Obfrau des Monats: Julia Mainx
Sie ist Obfrau des Bienenzuchtvereins St. Margarethen, im Vorstand des Landesverbandes – und bald unterrichtet Julia Mainx Kids in Bienenwirtschaft.
© Viktória Kery-Erdélyi
Ihre Eltern tauschten das Stadtleben gegen eine Landwirtschaft im Waldviertel, da war sie noch in der Volksschule. „Ich bin ein Aussteigerkind“, schmunzelt Julia Mainx. Mit zwölf konnte sie Traktor fahren, sie wuchs mit viel Liebe für die Tier- und Pflanzenwelt auf, „wir haben jeden Käfer angeschaut“. Das prägte sie ohne Zweifel, doch dass sie Imkerin wurde, gleicht nahezu einer Mutprobe. Doch dazu später.
Schon als Kind entschied sie, dass sie in die Fußstapfen ihrer Eltern treten will. Also besuchte sie zielstrebig die landwirtschaftliche Schule in Wieselburg – als eines von 19 Mädchen, neben mehr als 700 Burschen. „Seitdem lebe ich in einer Männerwelt“, sagt Julia Mainx. Es kam etwas anders als geplant, heute lebt sie mit ihrer Familie in St. Margarethen.
Nach der Hochschule für Agrarbildung folgte ein spannendes Intermezzo an der Uni für Bodenkultur. „Das war ein interessanter Job, aber meine ersten beiden Kinder waren noch klein, 70 Stunden die Woche von ihnen fern zu sein, war zu viel.“ Sie kündigte und entschied mit ihrem Mann, ihren lang gehegten Wunsch zu verwirklichen und ein Pflegekind aufzunehmen; das vierte Kind im Bunde wurde schließlich eine leibliche Tochter.
Wenig später fand sie den Job, den sie bis heute mit großer Leidenschaft ausübt: Sie unterrichtet seit 2010 an der Landwirtschaftlichen Fachschule in Eisenstadt. Dass sie etwa zur gleichen Zeit als Imkerin durchstartete, geschah über Umwege. „Ich hatte eine schwere Phase, hatte mit Ängsten zu kämpfen“, erinnert sich Julia Mainx. „Bienen merken sofort, wenn du Angst hast; du solltest dich ihnen nur nähern, wenn du dich unter Kontrolle bringen kannst. Also lernte ich, mich darauf bzw. auf die Bienen zu fokussieren – und es hat funktioniert.“

Keine Bienen ohne Bildung
Die vierfache Mutter macht sogleich die Ausbildung zur Bienenfacharbeiterin, gleich im Anschluss kauft sie sich ihre ersten Bienenvölker. Dass es neben Wissen auch Erfahrung und den individuellen Zugang zu jedem Volk braucht, musste sie durch schmerzliche Verluste erfahren. Umso eindringlicher mahnt sie davor, ohne Ausbildung dem aktuellen Bienen-Hype zu frönen. „Viele vergessen, dass es sich um Lebewesen handelt.“
Zwischen 20.000 und 60.000 Bienen zählt ein Volk; Julia Mainx’ Völker arbeiten zu Hause auf ihrem Hof – und im Garten der Landwirtschaftlichen Fachschule. Die Faszination der Schüler*innen brachte sie auf die Idee, die kleinen Nutztiere in die Ausbildung zu integrieren; der Plan, ab kommendem Schuljahr Bienenwirtschaft als Unterrichtsfach zu lehren, scheine auf Schiene. Dabei sollen die Schüler*innen die Möglichkeit haben, einen ganzen Zyklus von der Winterfütterung über die Schwarm- und Sammelzeit bis hin zu Ernte und Schleudern zu erleben.
Auch möchte sie mit ihnen einige der wertvollen Produkte herstellen: neben Honig etwa Kerzen aus Bienenwachs oder das Wundermittel Propolistropfen.
Mit der Liebe für die Imkerei wuchs auch ihr Wunsch, sich intensiver mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Als sie vor wenigen Jahren beim Bienenzuchtverein St. Margarethen andockte, war dessen Zukunft gerade ungewiss. Mittlerweile vollzog sich ein Generationen- und Geschlechterwechsel; „wir haben an die 40 Mitglieder – und einen rein weiblichen Vorstand“, sagt Obfrau Julia Mainx.

Sie ist auch Schriftführerin beim Burgenländischen Imkereiverband sowie Bezirksobfrau in Mattersburg und Eisenstadt. Außerdem ist sie Bienenseuchensachverständige – und weiß Rat und hilft beim Befall mit der gefürchteten Varroamilbe oder der amerikanischen Faulbrut. Aktuell zittern Imker*innen vor der asiatischen Hornisse, die noch nicht in Österreich, aber in einigen Nachbarländern gesichtet wurde.
Übrigens: Wer ein ausgeschwärmtes Bienenvolk sichtet, kann sich an den nächstgelegenen Imkereiverein wenden; die Fachleute holen die Ausreißerinnen meist gerne ab, immerhin ist ein Schwarm mindestens 100 Euro wert. Der/die Imkerin darf das eigene Volk laut Gesetz sogar auf fremdem Grund einfangen; wird der Schwarm nicht verfolgt, darf ihn der/die Retter*in – das sollten aber nur Profis wagen – behalten.
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