Victoria West

Victoria West: “Anderssein ist meine Stärke”

Ihren Stil beschreibt Victoria als „frei, maximalistisch und bunt“.

7 Min.

© Francisca Friedrich

Mit ihren bunten Outfits, selbstbewussten Botschaften und ihrer Musik begeistert Victoria West Hunderttausende Menschen auf Social Media. Begonnen hat alles eher zufällig: Als Victoria Knogler aus Steinhaus bei Wels 2024 bei der TV-Show „The Voice Kids“ teilnahm, begann sie ihre Outfits und ihre Leidenschaft für Mode auf Social Media zu teilen. Ohne große Strategie, dafür mit viel Persönlichkeit – und genau das kam an.

Doch Victoria West ist weit mehr als Influencerin. Mit ihrer ersten Single „Flying“, die auf Spotify bereits knapp 200.000 Streams verzeichnet, verfolgt sie konsequent ihre Musikkarriere. Heute gilt die junge Oberösterreicherin für viele Jugendliche als Vorbild. Ihren Künstlernamen verdankt sie Modeikone Vivienne Westwood, die sie mit ihrer Kreativität und Haltung inspiriert. Ihren Stil beschreibt Victoria als „frei, maximalistisch und bunt“. Viele ihrer Lieblingsstücke kauft sie secondhand.

Victoria, warum glaubst du, folgen dir so viele junge Menschen?
Victoria West: Ich bekomme viele Rückmeldungen von Mädchen, aber auch von einigen Burschen, dass sie sich durch meine Postings trauen, das anzuziehen, worauf sie Lust haben.

Welche Botschaft möchtest du ihnen mitgeben?
Dass man zu sich selbst stehen und seinen Platz einnehmen darf. Vor allem als junge Frau. Auch heute gibt es noch Diskriminierung und viele Erwartungen, wie Frauen sein sollen. Ich möchte zeigen, dass man sich nicht verbiegen muss. Wir leben nur einmal – deshalb sollte man den Mut haben, so zu sein, wie man wirklich ist.

Wir leben nur einmal – deshalb sollte man den Mut haben, so zu sein, wie man ist!

Victoria West

Der Algorithmus verlangt ständig neuen Content. Wie gehst du damit um, du hast ja erst vor Kurzem maturiert?
Ehrlich gesagt, war die Schule zuletzt schon sehr fordernd. Und manchmal weiß ich auch nicht, was ich posten soll. Am Anfang habe ich jeden Tag mehrere Videos veröffentlicht. Mittlerweile denke ich mir: Wenn ich einmal einen Tag nichts poste, geht die Welt auch nicht unter.

Kannst du von Social Media leben?
Bisher habe ich kaum Geld damit verdient, weil viele Marken nicht mit Minderjährigen zusammenarbeiten. Außerdem möchte ich meinen Followerinnen und Followern nicht ständig Werbung vorsetzen und wenn, dann nur, wenn ich wirklich hinter einer Sache stehe. In erster Linie geht es mir auch darum, meine Songs zu promoten.

Wem folgst du selbst auf Social Media?
Ganz vielen Modeaccounts sowie Musikerinnen und Musikern. Ich hole mir dort viel Inspiration – sowohl für meinen Stil als auch für meine Musik.

Victoria West
© Francisca Friedrich

Zehntausende Jugendliche haben zuletzt beim Handyfrei-Experiment von „Dok 1“ mitgemacht – mit positiven Auswirkungen auf Schlaf und psychische Gesundheit. Wie oft legst du das Handy weg?
Am besten gelingt mir das, wenn ich Zeit mit meiner Familie oder meinen Freunden verbringe. Mir ist bewusst, wie ungesund zu viel Bildschirmzeit sein kann – sowohl psychisch als auch körperlich. Einfach mal abschalten und im echten Leben präsent sein – das ist mir wichtig.

Österreich diskutiert aktuell ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige. Wie siehst du diese Debatte?
Ich finde es gut, dass Österreich diese Debatte führt. Ich weiß, wovon ich rede, weil ich schon vor meinem 14. Geburtstag auf Social Media unterwegs war, noch bevor ich begonnen habe, Inhalte zu posten. Damals war aber vieles noch nicht so extrem wie heute. Mit den Jahren hat sich das deutlich verschärft.

Worin siehst du die größte Gefahr?
Kinder und Jugendliche sind online oft völlig ungefiltert mit unterschiedlichsten Inhalten konfrontiert und das kann gefährlich sein. Gerade Schönheitsideale oder unrealistische Frauenbilder machen etwas mit jungen Menschen. Dazu kommen Trends rund um Ernährung oder Selbstoptimierung, die problematisch sein können. Ganz verhindern wird man solche Inhalte wahrscheinlich nie können. Umso wichtiger ist es, Kinder früh für einen bewussten Umgang mit Social Media zu sensibilisieren. Deshalb braucht es nicht nur Regeln, sondern auch mehr Aufklärung, Medienkompetenz und Schutzmechanismen auf den Plattformen selbst.

