Portrait einer Frau mit braunem langem Haar auf rosa Hintergrund

Wem gehört der weibliche Körper?

Das Editorial unserer Chefredakteurin Nicole Schlaffer

2 Min.

© Birgit Ehrenreich

Haben Sie schon einmal Ihre Schlüssel fester umklammert, weil Ihnen auf dem Heimweg ein Mann entgegenkam? Schon mal überlegt, ob ein Outfit „zu viel“ zeigt, oder einen anzüglichen Kommentar weggelächelt, damit die Situation nicht unangenehm wird? Viele Frauen kennen solche Momente. Viele Männer mussten sich diese Fragen noch nie stellen.

Über Sex wird viel gesprochen – aber erstaunlich wenig ehrlich. Weibliche Körper werden angeschaut, bewertet, begehrt und verkauft; Frauen, die selbst über ihren Körper und ihre Sexualität bestimmen, werden dafür oft verurteilt. Besonders deutlich zeigt sich das beim bezahlten Sex. Die einen wollen Sexarbeit am liebsten aus dem öffentlichen Blick verbannen, die anderen sprechen darüber, als sei sie für jede Frau automatisch Selbstermächtigung. Beides wird den Menschen dahinter nicht gerecht.

„Hinschauen heißt, Frauen nicht auf ihre Körper zu reduzieren.“

Mit „Orange the World“ rückt jedes Jahr die Gewalt gegen Frauen ins Licht. In Österreich hat laut Statistik Austria etwa jede dritte Frau zwischen 18 und 74 Jahren im Erwachsenenleben körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt. Unter den Frauen, die sexuelle Gewalt außerhalb einer Partnerschaft erfahren haben, nannten 96,96 Prozent männliche Täter. Ja, auch Männer werden misshandelt und sexuell missbraucht. Jedes Opfer muss gesehen und ernst genommen werden. Und zugleich dürfen wir aus Angst vor diesem Einwand nicht verschweigen, wen Gewalt besonders oft trifft und von wem sie ausgeht.

Ursula Strauss spricht in dieser Ausgabe im Interview mit Viktória Kery-Erdélyi über ein neues Männerbild. Männer, die sexistische Witze nicht stehen lassen, Grenzen respektieren, Verantwortung übernehmen und Burschen zeigen, dass Stärke nichts mit Kontrolle zu tun hat.

Hinschauen heißt, Frauen nicht auf ihre Körper zu reduzieren. Es heißt, Tabus zu hinterfragen, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen und über Sex so zu sprechen, dass alle Menschen darin vorkommen. Das sollte uns nicht unangenehm sein. Unangenehm ist, wie lange wir schon wegsehen.

Wünsche? Ideen? Anregungen?

nicole.schlaffer@dieburgenlaenderin.at

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