Gedächtnis-Expertin Luise Maria Sommer im Porträt in einem grünen Garten.

Gedächtnistraining: So bleibt der Kopf fit

Merk dir das!

3 Min.

Luise Maria Sommer © beigestellt

Mit 38 bemerkte Luise Maria Sommer, dass ihr Gedächtnis sie öfter im Stich ließ. Alzheimer-Erkrankungen in ihrer Familie machten ihr Sorgen. Daraus wurde Neugier, aus antiken Merktechniken eine Leidenschaft – und 2016 der Titel als Senior ­World Memory Champion. Heute vermittelt sie ihre Methoden in Vorträgen, Kursen und Live-­Performances. Anlässlich des Welt-Alzheimertags am 21. September spricht sie über gesundes Altern, Bilder im Kopf und ihre fünf Lebens-L.

Sie waren selbst vergesslich und wurden Gedächtnisweltmeisterin. Wie gelingt so etwas?

Luise Maria Sommer: 1993 lernte ich in einem Vortrag über „Gedächtnis und Lernen“ eine antike Merkmethode kennen. Mir wurde klar: Vergessen hat viel damit zu tun, wie wir Informationen verarbeiten. Ich entwickelte die Techniken weiter, trainierte meine Schüler*innen und begann später selbst zu memorieren. 2016 trat ich nach zwölf Jahren Pause bei der Weltmeisterschaft in Singapur an und schnitt in vier von zehn Bewerben besser ab als 2004. Das hat mich selbst überrascht.

Was verändert sich mit dem Alter ganz natürlich?

Ein Name oder ein Wort darf länger brauchen, bis es auftaucht. Man weiß, dass die Information da ist, nur der Zugriff dauert. Ärztlich abklären sollte man Veränderungen im Alltag: wenn jemand dieselben Fragen wiederholt, vertraute Wege nicht mehr findet oder sich Persönlichkeit und Verhalten verändern. Angehörige bemerken solche Entwicklungen oft früh. Manchmal stecken Schlafmangel, Depressionen oder Stress dahinter.

Gedächtnis-Expertin Luise Maria Sommer lächelnd im Porträt vor grünem Hintergrund.
© beigestellt

Wie halten wir unser Gehirn möglichst lange fit?

Bewegung gehört unbedingt dazu – ich sage gerne: „Laufen ist Lernen.“ Ebenso wichtig sind Schlaf, ausgewogene Ernährung, soziale Kontakte und die Bereitschaft, geistig aktiv zu bleiben. Ein Gespräch, bei dem man wirklich zuhört, kann anregender sein als manche App. Und wer eine Sprache, ein Instrument oder ein Handwerk lernt, fordert sein Gehirn umfassend.

Kann Gedächtnistraining Alzheimer verhindern?

Kreatives Gedächtnistraining ist Denken in Bildern. Es hilft, Informationen besser zu verankern, macht Spaß und gibt vielen Menschen Vertrauen zurück. Es ergänzt einen aktiven Lebensstil, ist allerdings keine Versicherung gegen Alzheimer und ersetzt keine ärztliche Abklärung oder Behandlung.

Was bringt ein tägliches Zehn-Minuten-­Training?

Schon eine konzentrierte Aufgabe reicht: Nehmen Sie zehn Wörter und bauen Sie daraus eine absurde Geschichte. Oder legen Sie die Begriffe gedanklich an Orten Ihrer Lieblingsrunde ab. Danach rufen Sie die Wörter ohne Liste ab und versuchen es am nächsten Tag erneut. Zehn Minuten täglich sind sinnvoll.

Gedächtnis-Expertin Luise Maria Sommer bei einem Vortrag über Longevity, Lernen und geistige Fitness.
© Viktor Fertsak

Wie merkt man sich Namen oder eine Einkaufsliste?

Zuerst bewusst wahrnehmen. Einen Namen wiederhole ich und verbinde ihn mit einem ungewöhnlichen Bild: Sandra bekommt Sand ins Haar, Herr Winter steht im Schnee. Einkäufe lassen sich am Körper ablegen: Die Zehen baden in Milch, Äpfel stecken zwischen den Knien und auf den Oberschenkeln sitzt die Katze neben ihrem Futter. Je merkwürdiger das Bild, desto besser bleibt es hängen.

Welchen einen Rat sollen wir uns merken?

Bleiben Sie neugierig und bereit, Neues zu lernen. Das ist das erste meiner fünf Lebens-L: Lernen, Laufen, Lachen, Lieben, was ist, und Loslassen. So bleiben Körper und Geist in Bewegung und wir dürfen ein Leben lang weiterlernen.

www.luisemariasommer.at

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