Cari Cari: Stephanie Widmer und Alexander Köck gemeinsam vor einer begrünten Wand.

Cari Cari can! Die Band im Talk

"Für uns war aber klar: Vielleicht klingt’s für dich nicht richtig, für uns muss es aber so sein."

9 Min.

© Barbara Amon

Die September-Wochen waren für Cari Cari intensiv. Das aufwendig etwa in Alaska und Japan gedrehte Material kam später an, als geplant. Die Deadline für den Soundtrack war aber unaufschiebbar, die Premiere rückt unaufhaltsam näher. „Wir schaffen das Interview trotzdem“, sagt Alexander Köck am Telefon und wir freuen uns aufrichtig. Es gibt durchaus Bands, die sich anders verhalten, sobald der Erfolg auch „von außerhalb“ an die Tür klopft.

Die BURGENLÄNDERIN durfte Cari Cari vor exakt acht Jahren im Mörbischer Studio im elterlichen Keller besuchen; damals stand das Duo knapp vor der Veröffentlichung ihres ersten Albums „Anaana“. Das heuer erschienene Live-Album mitgerechnet, wird bereits an Nummer fünf gearbeitet. Diesmal empfangen uns die beiden bestens gelaunt im neuen Studio in der Nähe von Wien. „Wir sind schon ein bisschen entspannter“, erzählen sie später. Und dass das an einem Telefonat mit dem Regisseur liegt, dem sie kurz davor ihre neueste Arbeit übermittelt hatten.

Zwar gibt es mittlerweile eine Reihe internationale Filme und Serien, für die Cari-­Cari-Songs lizenziert wurden. Doch dass sie die komplette Filmmusik für einen rund einstündigen Film selbst komponieren, ist Neuland. Stephanie Marie Louise Widmer und Alexander Köck sind leidenschaftliche und erfolgreiche Berufsmusiker*innen, studiert haben sie das nicht. Sie hatten doch mit einiger Aufregung auf die erste Reaktion gewartet, verraten sie, „aber das Team ist begeistert“, triumphiert Alex. „We Can’t Not“, ein satirischer Streifen über das Ski-Doku-Drehen, wird Ende Oktober in Innsbruck präsentiert und wenig später in London.

Cari Cari: Blick in das Musikstudio des österreichischen Indie-Duos mit Gitarren und Musikequipment.
Neue Kreative Homebase. Das Studio in der Nähe von Wien © Barbara Amon

Dem war eine Kooperation vorangegangen: Für den rasanten Ski-Zehnminüter „The Ultimate Run“ mit Markus Eder wurde ihr Song „Mapache“ verwendet. Das Video ging viral, es wurde 21 Millionen Mal via YouTube geklickt und erhielt einen Sport-Emmy.

Beschlossen wurde die neuerliche Zusammenarbeit nach einem spektakulären Konzert bei einem Freestyle-­Event in Laax in der Schweiz. „Wir haben dort die kälteste Show unserer bisherigen Karriere gespielt; ich war komplett eingepackt, nur die Fingerkuppen waren frei“, lacht Steffi. „Es war eben ein Open Air bei 20 Grad Minus und Schneesturm“, ergänzt Alex. Als sie danach tapfer dem Lockruf der warmen Hotelbetten widerstanden, freundeten sie sich ebendort mit der Innsbrucker Produktionsfirma an.

Cari Cari im Interview

Die Eröffnung der Wiener Festwochen, mehrere Sommerfestivals in Nordeuropa – und jetzt Filmmusik. Ganz schön viel los bei euch!

Alex Köck: Eigentlich war es anders geplant. Letztes Jahr haben wir mehr als 100 Konzerte gespielt und es war auch eine sehr emotionale Zeit. Mein Opa ist überraschend gestorben, ich war sehr eng verbunden mit ihm. Wir wollten heuer ein Entspannungsjahr machen, aber es sind laufend Dinge gekommen, wo wir nicht Nein sagen konnten – wie zum Beispiel die Europa-­Tour mit Kings Of Leon.

Wie kam es dazu?

Alex: Das ist so passiert, wie man sich das als zehnjähriger Bursch vorstellt, aber es eigentlich nie wirklich so passiert. Kings Of Leon wollten Vorschläge, wer ihr Support in der Wiener Stadthalle sein soll. Wir waren dabei – und es hat ihnen dann so mit uns getaugt, dass wir eingeladen wurden, die Europa-Tour mit ihnen zu machen.

Wie war das?

Alex: Sie sind alle sehr nett, aber das ist schon eine andere Welt. Da wird das letzte Lied gespielt, die Musiker gehen von der Bühne und steigen in ihre Limousinen. – Wir haben ein Konzert vor den Ärzten am Tempelhofer Feld in Berlin gespielt, da waren auch 60.000 Leute. Aber das ist mehr Punk. Der Schlagzeuger Bela B war schon bei ein paar Konzerten von uns, einmal hat ihn die Managerin im Fiat 500 heimgefahren.

Steffi: Wir sind mit drinnen gesessen – inklusive seinem stattlichen Body­guard (lacht).

Alex: Wir haben auch erlebt, als Billie Eilish auf Europa-Tour war. Ab 17 Uhr durfte niemand in den Back­stage-­Bereich, es gab überall Sichtschutz. Manche Superstars werden so auf die Bühne gebracht, damit sie ja niemandem begegnen.

Was davon ist erstrebenswert?