Das Social Media-Verbot für unter 14-Jährige kann auch ein Denkanstoß für Eltern sein, die nicht wissen, wie problematisch Social Media für Kinder sein kann.

Victoria West

Lässt sich ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige überhaupt kontrollieren?
Ich glaube, dass so ein Gesetz eine wichtige Barriere bzw. ein Denkanstoß sein kann – auch für viele Eltern, die vielleicht gar nicht wissen, wie problematisch Social Media für Kinder sein kann. Dadurch wird das Thema sichtbarer. Aber es ist genauso wichtig, bei versteckter Werbung, problematischen Inhalten und Fake News strenger vorzugehen. Es braucht klare Regeln, mehr Aufklärung und mehr Verantwortung der Plattformen.

Wo siehst du den größten Nutzen von Social Media – und wo die größte Gefahr?
Der größte Nutzen ist für mich das Gefühl, nicht allein zu sein. Gerade wenn man am Land aufwächst oder in einem Umfeld lebt, das nicht besonders offen ist, kann Social Media helfen, Menschen zu finden, die ähnlich denken oder fühlen wie man selbst. Aber sobald man etwas postet, setzt man sich Meinungen, Vergleichen und auch Hass aus. Man bekommt negative Kommentare oder verletzende Nachrichten. Das kann psychisch sehr belastend sein.

Warst du selbst schon von Hass im Netz betroffen?
Ja, mit 15 habe ich teilweise wirklich schlimme Nachrichten und Kommentare bekommen. Anfangs trifft einen das natürlich sehr. Mit der Zeit lernt man, besser damit umzugehen, aber ganz spurlos geht so etwas nie an einem vorbei.

Victoria West
© Francisca Friedrich

Du kommst aus der 3.000 Seelen Gemeinde Steinhaus bei Wels. Wie hat dein Umfeld auf deinen Stil wreagiert?
Vor allem in der Unterstufe war es nicht immer einfach. Viele konnten mit meinem Stil wenig anfangen. Deshalb habe ich mich später bewusst für das Kunst BORG in Linz entschieden. Dort waren die Menschen sehr offen und kreativ, das hat mir gutgetan. Besonders dankbar bin ich meiner Mama, die mich von Anfang an immer unterstützt und ermutigt hat.

Wirst du auch heute noch angepöbelt?
Vereinzelt schon. Aber ich habe mittlerweile eine gewisse Bubble um mich herum aufgebaut und gelernt, besser damit umzugehen. Es wird immer Menschen geben, denen nicht gefällt, wie jemand aussieht oder sich präsentiert. Aber ich habe gelernt, dass es sich nicht lohnt, dafür Energie zu verschwenden.

Mit „Flying“ hast du kürzlich deine erste Single veröffentlicht, die auf Spotify bereits knapp 200.000 Streams erreicht hat. Worum geht es in dem Song?
„Flying“ beschreibt dieses Gefühl, wenn man in einem kleinen Ort aufwächst, aber eigentlich frei sein und sich selbst entfalten möchte. Es geht darum, sich nicht einengen zu lassen und den eigenen Weg zu gehen – dieses Gefühl von Freiheit, als würde man fliegen.

Schreibst du deine Songs selbst?
Ja, aber ich arbeite auch mit einem Team zusammen. Im Studio sind wir meistens zu dritt – mit dem Producer und einem Songwriter aus Zürich. Ich bringe aber immer meine eigenen Ideen, Gefühle und Erfahrungen ein.

Wie viele Songs hast du mittlerweile geschrieben?
Schon sehr viele, auch wenn nicht alle veröffentlicht werden. Aktuell haben wir etwa sechs Songs fix fertig geschrieben. Ein Teil davon wurde bereits aufgenommen, der Rest folgt noch. Bald geht es dafür wieder ins Studio nach Zürich.

Ich wünsche mir, dass ich das machen kann, was mir wirklich Freude macht und irgendwann auch davon leben kann.

Victoria West

Deine Zwillingsschwester ist ebenfalls auf Social Media (@katykayyy) aktiv. Tritt sie in deine Fußstapfen?
Ja, sie hat nach mir begonnen und kommt mittlerweile auf rund 50.000 Follower auf Instagram und TikTok. Ihr macht das genauso viel Spaß wie mir.

Du übersiedelst bald nach Wien. Wie emotional ist dieser Schritt?
Sehr emotional. Meine Mama, meine Schwester und ich haben ein unglaublich enges Verhältnis. Deshalb ist das natürlich ein großer Schritt.

Die Matura hast du in der Tasche. Gibt es schon konkrete Pläne, was nun folgt?
Ich würde im Herbst gerne auf Tour gehen. Außerdem möchte ich studieren, wahrscheinlich Theater-, Film- und Medienwissenschaft.

Was sind deine größten Träume – beruflich und persönlich?
Ich wünsche mir, dass ich das machen kann, was mir wirklich Freude macht und irgendwann auch davon leben kann. Ich plane mein Leben nicht bis ins Detail, aber ich weiß, dass ich mich kreativ und künstlerisch ausleben möchte.

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