Online-Dating in Österreich
Welche Trends beim Daten online und offline auf uns zukommen – wir haben den Überblick.
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Vor mittlerweile mehr als 25 Jahren erschienen die ersten virtuellen Dating-Plattformen auf dem Markt. 2012 kam dann der große Umbruch mit Tinder. Dating wurde visuell, mobil und spielerisch. Das Swipe-Prinzip reduzierte Entscheidungen auf Sekundenbruchteile. Matches waren schnell, Kommunikation niedrigschwellig, die Einstiegshürde minimal. Online-Dating wurde Mainstream – vor allem bei jüngeren Zielgruppen.
In den folgenden Jahren diversifizierte sich der Markt stark: Apps wie Bumble veränderten Machtverhältnisse, Hinge positionierte sich bewusst gegen endloses Swipen („designed to be deleted“), andere Plattformen spezialisierten sich auf Communitys, Lebensstile oder Beziehungsmodelle.
Ab 2020 begann eine neue Phase: Dating-Fatigue, Sicherheitsfragen, Fake-Profile und Scams rückten stärker ins Bewusstsein. Es kamen Verifikationssysteme, Video-Dates, KI-gestützte Profilhilfen und eine Rückbesinnung auf Qualität statt Masse.

2026 ist das Spiel komplexer und überraschend menschlicher. Der Markt reagiert auf ein Gefühl, das viele kennen: Swipe-Fatigue, also die emotionale Erschöpfung, die durch das übermäßige und oft erfolglose Nutzen von Dating-Apps entsteht, bei der das Swipen zur anstrengenden Pflicht wird und das Gefühl von Zynismus, Burn-out und geringem Selbstwertgefühl hervorruft, weil der Fokus mehr auf Quantität statt Qualität liegt.
Dating als „Teamsport“.
In Zeiten von boysober (Social-Media-Trend, bei dem Frauen bewusst eine Pause vom Dating mit Männern einlegen), Heteropessimismus (Rückzug aus der Partnersuche, weil die Erwartungen an Gleichberechtigung und emotionale Tiefe nicht erfüllt werden) und Clear-Coding (Absichten, Wünsche und Erwartungen von Beginn an klar und ehrlich äußern) steht für 2026 fest: Bewusstes Dating wird wichtiger denn je. Und es wird direkt gesagt, was Mann/Frau will und nicht will. Ebenso: Small Talk war gestern. Klare Meinung und Haltung zu bestimmten Themen wird attraktiver.
Ein weiterer Trend: Duo-Dating
Das beschreibt die Praxis, bei der zwei Freund*innen gemeinsam als Duo auf Partnersuche gehen, anstatt alleine zu daten. Dieses Konzept, das besonders bei der Generation Z beliebt ist, zielt darauf ab, den Druck traditioneller Einzel-Dates zu reduzieren und das Kennenlernen in einer lockeren, sozialen Atmosphäre zu ermöglichen. Friendfluence. Wer bereits swipe-faul geworden ist, kann andere für sich wischen lassen:
Die App Blindmate zielt auf einen der stärksten Dating-Trends im neuen Jahr ab – nämlich, dass Freund*innen einen Teil des Matchings übernehmen. Dating wird damit ein sozialer Prozess – gerade für Menschen, die sagen: „Meine Freund*innen kennen mein perfektes Match besser als jeder Algorithmus“ oder „Meine Freund*innen achten auf Red Flags, die ich vielleicht übersehe“ (Red Flags = Verhaltensweisen oder Eigenschaften, die ein mögliches Risiko für die Beziehung darstellen).
Besonders junge, urbane Nutzer*innen zwischen 20 und 35, die Dating zwar digital, aber sozial eingebettet erleben möchten, finden diese Art des Match-Findens besonders attraktiv, auch wenn die Nutzer*innen-Basis auf diesen Apps kleiner ist. Denn der Markt wird immer noch von den klassischen Dating-Apps beherrscht. Im Anschluss ein kleiner Überblick inkl. Erklärungen.
Am Ende gilt jedoch: Ob Swipe-Gigant, Beziehungsplattform, Community-Raum oder Freund*innen-vermitteltes Matching – Dating kennt heute viele Formen. Entscheidend ist nicht, welche Plattform gerade angesagt ist, sondern welche Art von Begegnung man wirklich sucht.
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