Ewald Tatar: zwischen Ausnahmezustand und Euphorie
Veranstaltungslegende Ewald Tatar über große Momente, harte Brüche und die Kunst, weiterzumachen.
© Sebastian Friedl
Ewald Tatar hat zwei internationale Auszeichnungen, volle Festivals und Erinnerungen an Zeiten, die alles verändert haben, aber er ist niemand, der sich gerne selbst inszeniert.
Ewald Tatar spricht ruhig über Dinge, die andere wohl lauter erzählen würden – und genau darin liegt die Kraft seiner Geschichte. Es geht um Auszeichnungen, die man nicht planen kann, um Rückschläge, die alles infrage stellen, und um diesen eigenwilligen Antrieb, der ihn seit Jahrzehnten durch eine Branche trägt, die selten stillsteht.
Nicht auf der Agenda
Die Austrian Event Hall of Fame – eine Auszeichnung für Kulturschaffende in Österreich, die schon Persönlichkeiten wie Ostbahn Kurti, Lotte Tobisch oder Gery Keszler erhielten. Und plötzlich auch er. „Ich hatte das nie am Schirm“, sagt Tatar fast beiläufig. Die Freude kommt leise, aber spürbar: Teil eines Kreises zu sein, der Kultur in Österreich geprägt hat, fühlt sich für ihn nach echter Anerkennung an.
Noch internationaler wird es mit dem nächsten Kapitel: der European Lifetime Achievement Award in den Niederlanden, eine Art europäischer „Oscar“ für Konzert- und Festivalveranstalter. Eine Gala in Groningen, ein Abend voller großer Namen – und am Ende steht sein Name ganz oben. „Unsere Branche bleibt jung, egal wie lange man dabei ist“, sagt er und lächelt. Vielleicht ist genau das das Geheimnis.
Ein Leben im eigenen Takt
Wenn er zurückblickt, spürt er keine Reue. „Ich habe meistens das gemacht, was ich machen wollte“, sagt er. Der Vergleich mit einem Fußballer, der sein Hobby zum Beruf macht, kommt nicht zufällig. Es geht um Leidenschaft, die sich nicht erklären muss, und um das seltene Glück, davon leben zu können.
Doch wer Events organisiert, lebt immer auch mit Unsicherheit. Wetter, Timing, Publikum – alles Faktoren, die sich nicht kontrollieren lassen. Und dann kam 2020: Pandemie, Stillstand und kurz darauf der Zusammenbruch der Commerzialbank Mattersburg. „Diese Mischung war heftig“, sagt Tatar. 34 Millionen Euro Verlust, ein Schock, der tief sitzt. Dass kurz davor 71 Prozent der Firma an CTS Eventim verkauft wurden, wurde im Nachhinein zur Rettung. „Es waren richtige Tiefschläge kurz hintereinander.“
Was bleibt nach so einer Phase? „Dass es weitergeht“, sagt er. Und fast noch wichtiger: dass kein einziger der rund 50 Mitarbeitenden gekündigt werden musste. Ein Satz, der mehr über ihn erzählt als jede Auszeichnung.

Zwischen Nostalgie und neuem Puls
Heute spricht Tatar wieder über Festivals, und man merkt sofort, wie sehr ihn das antreibt. Das Comeback des Urgesteins aller Festivals – das „Forestglade“ – in Eisenstadt fühlt sich für ihn wie ein emotionales Wiedersehen an. „Wie ein Klassentreffen nach vielen Jahren“, beschreibt er die Stimmung. Dass es gleich beim ersten Mal ein Erfolg wurde, hat selbst ihn überrascht. Und die Nachfrage bleibt hoch, getragen von jenen, die in den späten 90ern dabei waren und jetzt zurückkommen – gemeinsam mit einer neuen Generation.
Auch das Nova Rock läuft in gewohnten Bahnen. „Die Neuigkeit für das heurige Nova Rock ist, dass es keine Neuigkeit gibt“, sagt er und meint das als Kompliment. Ein eingespieltes System, das außer ein paar kleinen Anpassungen nicht jedes Jahr neu erfunden werden muss.
Die Branche selbst ist dichter geworden. Festivalwochenenden sind voll, Acts schwerer zu bekommen. Namen wie Metallica oder System of a Down stehen auf Wunschlisten, sind aber oft auf eigenen Stadiontouren unterwegs. Gleichzeitig zeigt der Erfolg von Acts wie Linkin Park oder den Foo Fighters, wie groß die Nachfrage bleibt.
Und dann sind da noch die Momente, die alles zusammenhalten: ausverkaufte Shows, überraschende Bookings wie Moby beim Butterfly Dance oder die Begeisterung für Pizzera & Jaus und Lovely Days in Eisenstadt.
All das ist für ihn nicht selbstverständlich – und gerade deshalb ist Ewald Tatar einer, der immer weitermacht.
Ausgewählte Upcoming Events,
für die es noch Karten gibt:
• NOVA ROCK, 11. – 14. Juni, Pannonia Fields Nickelsdorf
• KINGS OF LEON, 23. Juni, Wiener Stadthalle
• FOO FIGHTERS, 3. Juli, Ernst Happel Stadion Wien
• BUTTERFLY DANCE!, 10. Juli, Schlosspark Esterházy Eisenstadt
• FORESTGLADE, 11. Juli, Schlosspark Esterházy Eisenstadt
• VAN MORRISON, 16. Juli, Burg Clam
• DOGSTAR (mit Keanu Reeves), 17. Juli, Gasometer Wien
• FREQUENCY, 20. – 22. August, VAZ St. Pölten
Mehr auf: www.barracudamusic.at
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