Schulstart nach den Ferien: Kinder mit Rucksäcken verlassen morgens das Haus und verabschieden sich von ihrer Mutter

Schulstart für Kinder –Beziehungstest für Eltern?

Wenn Kinder in die Schule zurückkehren, beginnt für viele Familien wieder die Rushhour des Lebens.

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Schulstart: Stundenpläne, Elternabende, Hobbys, Hausübungen, Lernkontrollen und die tägliche Frage: „Wer holt heute ab? Wer lernt mit welchem Kind? Wer hat an die Sportsachen gedacht?“
Gespräche werden nicht mehr geführt, sondern nur mehr Briefings – willkommen in der Rushhour des Lebens.

Zwei Schulgeschichten, ein Konflikt

Letztes Jahr begleitete ich ein Paar, das sich immer wieder wegen der Hausübungen seines Kindes stritt. Die Mutter konnte nicht mitansehen, wie sehr sich ihr Sohn beim Lernen quälte, denn sie wusste genau, wie sich das anfühlt. Auch sie hatte als Kind gekämpft, an sich gezweifelt und immer das Gefühl gehabt, nicht gut genug zu sein.

Ihr Mann wiederum verstand ihre Reaktion überhaupt nicht, denn für ihn war Schule und Lernen absolut keine Herausforderung. Er fragte sich, warum aus jeder Hausübung ein großes Thema gemacht wurde.
Immer wieder gerieten sie in dieselben Diskussionen und beide hatten das Gefühl, mit ihrem Anliegen nicht wirklich gehört zu werden. Sie wollte Verständnis für die Schwierigkeiten ihres Kindes und er wünschte sich mehr Leichtigkeit im Umgang mit dem Lernen. Was sie nicht bemerkten: Sie sprachen längst nicht mehr nur über ihr Kind, sondern eben über ihre eigenen Erfahrungen und Prägungen aus ihrer eigenen Schulzeit.

Mit dem Schulstart unserer Kinder kehrt deshalb oft auch ein Stück unserer eigenen Bildungsreise zurück. Erinnerungen an Lehrerinnen und Lehrer, an gute oder schlechte Noten, an den Leistungsdruck. Und natürlich auch, wie unsere eigenen Eltern damit umgegangen sind. All das prägt, wie wir unser Kind heute begleiten, und manchmal auch, wie wir mit unserem Partner darüber sprechen.

Schulstart: Eltern verabschieden ihre Tochter mit Schulrucksack vor dem ersten Schultag.
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Verständnis statt recht haben

Schule begleitet Familien über viele Jahre und mit jedem neuen Schuljahr kehren oft dieselben Fragen zurück: Wie viel Unterstützung ist sinnvoll? Wann braucht ein Kind mehr Eigenverantwortung? Hinter diesen Diskussionen stecken jedoch häufig unsere ganz persönlichen Erfahrungen und genau diese laden dazu ein, miteinander ins Gespräch zu kommen: Wie hast du deine Schulzeit eigentlich erlebt? Welche Erinnerungen verbindest du mit dem Lernen? Wer hat dir damals Mut gemacht und was hat dich verunsichert?

Oft sind es genau diese Gespräche, die uns wieder näher zueinanderbringen. Denn dadurch schauen wir nicht mehr nur auf das Verhalten des anderen, sondern beginnen, seine Geschichte zu verstehen. Und das bringt mehr als jede Diskussion über Hausübungen. Mitunter stellt ihr dabei auch fest, dass nicht jeder alles gleich gut übernehmen muss. Vielleicht bringt der eine mehr Geduld in herausfordernden Lernsituationen mit, während der andere die Sorgen und Unsicherheiten des Kindes schneller wahrnimmt und begleiten kann.

Wenn wir die Unterschiede als Bereicherung sehen, kann sich dadurch vieles verändern. Und wir können genau diese unterschiedlichen Stärken auch in unserem Familien- und Schulalltag für uns nutzen. Unsere Kinder wachsen mit jedem Schuljahr ein Stück weiter und vielleicht dürfen wir als Paar das auch.
Vielleicht ist der Schulstart deshalb auch eine Gelegenheit, einmal nicht über das Lernen des Kindes zu sprechen, sondern über die Erfahrungen, die uns als Eltern geprägt haben.

Fünf Fragen für ein Gespräch als Paar

  1. Welche Erinnerungen verbindest du mit deiner eigenen Schulzeit – und welche begleiten dich bis heute?
  2. Wie wurde bei dir zu Hause mit Schule, Noten und Fehlern umgegangen? Was möchtest du davon weitergeben und was bewusst anders machen?
  3. Wann fällt es dir schwer, bei unserem Kind ruhig zu bleiben?
  4. Welche Stärken bringst du in den Schulalltag unserer Familie ein und wobei wünschst du dir mehr Unterstützung von mir?
  5. Was wünschen wir uns, dass unser Kind eines Tages über seine Schulzeit und über uns als Eltern erzählen wird?

Schreibt uns eure Fragen rund um das Thema Liebe und Beziehungen an redaktion@dieburgenlaenderin.at

Portrait von Claudia Toth, MSC – Ganzheitliche ­Familienbegleiterin, psycho­soziale Beraterin
Claudia Toth © M. Fellner

Claudia Toth, MSC

Ganzheitliche ­Familienbegleiterin, psycho­soziale Beraterin. Sie begleitet Paare und Eltern dabei, ein stabiles Fundament für sich selbst, ihre Partnerschaft und die Begleitung ihrer Kinder zu schaffen. Ihre Mission: gestärkte Familien der Zukunft.

www.dielebensgestalterei.com

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