Schriftsteller und Drehbuchautor Uli Brée

Uli Brée im Interview über seine erfolgreichen Drehbücher

"Vorstadtweiber", "Die Liesl von der Post" & Co

6 Min.

© Oskar Schmidt

Was haben Kirchberg am Wagram, der Martinsfriedhof in Klosterneuburg und das Strombad Kritzendorf gemeinsam? Hier, im fiktiven Örtchen „Öd“, wurden die liebenswerten „Liesl von der Post“-Krimis aus der Feder des vielfach ausgezeichneten Drehbuchautors Uli Brée verfilmt. Und eines sei verraten: „öd“ ist hier gar nichts …

Uli Brée über “Die Liesl von der Post”, “Vorstadtweiber” & Co

Aus der deutschsprachigen Filmszene ist Uli Brée nicht wegzudenken. Gehörten wir doch zu den 1,3 Millionen Zusehern, die sich pro Folge den neun Staffeln von „Vier Frauen und ein Todesfall“ mit Vergnügen hingegeben haben. Dann waren da noch die „Vorstadtweiber“ und die „Biester“ – um nur einige der weit über 200 Drehbücher, die der Wahl-Tiroler verfasst hat, zu nennen. Nicht zu vergessen auch die uns so sehr ans Herz gewachsene Figur der „Bibi Fellner“, in der die wunderbare Adele Neuhauser im Austro-Tatort an der Seite von Harald Krassnitzer 15 Jahre lang Mörder jagte. Im Gegensatz zur Liesl, der Postlerin von Öd, die Morde sieht, wo keine sind …

“Die Liesl von der Post”

Miss Liesl-Marple? „Öd ist wie das Internet – es vergisst nichts“, heißt es in „Ödipus“, dem dritten Teil der „Liesl von der Post“-Serie, nach „Jugendsünden“ und „Klapperstorch“. Und eine, die alles über die Bewohner des Dorfes weiß, ist eben die Liesl – chaotisch, umtriebig, neugierig. Eine scharfe Beobachterin, für die Zivilcourage kein leeres Wort ist; eine, die auf die Menschen in ihrem Dorf schaut. Die Liesl geht einem unter die Haut – wie die Ödipus-Geschichte von Toni, dem Sohn einer unerfüllten Liebe zwischen der Dorflehrerin Vroni Pircher und dem Wandergesellen Anton Egon Braun. Die Walz, drei Jahre und ein Tag – und dahinter ein Geheimnis, dem die Liesl auf der Spur ist…

Gab es denn eine Inspiration zu dieser Figur? Wir fragen Uli Brée, der in Affenhausen, einem Ortsteil von Wildermieming, im ehemaligen Bergdoktorhaus, das ihm einst Harald Krassnitzer verkauft hat, wohnt…

Uli, in Ihrem 999-Seelen-Dorf gibt es eine echte Briefträgerin…

Ja, die Michi. Wir ratschen immer bei uns am Gartentor, wenn sie Leckerlis für meine zwei Labradore und die Post bringt. Sie hat mir erzählt, dass sie unseren kleinen Ort noch nie verlassen hat. Gleichzeitig ist ihr Mann Fernfahrer. Diese eigenwillige Mischung hat mich dazu inspiriert, diesen Krimi zu entwickeln. In so einem kleinen Ort wie diesem weiß eine Briefträgerin sehr viel über seine Bewohner. Eigentlich komisch, dass noch keiner vor mir auf die Idee gekommen ist, aus einer Briefträgerin eine Ermittlerin zu machen. 

Während in Dänemark die letzten Postkästen abmontiert werden und Briefe durch digitale Dienste ersetzt werden – wird die Liesl zu einer Bewahrerin der „guten, alten Zeit“? 

Ja, sicher! Bei uns am Land ist das noch so, dass jeder jeden kennt und genau das macht doch den Charme, das Persönliche aus. Durch die Digitalisierung wird das Leben immer anonymer, immer abgeschotteter. Irgendwann gehen wir gar nicht mehr vors Haus. 

