Kabarettistin Ina Jovanovic im großen Interview
Ein Interview mit Kabarettistin Ina Jovanovic
© Vanessa Hartmann
Kabarettistin Ina Jovanovic über ihren Umweg zum Erfolg, die Doppelmoral der Influencer-Bubble, Dating als öffentliche Person – und warum Frauen in der Comedy immer noch auffallen.
Die „Wirtschaft“ am Meidlinger Markt ist an diesem Nachmittag halb leer, draußen ist es bewölkt, Ina kommt ein paar Minuten zu spät, wofür sie sich bereits im Vorfeld entschuldigt, und wir steigen mit einem Spritzer ins Gespräch ein. Was folgt, ist eine Mischung aus Therapie-Talk, Freundinnen-Plausch und Gesellschaftskritik – mit einer Frau, die auf der Bühne über das Patriarchat witzelt, auf TikTok Dating-Dramen zelebriert und sich dabei insgeheim immer wieder eine Frage stellt: Warum werde ich eigentlich ständig auf mein Frausein reduziert?
Am 30. Juli wird die gebürtige Kärntnerin 33 Jahre alt. Auf Social Media folgen ihr mittlerweile rund 150.000 Menschen, ihr zweites Bühnenprogramm „Offline“ spielt sie seit September 2025. Dass sie heute davon leben kann, war lange nicht absehbar. Aber der Reihe nach.
Du hast 2018 mit Stand-up angefangen. Wie war das am Anfang?
Ina Jovanovic: Bei meinen ersten Auftritten war ich mir unsicher und stellte mir Fragen wie: Steht mir dieser Erfolg zu? Bin ich cool genug, um bekannt zu werden? Und es ging nix weiter. Also habe ich 2022 mit Social Media angefangen. Ab 5.000 Followern auf TikTok kam ich dann auf die Idee, dass ich auf diese Weise ja auch Geld verdienen könnte. Ich wollte einfach nur raus aus meinem Bürojob.
Was hast du am Anfang gepostet?
Sketches, Memes, aber meistens hab ich einfach random in die Kamera reingeredet. 2024 hatte ich dann 18.000 Follower auf TikTok. Dann hab ich angefangen, auch auf Insta zu posten. Innerhalb von wenigen Monaten ist es schnell gegangen, in 10.000er-Schritten. Jetzt kann ich gut davon leben – von Social Media und von der Bühne, denn das befeuert sich nun gegenseitig.
Du wirst oft darauf angesprochen, wie es ist, als Frau in der Comedy zu arbeiten. Nervt dich das?
Männer werden immer so coole Sachen gefragt: Wie ist dein kreativer Prozess, wie schreibst du? Und als Frau wirst du oft darauf reduziert, dass du eine Frau bist, die Comedy macht. Ja, was soll ich sagen, es ist scheiße. Die Leute sind sexistisch.
Du kriegst keine Show, weil es heißt: „Wir haben ja eh schon eine Frau im Programm.“ Bei einem langen Interview wie mit dir ist es okay, darüber zu reden. Aber wenn einem nur zwei, drei Fragen gestellt werden und die handeln dann davon, dass man eine rare Frau in der Comedy ist und noch dazu mit Balkan-Wurzeln – dann fühle ich mich wie ein Opfer. Ich hab so viele coole Sachen in meinem Leben gemacht. Warum bin ich jetzt das Opfer?! (lacht)
Wie gehst du mit Medienberichten um?
Vom Boulevard werden Sager oft komplett aus dem Zusammenhang gerissen. Oder sie stellen mich als die verzweifelte Frau hin, die unbedingt einen Mann sucht. Viele checken nicht, dass meine Videos nicht unbedingt meine Lebensrealität spiegeln. Ich kokettiere damit, als Jugo in Österreich zu leben, ich überspitze Dating-Erfahrungen.
Also bist du in Wahrheit glücklich vergeben?
Nein, das nicht (lacht).
Single sein ist also …?
Single sein ist geil, aber Dating ist beschissen. Das Problem mit Dating-Apps ist, dass die Männer mich mittlerweile vermehrt erkennen. Dann weiß ich nicht, ob sie sich wirklich für mich interessieren oder ob sie es einfach nur spannend finden, mich zu daten. Manche nehmen sich gleich so wichtig und denken, sie kommen dann in meinen Reels vor (verdreht die Augen).



Du sprichst auf der Bühne und online viel über Feminismus. War das immer so?
