Arbeitsmarkt im Wandel: Illustration einer Frau auf dem Weg in die Arbeitswelt mit dem Schriftzug „Open to Work“.

Der lange weg zur Trendwende am Arbeitsmarkt

Der burgenländische Arbeitsmarkt bleibt unter Druck. AMS-Vizechefin Karin Steiner im Interview.

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Ende Juli waren im Burgenland 8.029 Menschen arbeitslos gemeldet, weitere 1.676 nahmen an Schulungen teil. Der Arbeitsmarkt ist seit drei Jahren von einer schwachen Konjunktur geprägt und verändert sich tiefgreifend. Betriebe planen vorsichtiger, die Jobsuche dauert länger und gefragte Kompetenzen passen oft nur teilweise zu den Qualifikationen der Bewerber*innen.

Jedes Jahr unterstützt das AMS Burgenland zwischen 25.000 und 30.000 Menschen am Arbeitsmarkt. Im Gespräch ordnet Karin Steiner, stellvertretende Landesgeschäftsführerin des AMS Burgenland, die Lage ein und spricht über Chancen für Frauen, Lehrlinge und berufliche Neuorientierung.

Arbeitsmarkt: Expertin des AMS im Gespräch über Beschäftigung, Jobs und aktuelle Entwicklungen.
Karin Steiner, stv. GF AMS Burgenland © Andy Bruckner

BURGENLÄNDERIN: Frau Steiner, zu Jahresbeginn wurde für die zweite Jahreshälfte eine Entspannung erwartet. Ende Juli lag die Arbeitslosigkeit um 4,5 Prozent über dem Vorjahr. Wie weit ist die Trendwende entfernt?

Karin Steiner: Seit drei Jahren hören wir Prognosen, wonach es wirtschaftlich wieder bergauf gehen soll, bestätigt hat sich diese Entwicklung bisher leider nicht. Die Inflation geht langsamer zurück als erwartet, geopolitische Unsicherheiten und Firmenschließungen belasten die Wirtschaft. Wenn die Konjunktur schwächelt, halten sich Unternehmen bei Investitionen und Neueinstellungen zurück.

Zugleich verändern Onlinehandel oder E-Mobilität ganze Branchen und schaffen neue Anforderungen. Erste positive Signale sind erkennbar: Die Jugendarbeits­losig­keit ist zuletzt um 3,1 Prozent gesunken, und mit 1.496 gemeldeten offenen Stellen bleibt das Angebot auf einem beachtlichen Niveau. Wir wünschen uns eine rasche Trendwende, im Moment braucht es noch Geduld.

Mittlerweile gibt es weniger offene Jobs, die Such­zeiten sind länger und Kompetenzen passen nicht immer zu den ausgeschriebenen Stellen.
Karin Steiner, stv. GF AMS Burgenland

Mehr als 8.000 Arbeitsuchenden stehen 1.496 offene Stellen gegenüber. Warum finden Angebot und Nachfrage oft schwer zusammen?

Stichtagszahlen können den Eindruck erwecken, es wären immer dieselben Menschen arbeitslos. Der Arbeitsmarkt ist sehr dynamisch, wir bewegen jedes Jahr zwischen 25.000 und 30.000 Menschen am Arbeitsmarkt – etwa bei der Suche nach einer Beschäftigung, bei Aus- und Weiterbildungen oder einer beruflichen Neuorientierung. Mittlerweile gibt es weniger offene Jobs, die Suchzeiten sind länger und Kompetenzen passen nicht immer zu den ausgeschriebenen Stellen.

Manche Kund*innen tragen zudem einen schweren Rucksack mit sich: gesundheitliche Einschränkungen, Belastungen im sozialen Umfeld, fehlende Qualifikationen oder eine lange Zeit ohne Beschäftigung. Je länger jemand vom Arbeitsmarkt entfernt ist, desto schwieriger wird der Wiedereinstieg. Hier braucht es individuelle Beratung und die Ermutigung, bei Bewerbungen dranzubleiben und gefragte Qualifikationen zu erwerben.

Arbeitsmarkt: Person bei der digitalen Jobsuche mit Laptop und Smartphone am Schreibtisch.
ALLE JOBS. Auf der Plattform „alle jobs“ bündelt das AMS Stellen von sämtlichen Job-Plattformen und Firmenwebseiten. © 4Max/stock.adobe.com

Das Förderbudget des AMS Burgenland ist 2026 von 41,2 auf 37,1 Millionen Euro gesunken. Welche Schwerpunkte bleiben erhalten?

Jugendliche sind uns besonders wichtig, für sie wollen wir ein verlässliches Auffangnetz bieten. Ebenso zentral sind Qualifizierung und die Stärkung von langzeitarbeitslosen Menschen. Wir prüfen unsere Programme laufend: Wo ist der Bedarf am größten, welche Angebote wirken gut und wo sind Anpassungen nötig? Mit den vorhandenen Mitteln möchten wir möglichst viel für die Menschen am Arbeitsmarkt erreichen. Das verlangt klare Prioritäten und einen genauen Blick auf die Wirksamkeit jeder Maßnahme.

Die Frauenarbeitslosigkeit stieg im Juli um 5,6 Prozent, bei den Männern waren es 3,3 Prozent. Warum trifft die Entwicklung Frauen stärker?

