Rund um die Uhr – im Tierheim Parndorf
Im Vorjahr versorgte Claudia Herka mehr als 2.600 Tiere – auch in der Nacht, wenn es sich um Wildtiere handelte.
© Viktòria Kery-Erdélyi
Die Tierwelt in Afrika, vor allem die Elefanten haben es ihr schon in jungen Jahren angetan. Wenn sie es sich erlauben konnte, war sie dort. Seit 20 Jahren hat sie keine Zeit zu reisen. „Fernweh?“, frage ich sie. Claudia Herka zuckt mit den Achseln und lächelt. „Hier geht es mir gut“, sagt sie und deutet auf ihr Reich, das Tierheim in Parndorf.
Wir stehen im gepflegten Innenhof, beobachtet von Katzen aus den Fenstern, später spazieren wir zu Eseln, Ziegen und Geflügel; wären da nicht die Schwäne, könnte man glauben, man sei auf einem Bauernhof. Vorbei an einer Gruppe von Störchen gelangen wir danach zu den Hunden.
Einige haben zu viel erlebt, um Besuch zu empfangen, zu den Jüngsten können wir rein: Sie waren zu viert und wurden an einer Raststation ausgesetzt. Für zwei hat die Tierärztin bereits ein Zuhause gefunden, für zwei süße quirlige Welpen sucht sie noch eines.

Aktuell versorgt Claudia Herka mit zwei Helfern rund 500 Tiere. Die Veterinärmedizinerin ist Obfrau des Burgenländischen Tierschutzvereins, der das Tierheim betreibt. Der Verein wurde in den 1970ern gegründet, federführend von Elfriede Kernstock. „Sie war eine Vorreiterin, nahm schon Wildtiere auf, als der Tierschutz noch weit nicht so ein großes Thema war“, beschreibt Claudia Herka.
Doch im Laufe der Jahrzehnte wuchs die Überforderung. „Claudia, da solltest du was tun“, erinnert sie sich an die Worte des renommierten Eulen- und Greifvogelexperten Hans Frey. Als sie 2005 sah, in welchem Zustand das Tierheim war und wie es der einst unerschrockenen Pionierin ging, zögerte sie nicht. „Ich übernahm – und war dabei sehr naiv.“ Der Verwandlungsprozess entpuppte sich als Kraftakt, „20 lehrreiche Jahre liegen hinter mir, aber ich bereue es nicht“. Sie habe lernen müssen, dass sie einige ehrenamtliche Tätigkeiten ziehen lassen muss, damit sie Kraft für ihre großen Missionen hat: das Tierheim und ihren Job als angestellte Tierärztin, „damit sich hier alles ausgeht“.
Drei Schwerpunkte gibt es im Tierheim Parndorf. Ein großer Bereich ist der Wildtierschutz: Verwaiste Jungtiere, Feldhasen, Rehe, Füchse und Vögel, darunter Störche, werden aufgezogen; zudem versorgt sie verletzte erwachsene Wildtiere medizinisch. Der zweite große Bereich ist der Gnadenhof; die Tierärztin kennt mittlerweile viele traurige Schicksale.

Ein großes Thema sind sogenannte „Hundefabriken“ im Ausland. „Die Welpen kommen mit vier, fünf Wochen von der Mutter weg, sind wochenlang unterwegs. Wenn sie die Reise überleben und zum neuen Besitzer kommen, werden sie oft bald zum Problem – ihnen fehlt grundlegende Sozialisation“, beschreibt Claudia Herka. Wenn solche Hunde zu ihr kommen, manchmal nach einem Beißvorfall, bleiben sie oft bei ihr; sie gelten als unvermittelbar. „Ich habe einen Dackel hier, der hatte mit zwei Jahren bereits acht Besitzer.“

Wahrscheinlicher ist es, dass er – mit Esel, Schwein und Co – in Parndorf in Pension geht.
Es leben dort aber auch – und das ist der dritte Schwerpunkt – viele Tiere, „für die ich gute Plätze finden möchte: Katzen und Hunde, Hasen und Meerschweinchen“.

Eine in der Gesellschaft zunehmend fehlende Empathie bekomme sie leider bei den Vergabegesprächen zu spüren. „Anfangs war ich sprachlos, wenn Menschen fragten, ob sie einen Hund für ein, zwei Jahre haben und dann wieder bringen könnten. Mittlerweile höre ich das oft“, beschreibt Claudia Herka, die für die Tiere natürlich ein stabiles Zuhause sucht. „Der Anschaffung eines Haustieres liegen manchmal sehr spezielle Gründe zugrunde; der Hund soll Partner- oder Kind-Ersatz, Sportgerät oder Alarmanlage sein.“ Da lehnt die Vollblut-Tierschützerin lieber ab – und wartet auf die nächsten potenziellen liebevollen Kandidat*innen.
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