Ich war schon immer Feministin. Aber früher wollte ich meinen Content nicht zu gesellschaftspolitisch machen, weil ich ja vorrangig Entertainerin für alle sein möchte. Ich wollte, dass Leute Spaß haben und nicht an das Scheiß-Patriarchat erinnert werden. Aber durch den Erfolg traue ich mir mehr zu. Ich wollte nie mit dem Zeigefinger sprechen, sondern das mit Humor verpacken.
Wie gehst du mit Hate-Kommentaren um?
Natürlich überlege ich vorher, bevor ich was poste: Was könnten die Hate-Kommentare sein, kann ich damit umgehen? An Hate-Kommentare gewöhnst du dich nicht. Ich lese am Anfang ein paar Kommentare mit, aber dann les ich nicht mehr weiter. Also wenn Männer sich über ein feministisches Video aufregen, krieg ich das gar nicht mehr mit (lacht). Aber der große Teil der Rückmeldungen ist ja eh unterstützend und positiv!
Wie ist die Influencer-Bubble?
Es ist schon viel Scheinheiligkeit dabei. Die Leute stehen aber auch unter Druck, du bist abhängig vom Algorithmus, musst ständig neuen Content machen. Es sind schon ein bissl Ellbogen und Konkurrenzkampf spürbar. Viele sind nicht authentisch, deswegen ist der Begriff Influencer auch so in Verruf gekommen. Aber das ist in der Stand-up-Comedy genauso.
Und beim Fernsehen?
Ich bin, ehrlich gesagt, nicht so gerne im Fernsehen. Da hab ich keine Kontrolle, was ausgestrahlt wird, wie mein Set zusammengeschnitten wird. Und anfangs wollten sie mich nicht haben, dann hab ich Social Media gemacht und dadurch kamen viel mehr Leute in meine Shows. Und jetzt will plötzlich auch das Fernsehen die Ina Jovanovic mit ihren vielen Followern haben. Aber mein Publikum sitzt nicht vorm Fernseher. Und wegen des Geldes … da verdiene ich mit einem Reel für einen Kunden mehr als mit einem TV-Auftritt (lacht).
Früher dachte ich, meine Persönlichkeit ist zu viel – aber irgendwann hab ich gemerkt, ich kann reden und hab Mut. Und das wollte ich nutzen.
Wie wichtig ist dir dein Äußeres?
Bei den Videos, wo ich mich ungeschminkt zeige, ist auch ein Mini-Filter drauf. Komplett ungeschminkt hat mich im Internet noch keiner gesehen. Wenn du als Frau online was Wichtiges zu sagen hast, gibt es trotzdem Leute, die sagen: Boah, deine Haare sind fettig, du hast Augenringe. Deswegen schaue ich, dass ich solchen Leuten gar keine Angriffsfläche biete. Bei Frauen ist Aussehen leider immer Fokus. Wir würden viel Zeit und Geld sparen, wenn das Aussehen keine Rolle mehr spielen würde. Aber auch ich bin ein Opfer dieser Auswüchse des Patriarchats.
Welche Eigenschaften magst du an dir am meisten?
Das Lustige. Dass bei mir immer der Schmäh rennt. Und dass ich offen, extrovertiert und direkt bin. Empathisch bin ich auch, das glaubt man auf den ersten Blick vielleicht nicht. Und ich urteile nicht. Deswegen kommen viele Freunde zu mir, wenn es ihnen schlecht geht. Aber ich bin dann auch direkt. Tough Love kann ich gut geben. Ich lüge den Leuten nix vor, sondern sag schon klar meine Meinung – aber ohne zu verurteilen.
Wie haben deine Balkan-Wurzeln deine Kindheit geprägt?
Die Balkan-Kultur ist ja nicht so bekannt für glühenden Feminismus. Die Rollenverteilung war also klar. Dazu kam: In meiner Kindheit war es so, dass man nicht ernst genommen wurde, wenn man zu hübsch hergerichtet war. Ich hab mich als Jugendliche nie so richtig getraut zu zeigen, wollte mich immer lieber verstecken, unsichtbar sein.
Ich bin sehr früh sexualisiert worden, weil sich meine Brüste früh entwickelten. Und ich hab immer gedacht, meine Persönlichkeit ist zu viel. Aber irgendwann hab ich gemerkt, ich kann reden und hab Mut – und das wollte ich nutzen. Deshalb bin ich dann auf die Bühne. Und ich wollte eine Inspiration für andere sein.
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