Katharina Strasser in Uli Brées "Liesl von der Post"
© Servus TV / Fabio Eppensteiner

Was hat denn die Michi zu den Verfilmungen der Krimis gesagt?

Ich hab sie gefragt, ob sie mit zur Präsentation nach Wien kommt. Aber da die Michi spätestens am Deutschen Eck schon das Heimweh packt, hat sie mich allein fahren lassen. Aber ich denke, sie ist recht stolz drauf (lacht).

Die Bandbreite Ihrer Charaktere – von den Vorstadtweibern über die Bibi Fellner bis zur Liesl – ist außergewöhnlich groß. Sind Sie vielleicht  ein Frauenversteher?

Die Frage wird mir öfter mal gestellt und ich habe bis heute keine wirkliche Antwort darauf. Ich weiß nur, dass ich gern für Frauen schreibe und ganz besonders für großartige Schauspielerinnen wie die Adele. Ich weiß, es heißt immer, die Rollen für Frauen über 50 sind rar gesät. Vielleicht kann ich ja so diesem Umstand entgegenwirken.  

Mit siebzehn haben Sie Ihr Elternhaus verlassen, sind nach Amsterdam getrampt, um dort die Clownschule „School of Fools“ zu besuchen. Ist dieses Gespür für Situationskomik ein Teil Ihrer Persönlichkeit?

Es ist wohl eine Mischung aus vielem. Ich habe selber lange gespielt, Regie geführt, Kabarettprogramme geschrieben und ich bin ein aufmerksamer Beobachter. 

In „Ödipus“ verquicken Sie das tragische Busunglück in München Trudering vom September 1994 mit der Geschichte um die Liesl. Dieser dritte Teil liest sich irgendwie anders…

Stimmt. Er geht ein wenig mehr in die Tiefe der Figuren. Ich habe aus den ersten beiden Drehbüchern Romane gemacht. Beim dritten Teil bin ich den entgegengesetzten Weg gegangen. 

Wie fühlt sich Ihre persönliche Entwicklung vom ersten Kabarettstück „Männerschmerzen“ bis zum  überaus erfolggekrönten Autor an?

Als ein ständig Lernender. Jetzt, mit 62 Jahren, habe ich tatsächlich ein paar Vorsätze. Ich möchte gelassener werden und mich verstärkt Themen widmen, die mich persönlich beschäftigen, ein bisschen weg vom Unterhaltungsfernsehen und ein bisschen mehr zu „Weisheiten eines Ratlosen“. Ich möchte meinen Anfang 2025 eröffneten BLOG regelmäßig mit Geschichten befüllen. Und wer weiß, vielleicht wird daraus ja mal ein Buch…

In diesem sehr hörenswerten BLOG behandeln Sie im Dezember 2025 die Frage „Wie gelingt Frieden“. Ja, wie kommen wir durch diese bedrohliche Zeit?

Oh, herzlichen Dank! Sie haben schon reingehört. Dieser Text ist entstanden, nachdem mich Gregor Bloéb, der Intendant der Tiroler Volksschauspiele, gebeten hat, die Eröffnungsrede 2025 zu diesem Thema zu halten. Genau so ein Text hilft durch Zeiten wie diese.

Welchen Brief würden Sie gerne erhalten?

Das soll jetzt bitte nicht hochgestochen klingen: Vom Papst, in dem er mir Fragen stellt, die ich auch nicht beantworten kann. Dann hätte ich vielleicht das beruhigende Gefühl nicht ganz allein dazustehen mit meiner Ratlosigkeit und meinen Fragen, auf die ich immer wieder Antworten suche. 

Weitere Infos und den BLOG „Weisheiten eines Ratlosen“ gibt es auf www.uli-bree.at

Uli Brée liest am 29. Mai um 19 Uhr in der Stadtbibliothek St. Pölten.

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