Juliane Bogner vor historischen Festivalplakaten in Wiesen – Erinnerung an Jahrzehnte internationaler Musikgeschichte im Burgenland.

Juliane Bogner verrät: Das erwartet euch im Jubiläumsjahr bei Wiesen Festivals

Mit vier trommelte sie mit einer Percussioncombo aus Burkina Faso, heute führt Juliane Bogner die legendären Festivals mit ihrem Bruder und viel Herzblut. Heuer kommen Newcomer, Legenden und Kabarettist*innen ins Erdbeerland.

8 Min.

© Nicole Heiling

Mit vier trommelte sie mit einer Percussioncombo aus Burkina Faso, mit 14 kamen die Pubertät und die Backstreet Boys. Heute durchweht auch Juliane Bogner der Geist von Wiesen, und sie führt die legendären Festivals mit ihrem Bruder und viel Herzblut durchs Jubiläumsjahr.

An einem „Ende“ von Wiesen das Jazz Pub, am anderen das Festivalgelände – ihr Zuhause auf dem halben Weg: „Besonders der Mama war es wichtig, dass wir einen Rückzugsort haben“, erinnert sich Juliane Bogner. Ein bisschen Privatleben sei ihr heilig gewesen, wo doch immer irgendwo was los war, schmunzelt sie. Tagsüber hielt das Wirtshaus offen, am Wochenende vibrierte abends die Disco und im Sommer das Festivalgelände.

Nicht nur Menschen aus dem Bezirk Mattersburg wachten dort mit grau getanzten Barfüßen, frisch verliebt und in Schlafsäcken auf. Was im Erdbeerland Franz Bogner mit Familie und Freunden vor 50 Jahren ins Leben rief, gehört in die Geschichtsbücher. Die gute Nachricht vorweg: Es geht weiter. Die ersten Höhepunkte im Jubiläumsjahr: Herbert Pixner spielte gleich zwei nahezu ausverkaufte Konzerte unterm Zeltdach. Das Programm reicht heuer von Austropop über Drum & Bass – bis hin zu einem sehr lebendigen Wiesen-Mammut, dem Reggae-Festival „One Love“, dazu später mehr.

Wir schlendern diesmal mit der neuen Generation über Wiese und holzbepflasterten Boden; Tochter Juliane Bogner zeigt uns backstage gerahmte Schwarzweißfotos von Größen, die ebendort auf der Bühne standen: Miles Davis, Barbara Thompson, Ella Fitzgerald, Ibrahim Ferrer, Jamiroquai. Sie und ihr Bruder Franz-Peter leiten heute die Geschäfte, die Eltern sind in die wohlverdiente zweite Reihe gerückt. Aber noch dabei: Papa Franz kämpft an diesem Freitag gegen wuchernde Dornensträucher am Parkplatz und rutscht für einen kurzen Austausch mit der Tochter vorbei, Mama Mini ist im Gastrobereich beschäftigt.

Juliane Bogner mit ihrem Vater und Großvater am Festivalgelände in Wiesen – generationsübergreifende Verbundenheit mit dem Kulturstandort.
FestivalPapa in Pension. Franz Bogner gab sein Lebenswerk an die Kids Franz-Peter und Juliane weiter. © Vanessa Hartmann

Als Franz Bogner mitkriegt, dass wir ein Interview führen, zückt er seinen Autoschlüssel – den Part vermisst er am wenigsten. „Schon in der Schule ist’s mir nass am Buckel runtergeronnen, wenn ich zur Vokabel­prüfung rausmusste“, lacht er. Auch Sohn Franz-Peter arbeitet lieber hinter den Kulissen – das aber schon seit der Schulzeit in jeder freien Minute. Der gelernte Elektrotechniker ist heute Geschäftsführer – mit vollem Einsatz ist auch seine Partnerin Sabine seit ihrer Jugend dabei –, Kommunikation und Co schupft seine Schwester.

