Luftaufnahme der Friedensburg Schlaining, umgeben von Wäldern und der imposanten mittelalterlichen Befestigungsanlage.

Friedensburg Schlaining – ein Ort für Dialog

Ein Gespräch mit Norbert Darabos, Präsident des Austrian Centre for Peace (ACP) und Standortleiter der Friedensburg Schlaining.

3 Min.

© KBB

An heißen Sommertagen wird die Friedensburg Schlaining zu einem besonderen Rückzugsort: Hinter den kühlen Mauern der Burg lässt es sich durchatmen, während im Innenhof unter alten Kastanien eine ruhige, zeitlose Atmosphäre entsteht. Wir sprechen mit Norbert Darabos, Präsident des Austrian Centre for Peace (ACP) und Standortleiter der Friedensburg Schlaining, über die Bedeutung des Friedens.

Norbert Darabos vor dem Eingang der Friedensburg Schlaining, dem Kultur- und Veranstaltungszentrum im Burgenland.
© Roland Pittner

Erst zuhören, dann gemeinsam analysieren, dann gemeinsam nach Lösungen suchen.

Sie waren Verteidigungsminister, heute stehen Sie an der Spitze eines Friedenszentrums. Wie hat sich Ihr persönlicher Blick auf Sicherheit dadurch verändert?

Norbert Darabos: Ich habe mich auch in meiner Zeit als Verteidigungs­minister als „Friedens-, nicht als Kriegsminister“ gesehen. So habe ich besonderen Wert auf die Beschickung von Friedensmissionen mit österreichischen Soldat*innen gelegt. Wenn man so will, habe ich, nicht zuletzt auch geprägt durch meine Vergangenheit als Zivildiener, immer zu den „Tauben“ und nie zu den „Falken“ gehört. Als Präsident des ACP hat sich mein persönlicher Blick vielleicht etwas verfeinert und sensibilisiert, aber nicht wirklich verändert. Die Friedensburg war lange ein Ort an der Grenze, nahe am Eisernen Vorhang. Heute ist sie ein internationaler Ort für Dialog … Ohne ins Detail gehen zu dürfen, ist das ACP in vielen Krisen in der Welt Mediator. Das alleine rechtfertigt seine Existenz. Diese Hingebung zur Friedensarbeit kommt nicht von ungefähr. Jahrzehntelang hatte das Burgenland am „Eisernen Vorhang“ kaum Luft zum Atmen. Auch in der Zeit des Kalten Krieges zeigten Burgenländer*innen wichtiges Engagement in Krisen.

Frieden klingt oft groß: Weltpolitik, Krieg, Diplomatie. Wo beginnt Frieden im Alltag einer Gemeinde, einer Familie, eines Vereins?

Ohne echten sozialen Frieden gibt es keinen wirklichen Frieden. Frieden ist deutlich mehr als die bloße Abwesenheit von Krieg. Er beginnt tatsächlich schon im Kleinen. Gewalt in der Familie ist keine Konfliktlösung, Streit in den Gemeinden ebenso wenig.
Wir bieten seitens des ACP auch in diesen Bereichen Mediation an. So versuchen wir ein wenig zur friedlichen Entwicklung in unserer Gesellschaft beizutragen.

Die Friedensburg Schlaining bei Abendstimmung mit beleuchtetem Klangfestival im historischen Burghof.
© KBB

Wir leben in einer Zeit, in der sich viele Menschen schnell sehr sicher sind, wer recht hat. Wie bringt man Menschen wieder dazu, einander zuzuhören?

Schwierige Frage. Die Menschen müssen verstehen, dass sie mit der Devise „Du begreifst das nicht“ keine Probleme lösen können. Also: zuerst zuhören, dann gemeinsam analysieren und dann gemeinsam nach Lösungen suchen. Klingt einfach, ist aber sehr schwierig. Wichtig ist das „Ernstnehmen“.

Welche Geschichte aus dem Burgenland müsste man Ihrer Meinung nach öfter erzählen, weil sie uns beim Umgang mit heutigen Konflikten helfen könnte?

Wohl jene der Bewältigung der vielen Flüchtlingskrisen – Stichwort: Ungarn­aufstand 1956, Tschechoslowakeikrise 1968, Fall des Eisernen Vorhanges 1989, Jugoslawienkrieg oder Flüchtlingsbewegung 2015. Diese Ereignisse und vor allem die Hilfsbereitschaft der burgenländischen Bevölkerung sind Symbol für den Wandel.

friedensburg.at

klangfestivalschlaining.at

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