In absoluten Zahlen war die Arbeitslosigkeit annähernd gleich verteilt: 4.033 Frauen und 3.996 Männer waren arbeitslos gemeldet. Die Erwerbsquote der Frauen ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen und durch die schrittweise Anhebung des Pensionsalters bleiben sie länger im Erwerbsleben.

Bei den 60- bis 65-jährigen Frauen ist die Arbeitslosen­quote mit 11,8 Prozent am höchsten. Die meisten arbeitslosen Frauen gibt es im Handel, wo besonders viele Frauen beschäftigt sind. Auch Tourismus sowie Gesundheits- und Sozialwesen spielen eine große Rolle. Beim Qualifikationsniveau zeigt sich klar: Je besser Frauen ausgebildet sind, desto geringer ist ihr Arbeitslosigkeitsrisiko.

Arbeitsmarkt: Bewerberinnen und Bewerber warten mit ihren Unterlagen auf ein Vorstellungsgespräch.
ZAHLEN. Im Juli 2026 waren im Burgenland 4.033 Frauen und 3.996 Männer arbeitslos gemeldet. © REDPIXEL/stock.adobe.com

Ende Juli standen 151 sofort verfügbare Lehrstellen 246 Suchenden gegenüber. Erleben wir hier einen Wandel und wo bestehen gute Chancen?

Die Zahlen verändern sich im Jahresverlauf. Im Jänner, März und Juli gab es mehr Lehrstellensuchende als offene Lehrstellen, in den übrigen Monaten war das Verhältnis umgekehrt. Viele Unternehmen besetzen angesichts der wirtschaftlichen Lage vorsichtiger. Gleichzeitig bleiben mehr Jugendliche in der Schule, Erwachsene holen Berufsabschlüsse nach und neue Lehrberufe entstehen.

Ein breiteres Angebot gibt es im Handel, im Tourismus, am Bau und im Metallbereich, punktuell auch im Chemielabor oder in der Konditorei. Der Fachkräftebedarf bleibt hoch und gewinnt durch den demografischen Wandel an Bedeutung. Daher motivieren wir Betriebe, Lehrlinge auszubilden. Bewährt haben sich unsere burgenlandweiten Lehrlings­castings, bei denen Jugendliche und Unternehmen direkt zusammenfinden.

Wie können Jugendliche herausfinden, welcher Beruf zu ihnen passt?

Wichtig ist, die eigenen Stärken und Interessen kennenzulernen und zu prüfen, welche Ausbildung realistisch erreichbar ist. Dabei helfen digitale Angebote wie der Berufsinfomat und der Berufskompass. Wer persönliche Orientierung sucht, kann sich in den Berufs­Info­Zentren des AMS kostenfrei beraten lassen. Weil Berufsbilder neu entstehen oder sich verändern, ist ein guter Überblick besonders wertvoll.

Arbeitsmarkt: Junge Frau arbeitet mit einer Bohrmaschine in einer Werkstatt und trägt eine Schutzbrille.
POSITIVES SIGNAL. Die Jugendarbeitslosigkeit ist um 3,1 Prozent gesunken. © Amixstudio/stock.adobe.com

Die Suchmaschine „alle jobs“ bündelt AMS-Stellen mit Inseraten anderer Plattformen und Unternehmenswebsites. Wie wird sie angenommen?

Im vergangenen Jahr verzeichnete „alle jobs“ mehr als 114 Millionen Seitenansichten und rund 9,9 Millionen Besuche. Mittlerweile sind dort etwa 140.000 Stellenangebote zu finden. Die Idee ist einfach: Wer Arbeit sucht, soll mit einem Klick einen möglichst vollständigen Überblick über die offenen Stellen in Österreich bekommen. Diese Bündelung spart Zeit, erweitert den Suchradius und macht Angebote sichtbar, auf die man sonst vielleicht nicht gestoßen wäre. Für mich ist „alle jobs“ die erste Adresse bei der Jobsuche, und das soll auch bei unseren Kund*innen so sein.

Die frühere Bildungskarenz wurde durch die Weiterbildungsbeihilfe ersetzt. Was hat sich verändert?

Im Burgenland wurden seit der Einführung der Weiterbildungs- und Weiterbildungsteilzeitbeihilfe 33 Anträge gestellt (Anm.: elf davon waren zum Zeitpunkt unseres Gesprächs genehmigt). Für den Herbst rechnen wir mit einer höheren Nachfrage. Viele Anfragen betreffen Studien, etwa die Hälfte davon berufsbegleitend, dazu kommen Meisterausbildungen und Höherqualifizierungen nach einem Lehrabschluss.

Die Voraussetzungen sind strenger: Eine Weiterbildung muss am Arbeitsmarkt verwertbar sein und kann nicht als Verlängerung der Baby­pause in Anspruch genommen werden. Österreichweit ist das Budget mit 150 Millionen Euro pro Jahr gedeckelt. Bei einem Einkommen über 3.465 Euro brutto muss sich der Arbeitgeber mit 15 Prozent an der Beihilfe beteiligen; unter dieser Grenze ist für die Weiterbildungsbeihilfe eine Bildungsberatung im BerufsInfoZentrum verpflichtend. Interessierte sollten frühzeitig prüfen, ob das gewünschte Angebot die Voraussetzungen erfüllt, und sich bei Fragen an die AMS-ServiceLine wenden.

Arbeitsmarkt: „alle jobs“-Jobsuche mit Lupensymbol für die Suche nach offenen Stellen.
© beigestellt

Hier geht’s zu rund 140.000 offenen Stellen: jobs.ams.at/public/emps/

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