Omas Star-Küche

Juliane ist elf Jahre jünger, 41, auch ihr Heranwachsen ist untrennbar mit den Festivals verwoben. Gern erinnert sie sich an die Großmutter. „Die Oma hat’s ohne Küche gar nicht gegeben; sie ist immer an den riesigen Töpfen gestanden“, erzählt sie. „Sie hat auch für die Musiker*innen gekocht: Manchmal sind 20 Menschen aus Afrika am Tisch gesessen, sie haben die Oma nicht verstanden, die Oma sie nicht, aber sie war ein aufgeschlossener, lieber Mensch, mehr hat’s nicht gebraucht – bis heute hängen Zeichnungen an den Wänden, die ihr die Musiker*innen geschenkt haben.“ Juliane haben die Künstler*innen schon früh mit dem Trommeln angesteckt, ihre ersten Versuche durfte sie mit vier, fünf Jahren mit der Percussioncombo Wountey aus Burkina Faso machen.

Porträt von Juliane Bogner auf einer Wiese im Burgenland – Wiesen als prägender Ort ihrer Kindheit und kreativen Entwicklung.
© Nicole Heiling

Viele Dinge dürfen sich ändern. Aber der Geist von Wiesen, das Multikulti bleibt. Juliane Bogner, Wiesen Festivals

Bis heute ist sie bei Workshops leidenschaftlich gerne dabei, „das ist etwas Verbindendes. Wenn 20 Leute gemeinsam trommeln, macht das was mit einem.“ Irgendwann kam die Pubertät – und die Backstreet Boys nach Österreich. „Das hat dem Papa nicht gefallen, trotzdem ist er mit mir zu den Konzerten gefahren“, sagt sie. Auf den „Wiesen-Weg“ brachte sie mit 17 Manu Chao: Mit gesellschaftskritischen Texten und herausragenden Musiker*innen vereinte der Künstler das, was Franz Bogner wichtig war – und riss die Tochter so intensiv mit, dass sie danach sogar Spanisch lernte. „Wir waren ausverkauft und die Stimmung war bombastisch. Von der ersten Reihe bis zum Wald gingen die Leute in einem Schwung mit.“

Dass die ganze Familie bei den Festivals mitarbeitete, stand quasi außer Frage; Strandurlaube gab es nicht, „dafür haben wir unglaublich viele Musiker*innen kennengelernt – und eben zu Ostern Städtetrips gemacht“. Vielfältiger konnten die Begegnungen nicht sein; es kamen Weltstars, die bodenständig waren, und welche, die mit einer Armada an eigenen Securityleuten anrückten und auf ein Sauerstoffzelt bestanden.

Und wenn Franz-Peter und Juliane auch immer am Gelände herumwuselten, ein Muss sollte das nie sein, „das war unseren Eltern auch wichtig“. Also studierte die wissbegierige Tochter Kultur- und Sozialanthropologie und erkundete mit dem Rucksack Teile Südamerikas, interessierte sich unter anderem für das Landrecht indigener Völker und Umweltschutz. Mit einem Baby am Arm – ihr Sohn ist heute 14 – schloss sie ihr Studium ab und beschloss danach, ins Familienbusiness einzusteigen. Als Mutter sei ihr noch mehr bewusst geworden, was ihre Eltern alles auf die Beine gestellt hatten.