Alex: Darüber habe ich viel nachgedacht: wenig. Es ist nicht unbedingt besser zum Beispiel in großen Sporthallen aufzutreten, außerhalb der Stadt, wo die Akustik nicht gut und das Publikum weit weg von dir ist. Ein Konzert mit 1.000 oder 2.000 Leuten kann viel schöner sein, wie im Paradiso in Amsterdam, das ist eine alte Kirche bei den Grachten.

Cari Cari: Porträt von Alexander Köck, Musiker des österreichischen Indie-Duos Cari Cari.
© Barbara Amon

Unsere Fans gehen auf neue Reisen mit.
Das ist als Musiker eine total schöne Position.
Alex Köck


Ich glaube, warum viele Stars Drogen nehmen, ist, weil sie zur Erkenntnis kommen: Es ändert sich nichts. Viele haben im Kopf: Wenn ich das und das erreicht habe, wird alles anders. Aber das hört nie auf. Ich hätte nie gedacht, dass es uns einmal gelingt, dass die Arena Wien ausverkauft ist. Mir hat es schon das Hirn frittiert, als wir in Berlin 500 Karten verkauft haben.

Du bleibst der gleiche Mensch, auch wenn es 30.000 Leute sind. Aber der Apparat wächst, du bist immer weiter weg von deiner Crew. Und während du am Anfang mit allen gemeinsam im Auto sitzt, wie wenn du auf Skikurs fahren würdest, weißt du irgendwann vielleicht nicht mehr, wer ein echter Freund ist und wer dich ausnutzen will.

Steffi: Bei den großen Sachen machen wir teilweise nicht mal mehr selber den Soundcheck.

Alex: Unsere Amerika-Tour war back to basics; wir (dazu gehört auch Schlagzeuger Ivo Thomann, Anm.) haben wieder selber unsere Sachen geschleppt. Daran oder ans Konzert in Stockholm, wo der Verstärker abgeraucht ist, erinnerst du dich viel mehr als an eine perfekte Show. Wenn du wieder vor 200 Leuten spielst …

Steffi: … in einem schwitzigen Club in Bologna, das hat was!

Was ist anders als vor acht Jahren?

Steffi: Ich würde sagen, dass wir mit der Art, wie wir arbeiten, heute wieder näher an dem dran sind, wie es vor acht Jahren war.

Alex: Ich hab’ das Gefühl, dass wir jetzt die richtigen Menschen um uns haben, sodass wir wieder mehr Künstler sein können. Musik machen wie Kinder Lego spielen – wenn das möglich ist, kommt das Beste raus.

Steffi: Die Filmmusik hat sehr dazu beigetragen, wir konnten freier sein.

Alex: Ohne den Druck: Wird das jetzt ein Hit? Es war total inspirierend.

Steffi: Oder ohne die Sorge: Könnte das unsere Fans verschrecken?

Ihr musstet immer wieder euren Weg verteidigen und managt euch auch heute weitgehend selbst. Warum?

Alex: Oft waren die Businessleute zuerst begeistert, dann wollten sie doch, dass wir alles ändern, wofür wir stehen.

Steffi: Für uns war aber klar: Vielleicht klingt’s für dich nicht richtig, für uns muss es aber so sein.

Cari Cari: Porträt von Stephanie Widmer, Musikerin und Sängerin des Duos Cari Cari.
© Barbara Amon

An der Filmmusik zu arbeiten, hat uns wieder freier gemacht.
Stephanie Marie Louise Widmer

Alex: Uns wurde immer wieder der Pakt mit dem Teufel angeboten: Ihr habt Publikum, schaut gut aus, wa­rum schreibt ihr keinen Hit? Ich glaube nicht, dass es so funktioniert. Selbst wenn, du musst diesen „Schlager“ nicht nur schreiben, sondern ihn auch jeden Abend mit einem Lächeln auf den Lippen spielen. Was ist aber, wenn sich das Gefühl von Erfolg nicht ändert oder du schnell abstumpfst? Dann hast du den Kern der Sache verraten – und wofür?

Wie soll es weitergehen?

Alex: Wenn wir so weitermachen können, ist das super. Wir arbeiten mit Leuten, die wir mögen, wir haben ein total liebes Publikum. Ein Freund hat mir erzählt, dass eine Frau beim Konzert in Bremen ihre Handtasche einfach stehen gelassen hat und aufs Klo gegangen ist. Es war selbstverständlich, dass niemand sie nimmt. Wir haben immer eine schöne Stimmung, die Leute sind zwischen 15 und 75, quer durch alle Schichten. Ich habe nicht das Gefühl, dass sie nur wegen einem Hit kommen. Auch wenn wir was anderes machen, gehen unsere Fans mit auf die Reise. Das ist als Musiker eine total schöne Position. Wir kommen mit vielen ins Gespräch, lernen sie kennen, bleiben in Kontakt: mit einer Illustra­torin in Kärnten, die Kalligrafie macht …

Steffi: … oder einer Keramikerin aus Barcelona, die uns Kaffeetassen schickt.

Alex: Sie hört unsere Musik, wenn sie mit Ton arbeitet. Jetzt haben wir Geschirr bei ihr bestellt. In Barcelona kennen wir auch einen Designer.

Steffi: Das ist echt cool: Wir sammeln überall wie kleine Familien.

Cari Cari: Stephanie Widmer und Alexander Köck beim entspannten Interview in ihrem Studio.
Offstage-Arbeitsteilung. Alex redet lieber als sie, gestand Steffi beim ersten Interview. Es war dann aber doch ein sehr gemütliches Plaudern. © Barbara Amon

caricariragazzi.com

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