Liebeskolumne: Liebe nach der Chemo
Eine Geschichte über Veränderung, Ehrlichkeit und den Mut, wieder Nähe zuzulassen.
© Pexels/Cottonbro
Diese Liebeskolumne beruht auf einer wahren Geschichte. Sie stammt von einer Freundin – und könnte doch von so vielen Frauen erzählt werden, die nicht nur gegen den Krebs kämpfen, sondern auch darum ringen, sich selbst und ihre Beziehung nicht zu verlieren.
Denn eine schwere Krankheit betrifft nie nur den Körper. Sie betrifft auch das Wir. Sie verändert alles – langsam, still und oft unbemerkt. Am Anfang war da eine starke Partnerschaft – voller Alltag, Familie, Liebe. Und dann kam diese eine Diagnose, die alles veränderte: Ihr Partner hat sich sofort zurückgenommen. Er wurde zur Schulter, an die sie sich lehnen konnte. Auch wenn sie heute sagt: „Ich habe oft gespürt, dass er selbst jemanden gebraucht hätte.“
Wenn Nähe zur Pflege wird
Mit der Krankheit veränderte sich auch die Beziehung. Körperlichkeit war kaum noch möglich. Zu groß war die Entfremdung vom eigenen Körper und die Wut auf diesen. „Ich konnte mich selbst nicht mehr spüren – wie hätte ich Nähe zulassen sollen?“, erzählt sie.
Ihr Mann wurde immer mehr zum Pfleger. Kuscheleinheiten statt Intimität. Und doch: Die Liebe blieb. Nur war sie in dieser Zeit leise, zurückgezogen, funktional. Trotzdem gab es kostbare Momente – oft dort, wo man sie nicht vermutet hätte. „Es war absurd – aber diese Tage der Chemo haben uns manchmal fast gutgetan. Da hatten wir Zeit. Für Gespräche, für Nähe, für gemeinsame Tränen, für gemeinsame Ziele. Da waren wir nur wir zwei – ohne Kinder, ohne Verpflichtungen.“
Zurück ins Leben – aber nicht zurück in die alte Rolle
Nach dem Ende der Therapie kehrt der Alltag zurück. Aber nicht die Normalität. Der Körper ist fremd, die Lust wie weggeblasen, die Hormone im Ausnahmezustand. „Ich war plötzlich eine andere – und wusste nicht, wie ich meinem Mann erklären sollte, dass Sex gerade nicht geht.“ Und doch hat sie gelernt, sich mitzuteilen, zu sagen, was sie braucht. Und er hat zugehört, sich in Akzeptanz geübt und alles geduldig mitgetragen.
Aber dann kam eine weitere Phase – die, in der sie das Leben nachholen wollte: Party, Freiheit, Energie. Sie wollte alles spüren, was ihr so lange gefehlt hatte. Er, gefangen im Arbeitsalltag, konnte mit diesem Tempo nicht mithalten. „Plötzlich habe ich gemerkt: Ich verändere mich – und er bleibt, wo er war.“ Und genau dort wurde es brenzlig. Denn beide lebten irgendwie nebeneinander her.
Was hilft, wenn sich alles verändert?
Heute sind die beiden sich wieder näher, haben ein neues Miteinander gefunden. Sie reden viel – auch über das Schwierige. Sie geben sich gegenseitig Raum – und schaffen trotzdem Zeit füreinander. Sie planen gemeinsame Projekte und gestalten das Leben aktiv. Sie hat gelernt, sich selbst an erste Stelle zu setzen. „Früher wollte ich es allen recht machen. Heute weiß ich: Es zählt, was mir guttut.“ Und genau das hat auch ihre Partnerschaft verändert.
5 Impulse, die in schweren Zeiten verbinden – statt trennen



- Sprich aus, was in dir los ist. Auch wenn es schwerfällt. Ehrlichkeit schafft Nähe – auch über Schmerzgrenzen hinweg.
- Setze klare Grenzen. Du musst nicht alles mitmachen. Sag offen, was geht – und was gerade nicht möglich ist.
- Plant Zukunft – auch wenn sie noch ungewiss scheint. Ein Projekt, ein Urlaub, eine Idee. Etwas, das euch verbindet und nach vorn schauen lässt.
- Redet auch über die Veränderung. Was hat sich verschoben? Wer bist du heute – und was brauchst du jetzt?
- Richtet den Blick bewusst auf euch. Nicht auf die Erwartungen von außen. Sondern auf das, was euch als Familie und Paar stärkt.

Claudia Toth, MSC
Ganzheitliche Familienbegleiterin, psychosoziale Beraterin. Sie begleitet Paare und Eltern dabei, ein stabiles Fundament für sich selbst, ihre Partnerschaft und die Begleitung ihrer Kinder zu schaffen. Ihre Mission: gestärkte Familien der Zukunft.
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