Lichtinstallation am Festivalgelände Wiesen bei Nacht – Kunst, Musik und Kultur verschmelzen zu einem einzigartigen Erlebnis.
© Wiesn Festivals

Wiesen Rückblick

Franz Bogner war 17 Jahre jung, als er die HTL schmiss, um den Veranstaltungssaal des Großvaters in die Disco „Racing Disc“ zu verwandeln. „Es gab damals sonst nur Bälle, damit traf er komplett den Zeitgeist, hier ging die Post ab“, weiß Juliane. „Das machte er nicht aus Kalkül, sondern weil er die Musik hören wollte, die ihm gefiel.“ Schon bald wurden auch erste Live-Konzerte veranstaltet. Als das spätere Jazz Pub aus allen Nähten platzte, wich man auf Fußballplatz und Obstgärten aus – bis das heutige von Wald umgebene Festivalgelände Stück für Stück zu wachsen begann.
Franz Bogner und seine Mitstreiter*innen galten in vielen Belangen als Vorreiter in Österreich, „wenn du dich für Jazz und Festivals interessiert hast, bist du um Wiesen nicht herumgekommen“, sagt Juliane. Viele Veranstalterinnen haben ihre Wurzeln in Wiesen. Einer der prominentesten: Ewald Tatar, zu dessen Nova Rock erst im Juni mehr als 200.000 Menschen pilgerten.

Als Franz-Peter und Juliane in Wiesen übernahmen, war das nicht gerade ein Spaziergang. Der Papa musste sich ein bisschen an den Pensionsgedanken gewöhnen, die beiden daran, dass trotz umsichtiger Planung unvorhergesehene Dinge passieren. „Als ich das erste Mal zum Papa bin und gesagt hab’: ,Du hast keine Ahnung, was gerade passiert ist‘, hat er gelacht und gemeint: ,Das ist normal, daran müsst ihr euch gewöhnen‘“, erzählt sie mittlerweile selber lachend. „Was machst du, wenn Flüge ausfallen? Oder wenn eine Band nicht auftreten will, weil die Lieblingszigaretten fehlen? – Ich glaube, wir haben uns gut entwickelt. Aber auch, weil wir tolle Menschen um uns haben, auf die wir uns komplett verlassen können.“

Heute und morgen

Die Jubiläumssaison ist gut angelaufen, die Jungen setzen teilweise andere Schwerpunkte, als es Franz Bogner tat, wichtig sei aber der Geist von Wiesen, findet Juliane Bogner. „Aufgeschlossene, liebe Musiker*innen und das Multikulti bleiben auf jeden Fall.“ JOSH. und Rian kommen im Juli, Anfang August beehren Alpha Blondy und The Wailers das „One Love Festival“. Kabarettabende gibt es mit Omar Sarsam und Martina Schwarzmann.

Eine junge Crew veranstaltet das „Drum & Bass“-Festival „Outback“. Seit Kurzem können am legendären Gelände auch private Feiern zelebriert werden – und im Jazz Pub besondere Wünsche in Erfüllung gehen. Wie für Roland Düringer, der im Mai an den Ort seiner Jugend zurückkehrte, um dort aufzulegen. Dabei brachte er die generationenverbindende Location dermaßen zum Brodeln, dass die Tanzenden um Zugabe baten. Der Kabarettist kommt am 11. Juli wieder – diesmal zu „Jazz Pub in the Air“ am Festivalgelände. Und wenn die Festivalgöttinnen auch Juliane Bogners Vision erhören, wird man eines Tages vielleicht noch einmal Manu Chao dort erleben.

Sommerprogramm

Die Musiker Paul und Paul auf einem Pressefoto – Künstler im Programm der Festivalsaison in Wiesen.
© Mario Wallner

50 Jahre Wiesen – die Highlights

25. Juli: JOSH. Rian (Bild). Support: Caro Fux

1. August: Omar Sarsam

7. – 8. August: One Love Festival

14. August: Martina Schwarzmann

15. August: Legenden des Austropop

21. August: 50 Jahre Wiesen Festivals mit Nazareth live

27. – 30. August: Outback Festival

4. September: Nik P.

Jazz Pub in the Air 2026

3. Juli: Jazz Pub in the Air

11. Juli: Jazz Pub in the Air mit Düringer

18. Juli: Taktlos: Swound Sound Special

22. August: Back to the Roots

Infos und Tickets: www.wiesen.at

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