BUSINESS TALK mit Doris Granabetter
Ein Interview mit Wirtschaftskammer-Direktor-Stellvertreterin Doris Granabetter über die Chancen und Herausforderungen von Unternehmensgründungen.
Doris Granabetter © WKB
BURGENLÄNDERIN: Das Burgenland ist ein Gründerland. Wie sehen die Statistiken dazu aus?
Doris Granabetter: Vergleicht man die Gründungszahlen der letzten 30 Jahre, so ist das Burgenland mit einer Gründungsintensität von 7,5 % (Neugründungen in Prozent des Standes an aktiven Kammermitgliedern) auf Platz 2 nach Wien. Der Frauen-Anteil lag über die Jahre gesehen im Burgenland mit mehr als 56 % österreichweit sogar am höchsten. Gründungen betreffen alle Branchen und auch jedes Alter. So hatten heuer mehr als 130 Personen, die gegründet haben, ihren 60. Geburtstag bereits hinter sich.
In welchen Bereichen dominieren Frauen die Einzelunternehmungsgründungen?
Frauen dominieren die Gründungen in den Bereichen Fußpflege, Kosmetik und Massage (90 %), gefolgt vom Direktvertrieb (88 %). Im Bereich Personenberatung und Personenbetreuung entfallen 85 % der Gründungen auf Frauen. Es gibt keine Branche, die sich ausschließlich Männern oder Frauen zuordnen lässt. Frauen gründen auch Baufirmen oder machen sich im Bereich Mechatronik oder Fahrzeugtechnik selbstständig. Alles ist möglich.
Welche Online-Services sollten angehende Unternehmer*innen schon in der ersten Planungsphase unbedingt kennen?
Eine wichtige Entscheidungsgrundlage ist der Gründungs-Fitness-Check Mit diesem Test finden Gründungsinteressierte heraus, ob sie ein “Unternehmertyp” sind. Das finanzielle Risiko einer Gründung lässt sich am besten mit dem Mindestumsatzrechner einschätzen. Er zeigt, welcher Umsatz notwendig ist, um Kosten zu decken und den gewünschten Unternehmerlohn zu erzielen.
Dann ist der Businessplan wichtig. Hier bieten das Businessplan-Handbuch sowie Musterbusinesspläne gute Anhaltspunkte. Klar ist aber auch: Jede Gründung ist individuell, deshalb ist auch die Beratung so wichtig.
Wo liegen bei der Finanzplanung erfahrungsgemäß die häufigsten Fehleinschätzungen?
Viele waren vor der Selbstständigkeit unselbstständig tätig und gewohnt, dass das Geld am Bankkonto ohne Abzüge zur Verfügung steht. Als Unternehmer*in erziele ich zuerst Umsätze, davon sind Sozialversicherung und Einkommensteuer zu bezahlen. Vielen ist die Unterscheidung brutto zu netto bei der unselbstständigen Tätigkeit nicht so bewusst.
Mit welchen Fragen kommen die meisten Teilnehmenden – und was möchten Sie ihnen für den Weg in die Selbstständigkeit mitgeben?
Die häufigsten Fragen sind: Brauche ich für meine Geschäftsidee eine Gewerbeberechtigung? Wenn ja, welche? Wie komme ich zur Gewerbeberechtigung? Mit welchen Kosten ist in der Selbstständigkeit zu rechnen? Welche Rechtsform passt für mich? Und natürlich: Gibt es eine Förderung?
Was wir allen Gründungsinteressierten mit auf den Weg geben wollen: Das Gründerservice der Wirtschaftskammer Burgenland ist in allen sieben Regionalstellen ein kompetenter Partner für Gründungsinteressierte aus allen Branchen. Nützen Sie das Angebot! Es ist zu Ihrem Vorteil.
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