms werden sie aber von der Umwelt abgeschnitten, ohne Verbindung zur Außenwelt, und es passiert natürlich wieder etwas.
Ihnen ist es wichtig, dass die Schilderung der Polizeiarbeit realitätsnah ist?
Genau, seit ich mit dem Chef des Landeskriminalamts in Kontakt bin, hilft er mir mit Infos zur Polizeiarbeit, worüber ich als Laie sehr froh bin. Ich recherchiere leidenschaftlich gerne und versuche in allen Bereichen ordentlich zu arbeiten. Für das neue Buch habe ich etwa mit einem Elektriker und mit der Leiterin der Flugpolizei gesprochen.
Testen Sie Ihre Bücher oder Kabarettprogramme zuerst in kleiner Runde?
Ja, es ist üblich, dass man Vorpremieren macht. In der Steiermark gibt es zum Beispiel die Blue Garage in Frauental, da geht man hin, wenn man sich bereits recht sicher ist, gut geprobt hat usw. Das ist ein gut durchmischtes, interessiertes Publikum. Und in meiner Maisonettewohnung in Wien habe ich eine Mini-Probebühne, da trete ich immer vor Freund:innen und Verwandten auf. Was einem bei der Probe auf der Bühne nicht einfällt, nenne ich „freiwillige Selbstkürzung“ – das fliegt dann raus. Und bei Büchern habe ich auch vier „First Reader“ aus unterschiedlichen Bereichen, die mir Feedback geben.
Sie schreiben im ersten Band, dass von Komiker:innen erwartet wird, dass sie „entweder jederzeit wahnsinnig originelle Witze reißen oder aber privat wortkarge, melancholische, schwer depressive Trantüten sind“: Wo würden Sie sich selbst einordnen?
Ich bin eher der Zwangssanguiniker. Viele Komiker:innen – mit den allermeisten kann man sehr viel Spaß haben –sind im Privaten erstaunlich leutescheu. Ich auch, private Partys meide ich immer schon eher.
Sie lesen selbst wahnsinnig viel. Woher nehmen Sie die Zeit dazu?
Bei mir stellt sich die Frage nicht. Ich habe immer etwas zu lesen dabei, auch wenn ich nur zwei Stationen mit der U-Bahn fahre, es könnte ja der Strom ausfallen. Ich lese auch immer abends im Bett und beim Frühstück. Speziell im Urlaub oder wenn ich zwei Wochen auf die Alm fahre, habe ich meinen E-Book-Reader dabei, sonst brauche ich einen eigenen Koffer für Bücher.
Buchtipp

Mörder Party
Kriminalroman | Leo Lukas | Verlag Uebereuter | Taschenbuch | Preis € 16,–
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